Miriam Küllmer-Vogt vom Theater „Zauberwort“ spielt Luthers Ehefrau

Mal still, mal aufgewühlt

Miriam Küllmer-Vogt spielte die Rolle der einstigen Nonne und späteren Frau Martin Luthers, Katharina von Bora. -  Foto: Just

Dieburg -  Im Jubiläumsjahr der Reformation steht vor allem Martin Luther im Vordergrund. Doch es gab Menschen in seinem Umfeld, die nicht minder interessant sind, allen voran seine Frau Katharina von Bora. Von Michael Just

Das Theater „Zauberwort“ aus dem Taunus hat zu ihrer Würdigng extra ein Kammer-Musical geschaffen. In der evangelischen Kirche schlüpfte nun Miriam Küllmer-Vogt in die Rolle der einstigen Nonne und stellte eine äußerst interessante Persönlichkeit vor.

Im 16. Jahrhundert galt eine Frau mit 25 Jahren schon als alt, wenn sie nicht verheiratet war. Das erfährt auch Katharina von Bora alias Miriam Küllmer-Vogt: „Sie soll froh sein, wenn sie überhaupt noch einen abkriegt!“, wird über die vermeintlich alte Jungfer gesagt. „Ist das die Freiheit eines Christenmenschen? Hauptsache die Frau ist unter der Haube?“, fragt sie daraufhin befremdet. Wie schwer die Partnersuche ist, spürt Katharina gleich doppelt: Die Vermittlung mit Kaspar Glatz lehnt sie ab, weil er ihr nicht gefällt. Hieronymus Baumgartner gefällt ihr, doch in dem Fall will der Adelssohn nicht. Da Katharina zuvor aus einem Kloster floh und ihr Gelübde brach, möchte Baumgartner diese Schande seinem Vater nicht ersparen. „Männer sind Gefangene ihrer Ängste“, stellt die Geschmähte fest.

Auch Martin Luther wird bei der Partnersuche nicht von sofortigem Erfolg verwöhnt. Helfen sich der Reformator und Katharina zu Beginn gegenseitig bei der Suche nach der großen Liebe, führt sie der weitere Weg letztlich zusammen.

Das Leben der Katharina von Bora ist interessant, auch im Hinblick auf die geschichtlichen Ereignisse vor ihrer Haustür in Wittenberg. Miriam Küllmer-Vogt vom Theater „Zauberwort“ kreierte deshalb unter dem Titel „Wenn Engel lachen...“ ein Stück, das persönliche und historische Einblicke in die Reformationszeit gibt. Mit künstlerischen Freiheiten versehen, hält es sich eng an die Überlieferungen aus den Annalen. „Ich habe die Aufführung letztes Jahr in Roßdorf gesehen und war mir schnell sicher, dass das auch was für uns ist“, erzählt Brigitte Werthmann vom Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde. Mit 70 bis 80 Besuchern zeigte sich das Stück als gut besucht. Wäre nicht parallel „Blaue Nacht“ in Dieburg gewesen, wäre der Zuspruch sicherlich noch höher ausgefallen.

„Wenn Engel lachen...“ überraschte mit mehreren Besonderheiten: Zum einen stand Miriam Küllmer-Vogt in dem Ein-Personen-Stück alleine auf der Bühne – oder besser gesagt vor dem Altar. Von Gernot Blume am Klavier begleitet, spielte und sang sie mit bemerkenswerter Leidenschaft und Temperament. Sämtliche Monologe und Dialoge mit imaginären Personen, darunter natürlich auch Martin Luther, waren von kurzweiliger und unterhaltender Natur.

Mal einfühlsam, dann wieder emotional aufgewühlt, hier und da mit Humor versehen, vesprühte der Auftritt ein Höchstmaß an Präsenz und Professionalität.

Ungewöhnlich: Miriam Küllmer-Vogt studierte Theologie und ist Pastorin. Den Beruf des Pfarrers teilt sie mit ihrem Mann Fabian, ebenso wie die Leidenschaft für Schauspiel und Gesang. Die Talente der beiden gehen im Theater „Zauberwort“ auf. Zudem hat sich Fabian Vogt einen Namen als Kabarettist gemacht. Mit seinem Programm „Luther bei die Fische“ hielt er jüngst beim Kirchenkabarett-Festival in Babenhausen Gesellschaft und Kirche den Spiegel vor. In Dieburg verzauberte seine Frau nun 90 Minuten lang als Katharina von Bora die Besucher. Mit Charisma, einer brillanten Stimme und reichlich Empathie stellte sie die Gedanken und die Gefühlswelt einer Frau dar, die unter den damaligen Moralvorstellungen zu leiden hatte und mit Martin Luther sowie der Geburt von sechs Kindern doch noch ihr Glück fand. Die Monologe und Gespräche waren in gekonnter Weise so angelegt, dass zusätzlich der Charakter von Martin Luther durchblitzte – ebenso wie die Wirren, die die Reformation in den 1520er-Jahren auslöste, evident wurden. Wie der große Schlussapplaus zeigte, bewies der Kirchenvorstand mit dem Kammer-Musical und der Verpflichtung von Miriam Küllmer-Vogt ein vortreffliches Händchen, auf diese Weise das Reformationsjahr in Dieburg lebendig werden zu lassen.

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