Suche nach möglicher Gefahr

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In voller Montur probten südhessische Wehren am Samstag den Ernstfall. Angenommen wurde der Austritt von in bestimmten Konzentrationen gefährlichem Formaldehyd.

Dieburg - Die Feuerwehren: Sie sind unverzichtbarer Bestandteil des flächendeckenden Gefahren-Abwehrsystems in Deutschland - in Friedenszeiten wie im Verteidigungsfall. Von Jens Dörr

Zwar ist es bekannt, dass die Wehren weit mehr leisten als „nur“ Brände zu löschen und bei Überschwemmungen Wasser abzupumpen. Doch helfen öffentlichkeitswirksam dargebotene Übungen wie jene am Samstag, das der Bevölkerung immer wieder ins Bewusstsein zu rücken.

Denn auch, wenn Chemikalien oder Gase austreten - wie vor einiger Zeit in einem Discounter im Industriegebiet-Nord erlebt -, rücken die Einsatzkräfte aus. Speziell hierfür sind den Feuerwehren Einheiten des Brandschutzdienstes sowie der Komponente Gefahrstoff-ABC-Schutz organisatorisch und einsatztaktisch zugeordnet.

Erkenntnisse aus dem gesamten südhessischen Raum

Die GABC-Züge sind taktische Einheiten des Landkreises zur Abwehr von Gefahrstoffen bei allen Abwehrstufen. Zwei der Züge gibt es im Landkreis Darmstadt-Dieburg, einen amFeuerwehr-Stützpunkt Groß-Umstadt, einen in Seeheim-Jugenheim. Das erläuterte der Umstädter Kreisbrandmeister Sven Steiger am Samstag am Feuerwehr-Stützpunkt Dieburg. Dort liefen die Erkenntnisse der gemeinsamen Übung von Messfahrzeugen aus dem gesamten südhessischen Raum sowie aus Frankfurt und Rüsselsheim zusammen.

Das Szenario, auf das die 45 beteiligten Kräfte und fünf Fahrzeuge, darunter auch die Betriebsfeuerwehr von Merck, vorbereitet waren: Um 9 Uhr ging eine Mitteilung ein, dass am Groß-Umstädter Bahnhof aus einem Leck geschlagenen Bahn-Kesselwagen Formaldehyd ausgetreten ist. „Formaldehyd verwenden etwa einige Firmen, die Küchenplatten herstellen“, sagte Steiger.

Wichtiger als dieses Wissen aber: Ab einer bestimmten Konzentration in der Luft ist der Stoff für den Menschen gesundheitsschädlich. In „parts per million“, Teile pro Million, wird das festgestellt. Dabei wird ein Kubikmeter Luft in eine Million Teile aufgedröselt.

Formaldehyd birgt akute Gefahr“ für den Menschen

Bei Formaldehyd besteht ab 14 Teilen in einem Kubikmeter „akute Gefahr“ für den Menschen, wie es die Wehren nennen.

Was bei der Übung geprobt wurde, war das schnelle Ausrücken zum Ort des Austritts, aber auch in die Region rund um Groß-Umstadt. Mithilfe einer speziellen Software wurde vorab die mögliche Ausdehnung des Formaldehyds in der Luft prognostiziert, wobei etwa Wetterdaten einflossen.

Am Ort des Austritts und beispielsweise in einigen Groß-Umstädter Stadtteilen, wo noch Gefahr hätte herrschen können, maßen die Messfahrzeuge mit speziellen Prüfröhrchen und entsprechend ausgerüstet (teils komplette Schutzanzüge mit Atemschutz) die Konzentration des Stoffs in der Luft. Mehrmals, um die Entwicklung festzustellen.

„Fünf Minuten dauert die Messung“, so Steiger. Am Altstädter See liefen die Ergebnisse zusammen, die ersten trafen um 9.40 Uhr dort ein. Reibungslos habe die Zusammenarbeit funktioniert, wie auch schon bei einer gleichen Großübung im Oktober, so Steiger.

Irgendwo hat eine Übung gegenüber dem Ernstfall indes auch Grenzen, musste er eingestehen: Bei gewissen Konzentrationen müssten im Ernstfall ganze Straßenzüge evakuiert werden. Darauf verzichteten die Wehren am Samstag.

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