Studentenbuden vor Abriss

Dieburg - Einst pulsierte das Studentenleben in den Wohntürmen des Dieburger Campus – nun erfolgen die Abrissvorbereitungen. Dazu schreiten die Beschäftigten der Brus Industrieservice GmbH, Nachunternehmer der Firma Eckert Industrieabbruch, täglich um sieben Uhr zur Tat. Von Fabian Sell

Ihr Arbeitsweg ist kurz: Dienstkleidung an, Tür auf und es geht los. Denn sie sind „auf Montage“ und untergebracht in gelben Containern, die sich nahe am Haus 8 dicht aneinanderreihen. Auf der Baustelle an der Max-Planck-Straße, verbringen die derzeit 27 Beschäftigten wochentags auch ihren Feierabend. Ihr Ziel lautet: Die Entkernung der Wohntürme. „Die erste Stufe ist bereits abgeschlossen“, sagt Bauleiter Matthias Mohr von der Firma Eckert Industrieabbruch. Dabei habe man nicht schadstoffbelastete Objekte wie etwa Möbel entfernt. Nun befände man sich in Stufe zwei – der Schadstoffsanierung. „Asbest ist in jedem Stockwerk, in jedem Haus. Es war damals ein gebräuchlicher Baustoff und muss nun sorgsam entfernt werden“, stellt Mohr fest. Verbaut worden sei die mineralische Faser etwa in Zementkanälen, Brandschutztüren- oder -platten.

Dass die Entfernung des Asbests kein leichtes Unterfangen ist, davon ist Christof Brus, Geschäftsführer der Brus Industrieservice GmbH, überzeugt: „Es gibt Räume, in denen der Asbest gut rausgeht und in anderen überhaupt nicht.“ Eingehüllt in Atemschutzmasken, müssten die Arbeiter zudem andauernd über Kopf arbeiten. Daher wechselten sie sich ständig ab.

PCB-haltige Dichtungen, PAK-belastete Dachpappen

Doch nicht nur giftigen Asbest gilt es abzutragen: Laut Bauleiter Mohr müssen auch PCB-haltige Dichtungen, PAK-belastete Dachpappen und insgesamt 40.000 Kubikmeter Estrichbeläge entfernt werden. Letztlich soll die Entkernung, abgesehen vom großen Haus 8, Ende Juli bis Anfang August abgeschlossen sein. Die Firma Eckert Industrieabbruch wird dann mit dem Abriss beginnen.

Das Vorgehen steht dabei bereits fest: „Der Abbau erfolgt mit hydraulischen Großgeräten. Das sind große Bagger mit einer Betonschere, die die Gebäude zerkleinern“, sagt Mohr. Eine Sprengung sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht vorgesehen. „Der Aufwand für eine Sprengung ist sehr personalintensiv und nicht ungefährlich“, erläutert der Bauleiter. So müssten vorher ein Großteil der Innenwände der Wohntürme entfernt werden, wobei ein Einsturzrisiko bestünde. Aufgrund der massiven Betonkonstruktion sei die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Gebäude bei einer Sprengung nicht selbst zerstörten, zudem sehr groß.

Abbrucharbeiten Ende des Jahres abgeschlossen

Christian Früchtenicht, Investor der ARGE Campus Dieburg, geht davon aus, dass die Abbrucharbeiten Ende des Jahres abgeschlossen sind. „Würden wir den gesamten Schutt abtransportieren, wären es 7500 bis 10.000 Lkw-Ladungen“, sagt Früchtenicht. Allerdings sei es das Ziel, jede überflüssige Lasterfahrt zu vermeiden. „Deshalb versuchen wir, das Material beim Straßenbau wiederzuverwenden“, ergänzt der Projektentwickler. Ob dies möglich sei, müsse jedoch noch vom Erschließungsplaner und der Stadt geprüft werden.

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Kommendes Jahr wolle man, sobald es die Wetterverhältnisse zulassen, die entstehenden vier großen Löcher der Wohntürme verfüllen und mit den Erschließungsarbeiten beginnen. Diese sollen dann im frühen Sommer beendet sein. Im unbebauten südlichen Teil der Baustelle seien hingegen bereits jetzt Erschließungsarbeiten zu beobachten. Der Baubeginn sei dort etwa für den Herbst geplant.

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