Kritik an Angebot

Streit ums Frauenschwimmen

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Frauenschwimmen im Dieburger Trainingsbad: Über das Angebot des Wassersportvereins gehen die Meinungen auseinander.

Dieburg - Die vom Wassersportverein eingeführten Schwimmzeiten nur für Frauen und Mädchen stoßen nicht nur bei Unbeteiligten auf Kritik. Auch innerhalb des Vereins gehen die Meinungen auseinander. Von Jens Dörr 

Soll der Wassersportverein (WSV) Dieburg daran festhalten, Schwimmzeiten und Schwimmkurse ausschließlich für Mädchen und Frauen anzubieten? Oder wirkt das in manchen Fällen der Integration weiblicher Personen anderer Kulturen entgegen? In dieser Frage gingen die Meinungen auch innerhalb des WSV zuletzt auseinander. Sogar Austritte verzeichnete der 300 Mitglieder zählende Verein deshalb schon. Der Vorstand hat sich dazu klar positioniert.

Ein Auszug aus einem Schreiben eines Gegners der reinen Schwimmzeiten für Frauen an die WSV-Führung lautet wie folgt: „Diese Aktion ist diskriminierend gegen Männer und wirkt einer Integration derjenigen entgegen, die ohnehin schon Probleme mit unserem kulturellen Verständnis zu unseren Geschlechterrollen haben. Mit derartigen Aktionen stützen Sie die, die sich einem gemeinsamen Sport- und Schwimmunterricht für Mädchen und Jungen an unseren Schulen verweigern.“

Der WSV-Vorstand, dessen Standpunkt Vorsitzender Klaus Schulte formuliert, hält unterdessen klar dagegen: „Wir bieten bewusst Schwimmen und Schwimmkurse nur für Frauen an. Die Nachfrage bestätigt hier unser Handeln.“ Dabei handele es sich um „keine speziellen Angebote für religiös motivierte Frauen“. Man mache vielmehr „allen Frauen“ ein Angebot, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht in ein Schwimmbad gingen, wenn Männer anwesend seien.

Schulte verweist zum Beispiel auf die Aussage einer deutschen Frau ohne religiöse Motive: Beim reinen Frauenschwimmen im vom WSV betriebenen Trainingsbad am Campus sei sie „vor gaffenden Blicken der Männer geschützt“. Schulte verweist auch darauf, dass man mit den puren Angeboten für das weibliche Geschlecht längst nicht allein dastehe: Es gebe in Dieburg und der Region Selbstverteidigungskurse für Frauen, Yoga-Kurse für Mädchen, in Darmstadt ein Fitness-Studio nur für Frauen. „Werbung: Frei von Männerblicken.“ Zugleich biete etwa die katholische Kirchengemeinde Wochenenden für Väter und Kinder an, zu denen Mütter keinen Zugang hätten. „Ist das alles Diskriminierung oder sind es doch sinnvolle Angebote?“, fragt Schulte stellvertretend für den Vorstand rhetorisch.

Gleichwohl räumt er ein, dass der WSV mit den Schwimmzeiten nur für Frauen auch denjenigen entgegenkomme, die Probleme mit dem hiesigen Geschlechterverständnis hätten. Man sehe es als Vorstand aber nicht so, dass dies einer Integration entgegenstehe. „Wir sehen das anders. Unsere Haltung wird dadurch bestärkt, dass unser Schwimmen für Frauen vom Landessportbund Hessen und der Bundesregierung im Rahmen des Förderprogramms ,Integration durch Sport’ gefördert wird“, erklärt Schulte: „Wir sehen unser Angebot als Möglichkeit der Teilhabe am Sport mit Kontaktmöglichkeiten zu anderen Frauen und als Alternative dazu, keinen Sport zu treiben.“

Indoor Rowing ist effektiv und gesund

Mit Blick auf das Schulschwimmen lautet die WSV-Position so: „Dieser Bereich ist durch Gesetze und pädagogische Richtlinien geregelt. Trotz der Verpflichtung zum Unterricht verweigern Mädchen ihre Teilnahme und werden von Ärzten allzu bereitwillig mit Attesten versorgt.“ Man möge sich überlegen, „ob das Schwimmen lernen in unseren Kursen nur für Mädchen und mehr Toleranz der Mitschüler gegenüber den Burkini tragenden Mädchen die Situation nicht doch verbessern würde. Wir sehen dies so.“ Unter dem Strich biete man „Mädchen und Frauen die Möglichkeit, den Schwimmsport auszuüben und damit die Möglichkeit, am Gemeinschaftsleben teilzunehmen. Das wird ein Stück Normalität und zu einer Annäherung der Kulturen führen. Wir nennen das Integration.“

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