Stromausfall: Fünf Intensiv-Patienten vorsorglich verlegt

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Stefan Walbrach überprüft das neue Notstromaggregat des St. Rochus.

Dieburg ‐ „Wir haben das schon in einer Großübung trainiert, jetzt hat es uns live erwischt“, sagt Markus Bazan, Bevollmächtigter des Vorstands des St. Rochus Krankenhauses. Von Lisa Hager, Laura Hombach und Gudrun Fritsch

Am Dienstagabend wurde es ernster als ihm lieb war: Gegen 21.30 Uhr gingen in Teilen von Dieburg (Bereich Frankfurter Straße I-Nord Richtung Innenstadt, Zentrum, Konrad-Adenauer-Straße, Klein-Zimmerner-Straße) buchstäblich die Lichter aus. Groß- und Klein-Zimmern sowie Gunderhausen, Georgenhausen und Semd waren komplett in Schwarz getaucht.

„Für einen solchen Fall, der in dieser Form noch nie eingetreten ist, springt unsere Notstromversorgung an“, sagt Bazan. Mit dem bevorrateten Diesel für die Motoren kann das Krankenhaus prinzipiell bis zu 72 Stunden versorgt werden. „In dem Fall jetzt wussten wir aber nicht, wie es weitergeht, die Lage beim Stromversorger war völlig unklar. Im Sommer hatten wir einen Ausfall aufgrund eines Blitzeinschlags, da waren wir aber nach 30 Minuten wieder am Netz“, vergleicht er.

Zusammen mit dem Leiter der Intensivstation, Dr. Patrick Schmenger, hat die Feuerwehr entschieden, fünf der zehn Patienten der Intensivstation in umliegende Krankenhäuser zu verlegen, da sich nicht voraussagen ließ, wann wieder aufs Netz umgeschaltet werden konnte.

In umliegende Kliniken gebracht

Die Feuerwehr unterstützte mit ihren eigenen Stromerzeugern die Intensivbehandlungsplätze und leuchtete den Krankenhausvorplatz aus. Von der Werkfeuerwehr Merck aus Darmstadt wurde eine Art „rollende Tankstelle“ angefordert.

Schmenger koordinierte die Einteilung der Patienten auf die Rettungswagen. Sie wurden in die Kooperationskrankenhäuser, Klinikum Darmstadt, Uniklinik Mainz und Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt, gefahren. Auf den anderen Stationen des Krankenhauses lief der Betrieb dank der Notstromaggregate ganz normal weiter.

„Wir haben auch das Altenheim und die Kläranlage kontrolliert“, sagt Stadtbrandinspektor Winfried Storck. Beide waren aber von dem Störfall nicht betroffen. Rund zweieinhalb Stunden dauerte der Stromausfall in und um Dieburg, zwischenzeitlich gab es auch lichte Momente, bevor der Strom erneut weg blieb. Licht und Dunkelheit lagen so nur wenige Schritte voneinander entfernt - und das auch im rein räumlichen Sinn.

Mit Humor genommen

Während man im „Mephisto“ auf der einen Seite des Marktplatzes bei hellstem Glühbirnenschein vom Stromausfall nichts spürte, herrschte schräg gegenüber im „M 22“ kuschelige Kerzenscheinatmosphäre. „Wir haben es mit Humor genommen und die Gäste auch“, sagt Inhaber Steven Lützenberger. Auch die Hotelgäste des „Mainzer Hofs“ hätten ihre dunklen Zimmer verlassen und es sich im darunter liegenden Restaurant bei Kerzenschein gemütlich gemacht. Im Nähzentrum Meitner am Markt 1 hatten Hobbyschneiderinnen glücklicherweise schon alle Nähte zu Ende gesteppt, als es keinen Saft mehr aus der Steckdose gab. Allerdings mussten sich die Damen ihren Weg aus der im Untergeschoss befindlichen Nähschule „ertasten“ - eine Herausforderung, die für mehr Erheiterung als Beunruhigung sorgte.

Entwarnung konnte auch Museums-Hausmeister Achim Wick nach einem spätabendlichen Abstecher an seinen Arbeitsplatz geben. Die Alarmanlage hatte signalisiert, dass sie keinen Saft mehr bekommt: Aber auch das war - wie sich herausstellte - nur eine Folge des Stromausfalls und nicht auf das Wirken diebischer Langfinger zurückzuführen.

Stromversorgung gegen Mitternacht wieder hergestellt

Gegen Mitternacht war die Stromversorgung wieder hergestellt. Seitdem wurde ausgemessen, wo der Defekt liegen könnte. Die HSE geht von einem Schaden am 20.000-Volt-Stromnetz aus. „Die unterirdischen Kabel sind sehr gut isoliert. Durch Alterungsprozesse oder Erdbewegungen kann es jedoch zu Mikrorissen kommen und dann eventuell Wasser eindringen“, nannte Pressesprecher Michael Leukam von der VNB (Verteilnetzbetreiber Rhein-Main-Neckar), eine mögliche Schadensquelle. Zwar gebe es ein festgelegtes Austauschprogramm, aber Defekte könnten trotzdem auftreten. „Regulär ist das kein Problem, weil die Stromversorgung ja durch die Fernwirktechnik gesteuert wird.“ Die sei aber gleichzeitig ausgefallen. Das sei bisher noch nie vorgekommen, zumal die Systeme völlig unabhängig arbeiteten. Gestern Nachmittag wurden die Techniker fündig: Nahe der Georgenhäuser Biogasanlage war ein 20 Kilovolt-Kabel zerschmort. Rund zwei Meter wurden erneuert.

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