„Strahlkraft aus Dieburg heraus“

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Lydia Goll feilt mit einem Mitarbeiter am Schnitt eines Videos.

Dieburg - Wer als TV-Journalistin am „heute journal“ im ZDF mitwirkt, hat es in der Branche zu etwas gebracht, bleibt da normalerweise gerne. Anders bei Lydia Goll: „Ich wollte mal raus dort und etwas anderes machen“, sagt die sympathische blonde Frau. Von Jens Dörr

Zunächst übernahm sie eine Vertretungs-Professur für drei Monate, kam so auch an den Campus Dieburg, dessen Aushängeschild insbesondere die Studiengänge des Fachbereichs Media sind. Was folgte, war die Zusammenarbeit mit den hiesigen Professoren Thomas Pleil und Klaus Meier, beide tragende Säulen des noch recht jungen Studiengangs Online-Journalismus – und 2007 schließlich die Gründung von Golls erstem Unternehmen aca-de-media.

„Es gehört zu meinem Geschäftsmodell, Studenten in mein Unternehmen einzubeziehen“, erklärt Goll. Aca-de-media kümmert sich vor allem um die Produktion professioneller Videos: Aktuell beschäftigt sich Golls Unternehmen, das sich zunächst im Dieburger Technologie- und Innovationszentrum (TIZ) vis-à-vis des Albinischen Schlosses angesiedelt hat, vor allem mit einem Projekt im Rahmen der mit zwei Milliarden vom Staat geförderten Exzellenzinitiative. Durch die sollen sich für Spitzenforscher die Türen ins 21. Jahrhundert öffnen, die Hochschulen besser zukunftsträchtige Ideen verwirklichen können, die deutsche Wissenschaft international weiter sichtbar werden. Das Video-Portal www.exzellenz-initiative.de soll ein eindrucksvolles Bild von den Experimenten und Erkenntnissen der 85 Projekte, die die Initiative fördert, vermitteln. Goll als ehemalige Fernsehjournalistin betreibt mit aca-de-media das deutsch- und englischsprachige Portal gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Zu jedem Projekt filmt Golls Team einen Beitrag, erstellt zudem einen erklärenden Film. 37 Projekte sind im Kasten, 800 Besucher gehen schon jetzt täglich auf die Website, die weiter wächst. „Das Problem ist, dass die DFG das Portal nicht bewerben darf“, sagt Goll. Sie selbst sieht ihre Motivation einerseits darin, die Wissenschaft in Deutschland zu zeigen, wie sie bislang nicht so oft im Rampenlicht stand: „Da gibt es mittlerweile etwa sehr viele coole junge Wissenschaftler, die rein gar nicht dem Klischee des weltfremden Laboranten entsprechen.“ 20 Mitarbeiter hat aca-de-media inzwischen, vor allem Redakteure, Redaktionsassistenten sowie Kamera- und Schnittleute. Zehn Studenten vom Dieburger Campus sind darunter, die bei Goll praktische Erfahrung sammeln und sich dabei noch ihren Studienunterhalt verdienen können. Mit dieser Anzahl an Leuten gehört Goll im TIZ Dieburg zu den größten Unternehmen.

Dass ich die Studenten einbeziehe, kostet mich zwar erstmal Geld und bringt mir keins“, erklärt Goll. „Ich mache das aber sehr gerne und profitiere zum Beispiel durch neue, frische Sichtweisen von ihnen.“ Auch gelingt es Goll so, mit ihrer Arbeit Non-Profit-Organisationen zu bedienen, die meist nicht so viel Geld zur Verfügung haben. „Ich kann auch kleine und mittlere Budgets bedienen“, sagt Goll. Dies funktioniert so gut, dass die ehemalige Professorin für Film- und Medienproduktion sogar von einer „unglaublichen Strahlkraft aus dem kleinen Dieburg heraus“ spricht. Ihr Konzept geht auf, das Unternehmen ist bereits in der Profitzone gelandet.

Geholfen hat dabei natürlich der Großauftrag im Rahmen der Exzellenzinitiative, der aca-de-media auch in den kommenden Monaten noch beschäftigen wird. Das Lob für den Staat – „Zwei Milliarden für die Forschung sind viel“ – spricht Goll aber nur in Verbindung mit einer kritischen Äußerung aus: „Verglichen mit den Milliarden an Schuldenzahlungen und den Beträgen für die Autoindustrie gibt es da dennoch ein deutliches Missverhältnis.“

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