Stromcheck zum Nulltarif: 150 Euro im Jahr sparen

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Raimund Heim demonstriert die Funktion des Stromverbrauch-Messgerätes.

Dieburg (db) ‐ „Die meisten denken, da kommt noch irgendein Haken. Das kann doch unmöglich umsonst sein“, fasst Raimund Heim die Reaktionen seiner Kunden zusammen. Obwohl Kunde in diesem Zusammenhang nicht wirklich zutrifft.

Heim ist nämlich einer von derzeit acht zertifizierten Service-Beratern, die einen kostenlosen Stromspar-Check in einkommensschwachen Haushalten durchführen. „Wer kennt das nicht? Die steigenden Energiepreise summieren die Wohn-Nebenkosten mittlerweile zur Zweitmiete“, erklärt Monika Fahrenholz-Müller, Leiterin der Allgemeinen Lebensberatung der Caritas Dieburg. Vor allem eben genannte einkommensschwache Haushalte sind von der Entwicklung betroffen. Konkret: Arbeitslosengeld II-, Sozialhilfe- und Wohngeldbezieher.

Stromsparen eine Win-Win-Situation

Bereits vor drei Jahren kam die Caritas in Frankfurt auf die Idee dieser speziellen Form der Stromsparberatung, die mit dem ersten Preis als innovativstes Umweltschutzprojekt in Berlin ausgezeichnet wurde. Cariteam-Energiesparservice hieß der Vorläufer des Projekts, das aus einer Kooperation zwischen Caritas, Kreisagentur für Beschäftigung und der Hessen-Energie in Wiesbaden besteht, und an 75 Standorten in Deutschland angeboten wird.

Mehr Informationen unter 06071 / 98660.

Eine Win-Win-Situation für Berater und Beratende. Denn: die Serviceberater sind selbst allesamt ehemalige ALG-II-Bezieher. „Wir möchten hiermit nicht nur etwas für den Umweltschutz tun, sondern auch die Beschäftigungschancen unserer Berater auf dem Arbeitsmarkt verbessern“, erklärt Dr. Werner Veith, Caritasdirektor vom Verband in Darmstadt. So wie etwa Klaus Gerth-Koch. Letztes Jahr war er selbst noch Serviceberater und fuhr von Haus zu Haus. Heute stellt er als Fachanleiter die Qualitätssicherung der Beratungen sicher. „Ich bin sozusagen eine Stufe in der Karriereleiter nach oben gestiegen“, sagt Gerth-Koch lächelnd. Doch bevor die Stromchecker einen Ausweis am Hemd tragen dürfen, müssen sie durch einen Ausbilder der Hessen-Energie qualifiziert werden.

Alle Geräte sind kostenlos

Die Berater ermitteln bei ihrem ersten Besuch den aktuellen Stromverbrauch und nehmen typische Stromfresser, wie etwa den Kühlschrank, unter die Lupe. Beim zweiten Besuch installiert der Service-Berater die Soforthilfepakete zum Stromsparen: Je nach Bedarf und Verbrauch sind das Energiesparlampen, Steckdosenleisten, TV-Standby-Abschalter, Zeitschaltuhren und Thermostopps. Die Stromsparhilfen stellt die HSE als Sponsor zur Verfügung. „Alle Geräte sind für die Haushalte vollkommen kostenlos“, erklärt Simone Bormuth, die seit Februar an diesem Projekt teilnimmt. „Erst schauen die Leute noch ungläubig, aber im Nachhinein sind alle glücklich, dass wir helfen, Geld zu sparen.“ Und das ist der Fall. Die Soforthilfen verringern bereits im ersten Jahr nach ihrer Installation die Stromrechnung um bis zu etwa 150 Euro. Außerdem „ändert sich trotz der Einsparungen an bisher geleisteten Sozialleistungen nichts“, bestätigt die Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück. Darüber hinaus betonte Fahrenholz-Müller, dass auch für dieses Hilfsangebot nach wie vor der Datenschutz gilt. Rund 8 700 Haushalte im Landkreis könnten von dem Service Gebrauch machen.

Ob das Projekt nächstes Jahr angeboten wird, konnte Fahrenholz-Müller noch nicht sagen. „Es kommt auf die Zahl der Bewerber an“. Allerdings stehen die Zeichen auf Fortsetzung: Schon jetzt stehen zwei Interessenten auf der Warteliste.

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