Einblicke in die Gesellenprüfung der Maler und Lackierer

Strich für Strich, jeder für sich

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Strich für Strich zum Endergebnis. Nach drei Tagen und fast 20 Stunden Arbeitszeit ist der angehende Maler-Geselle Marco Gambarin mit seiner Wand fertig – und zufrieden mit dem Ergebnis.

Dieburg - Tapezieren und tuschen, klecksen als auch kleistern bis hin zum Schattieren und Streichen – die Gesellenprüfung der Maler und Lackierer verlangt dem Nachwuchs einiges ab. Der DA war bei der Praxisprüfung an der Landrat-Gruber-Schule (LGS) in Dieburg dabei. Von Konstanze Löw 

Zwischen Pinsel, Spachtel und Farbroller sind die neun angehenden Malergesellen in ihrem Metier. Da wird tapeziert, gezeichnet, abgemessen und manchmal auch geflucht – natürlich jeder für sich, hinter seiner eigenen Wand. An dieser können sich sich die Prüflinge austoben und das zeigen, was sie in den letzten drei Jahren in ihrer Berufsausbildung gelernt haben. Denn bei der Gesellenprüfung zum Maler und Lackierer werden in drei Tagen alle Fertigkeiten getestet, die die jungen Erwachsenen für den Alltag als Gesellen benötigen. „Man spricht nicht umsonst von einem Handwerk“, sagt Marco Gambarin, während sein Pinsel in der weißen Farbe untertaucht und anschließend schmatzend die Wand mit seinen Borsten kitzelt.

Die Aufgabe für die neun angehenden Profis, die einmal wöchentlich an der LGS alles rund um das Handwerk lernen: Eine Seite der Wand tapezieren, die andere nach dem Thema „Kindergarten“ gestalten. 20 Stunden, aufgeteilt auf drei Tage, haben sie Zeit. „Im ersten Moment hat man schon kurz Panik. Da steht man einfach vor ’ner weißen Wand, muss sich sammeln und versuchen auszublenden, dass das Endergebnis benotet wird und noch dazu so wichtig für die berufliche Zukunft ist“, erklärt Florian Freudenthal. Der 18-Jährige ist an diesem Vormittag schon fertig mit der Aufgabe, sei „gut durchgekommen“. Andere seiner Kollegen konzentrieren sich hingegen noch auf den letzten Feinschliff, mischen Farben, bis der Ton exakt der Vorgabe entspricht. Gambarin kann man dabei beobachten, wie er immer wieder hektisch auf den Hocker stapft, um auch die obere Kante seiner Wand perfekt zu lackieren.

Die Lehrerin Sonja Ludwig vom Fachbereich „Farbe und Gestaltung“ ist zufrieden mit ihren Schützlingen, nennt sie „tolle Gesellen“ und ist neugierig. Darauf, wie sie am Ende abschneiden, was aus ihnen wird. Denn diese Frage schließt sich fast nahtlos an die Gesellenprüfung an. Wer findet einen Job? Wer wird übernommen und vor allem: Wie lange bleiben sie in dem Beruf? Diese Bedenken von Sonja Ludwig sind spätestens nach ihren weiteren Ausführungen nachzuvollziehen. „Es ist ein sehr anstrengender Knochenjob, nicht alle Chefs sind zum Kuscheln, man arbeitet viel und die Bezahlung ist verhältnismäßig gering.“

Die Lehrerin weiß aus Erfahrung, dass nur etwa jeder dritte Geselle dem Job treu bleibt. Hinzu kommt, dass es viele der Lehrlinge gar nicht erst bis zur Abschlussprüfung schaffen: „Nicht alle halten durch, sondern brechen weg.“ Trotzdem kann sie die Ausbildung nur empfehlen, denn zum einen gebe es tolle Betriebe im Landkreis und zum anderen sei es eine Ausbildung, die es später erlaube, in vielen anderen Berufssparten Fuß zu fassen.

Währenddessen sind alle angehenden Gesellen mit ihrer persönlichen Wand fertig. Zeit für die Lehrerin und Ernst-Ludwig Kratz vom Prüfungsausschuss, die Werke des Nachwuchses zu betrachten. „Ich sehe tolle Ergebnisse, ich bin zufrieden“, sagt Ludwig, während sie über die frisch angebrachte Tapete streichelt. „Da werden heute ganz sicher viele gute Noten dabei sein.“

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