Studenten stellen im Schloss Fechenbach aus

Wo Basilikum twittert

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Wie die Kräuter auf die Bewässerung mit einer Mitteilung über Twitter reagieren, zeigte der Lehrbeauftragte Klaus Schüller (links) mit zwei Studierenden.

Dieburg - Gibt es eine Verbindung zwischen Gartenarbeit und Twitter? Wie fühlt sich der Wahnsinn des Drohnenkrieges in Pakistan an? Auf diese und weitere Fragen liefert die Ausstellung „Bin gleich wieder da!“ im Museum Schloss Fechenbach Antworten. Von Konstanze Löw 

Studenten vom Mediencampus zeigen dort bis zum 8. Januar ihre Werke. Gestern war es lauter als sonst im Museum Schloss Fechenbach. Verschiedene Töne und Soundinstallationen füllten den Ausstellungsraum mit Leben. Denn dort präsentierten Studenten vom Mediencampus im kleinen Kreis ihre Werke, bevor gestern Abend „Bin gleich wieder da! Unterwegs in virtuellen Welten“ offiziell eröffnet wurde. Den Umgang mit Medien und das Eintauchen in mediale Umwelten thematisieren die insgesamt neun Exponate. Ein Anliegen sei auch gewesen, das oftmals negative Image der neuen Medien zu widerlegen und deren Reichtum in den Mittelpunkt zu rücken, erklärte der Lehrbeauftragte Klaus Schüller.

Bei der Ausstellung wird den Besuchern eine große Bandbreite geboten, denn die Exponate reichen von audiovisuellen Installationen, Film- und Hörspiel-Screenings bis hin zu interaktiven Objekten und Computer-Simulationen. Interaktiv geht es an der Station „disseminations“ zu, in der Medieninstallation und Gartenarbeit von der Projektgruppe verknüpft wurden. Wässern die Besucher ein Beet oder wird der Raum verdunkelt, treten Basilikum und Thymian mit den Nutzern in Dialog und twittern nur wenige Sekunden später ihre Erfahrungen. „Light: darker“ (Licht: dunkler) ist dann auf dem Social-Media-Kanal zu lesen. „Das funktioniert über Sensoren, die wir in einem Seminar programmiert haben. Diese melden dann über Twitter, wenn es dunkler, heller oder nasser wird“, erklärte Philipp Boß von der Projektgruppe.

Wie vielfältig und mitreißend der Einsatz von neuen Medien sein kann, zeigte sich nur einige Schritte vom Kräuterbeet entfernt an der interaktiv-akustischen Simulation mit dem Namen „Living unter drones“. Die Installation überbrückt über 5 400 Kilometer Entfernung zu Pakistan und macht den Wahnsinn des Drohnenkrieges direkt in Dieburg erfahrbar. Vier Lautsprecher bringen die spontane Willkür eines Angriffes spürbar nahe. Zunächst taucht der Besucher in die pakistanische Soundwelt ein. Doch verhält sich der Betreachter auffällig – in Form von bestimmten Bewegungen – gegenüber dem System, kann er zum Ziel des akustischen Bombardements werden.

Die beiden Exponate sind gelungene Beispiele für das, was sich die Organisatoren der bereits dritten Kooperationsveranstaltung mit dem Museum vorgenommen haben: „Wer die Exponate unserer Studenten rezipiert, hat Gelegenheit zu eindrücklichen Reisen durch mentale und mediale Welten. Die Ausstellung zeigt, dass mediale Welten nicht nur digitaler Schein sind, sondern auch greifbar sein können“, sagte Kuratorin Professor Sabine Breitsameter vom Fachbereich Media der Hochschule.

Für alle, die in der oftmals hektischen Adventszeit gerne zur Ruhe kommen möchten, hat die Ausstellung ein Extra zu bieten. Bis Sonntag (11.) und am 17., 18., 24. und 31. Dezember ist die 3D-Audio-Klanginstallation „Orte der Stille“ im ehemaligen Kapuzinerkloster (Minnefeld 30) jeweils werktags und samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr zu erleben. Vier junge Audiokünstler möchten dort mithilfe modernster Audiotechnologie ihre Visionen von Stille als erfahrbares Erlebnis darstellen und einen bewussteren Umgang mit Geräuschen im Alltag anregen. Sie schicken ihre Zuhörer auf Expedition durch die Klanglandschaft der Insel Korfu oder auf eine Zeitreise durch Jahrmillionen Erdgeschichte.

Ebenso an die breite Öffentlichkeit richtet sich der etwa einstündige Vortrag des Vogelkundlers Walter Tilgner am Samstag, 10. Dezember. Unter dem Titel „Naturhörbilder“ sollen die Zuhörer verschiedene digitale Aufnahmen im Schloss Fechenbach belauschen.

Für die Studierenden werden die nächsten Wochen bis zum Ende der Ausstellung am 8. Januar 2017 besonders spannend. Zum einen, weil sie an den Ausstellungssamstagen im Museum vor Ort sein werden, um den Besuchern Hilfestellungen und Erklärungen zu ihren Exponaten geben möchten. „Uns ist es wichtig, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Wir wollen Abstraktion aufklären“, sagte Schüller. Außerdem fiebern die Studenten dem „Nachwuchspreis Medienkultur der Stadt Dieburg“, der am 8. Januar um 15 Uhr im Museum vergeben wird, entgegen. Besucher können ihr Favoriten-Exponat wählen und zusammen mit einer Jury wird so der Gewinner ermittelt.

Die Ausstellung hat auch das Ziel, das Treiben am Mediencampus in die Stadt zu bringen und die Dieburger daran teilhaben zu lassen. „Wir hoffen wieder auf viele interessierte Bürger, die ein offenes Gemüt dafür haben, Medien in neuer Weise zu erfahren“, sagte Breitsameter.

‘ Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 8. Januar 2017 im Museum Schloss Fechenbach, dienstags bis samstags 15 bis 17 Uhr und sonntags 11 bis 17 Uhr zu sehen. Weitere Infos unter www.museumserver.de.

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