Superhirn Internet

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Interessiert lauschten die rund 1 000 Schüler dem Vortrag von Günter Steppich.

Dieburg - Die größte Überraschung gleich vorneweg: Es scheint tatsächlich noch Jugendliche zu geben, die weder über ein Fotohandy noch über ein Facebook-Profil verfügen. Von Jenny Bieniek

Zwar waren diese „Exoten“ am Donnerstagmorgen in der vollbesetzten Römerhalle deutlich in der Minderheit, doch auch für sie dürfte der dort im Rahmen einer Jugendschutzveranstaltung gehaltene Vortrag „Jugend ins Netz – Durchblick in der digitalen Welt“ den einen oder anderen wissenswerten Aspekt aufgegriffen haben.

Etwa 1 000 Schüler der Goethe-, Landrat-Gruber- und Alfred-Delp-Schule folgten interessiert den Ausführungen Günter Steppichs, der kompetent und spritzig über Risiken und Datenschutz im Internet, aber auch über Bildschirmzeiten, sogenannte „Ballerspiele“ und den Mythos Multitasking referierte.

Steppich ist Lehrer und Fachberater für Jugendmedienschutz am Staatlichen Schulamt für Wiesbaden und den Rheingau-Taunus-Kreis. Er kennt sich bestens aus mit dem Alltag vieler Jugendlichen und weiß, dass insbesondere die sozialen Netzwerke ein „fester Teil ihres Lebens sind“. „Die Kiddies haben, was das Internet angeht, zwar meist eine große Bedienkompetenz, machen sich über Sicherheit aber oft nur wenig Gedanken“, hat er beobachtet. „Dabei ließe sich gerade hier präventiv eine Menge machen, wenn derartige Info-Tage und Maßnahmen ,von oben’ für alle verpflichtend angeordnet werden würden.“ Denn internetfähige Mobiltelefone, neudeutsch: Smartphones, sind für einen Großteil der Jugendlichen inzwischen das Lieblingsspielzeug Nummer eins.

„Schulkrise der Jungen“

Geschickt stellt Steppich dabei den Zusammenhang von Bildschirmzeiten, den Ergebnissen der PISA-Studie und der sogenannten „Schulkrise der Jungen“ dar: Mädchen seien für zeitintensive Computerspiele weniger empfänglich. Auch das Erledigen der Hausaufgabe dauere ungleich länger, wenn man dabei permanent von Internet und Handy abgelenkt werde. „Fast alle haben den Rechner an, während sie an den Hausaufgaben sitzen“, weiß Steppich. Auch Erwachsene seien vor derartigem Verhalten nicht gefeit.

Mit der Fähigkeit des Multitasking, die ja primär dem weiblichen Geschlecht bescheinigt wird, räumte der Pädagoge ebenfalls auf: „Kein Mensch kann Multitasking. Jeder bessere Rechner hat mittlerweile einen doppelten Prozessor, der Mensch hat aber nun mal nur einen“. Nachdenkliche Gesichter im Publikum.

Einmal ins Netz gestellte Fotos

Und es ging munter weiter: Die „Unsterblichkeit“ einmal ins Netz gestellter Fotos wurde dabei ebenso thematisiert wie Datenschutz, Privatsphäre und Urheberrechte. Manche Eltern seiner Schüler habe Steppich online schon in Badehose am Strand liegen sehen, denn viele Pennäler stellten ihre persönlichen Urlaubserinnerungen nur zu gerne ins Netz – meist ohne das Wissen der Betroffenen.

Auch Pädophile, die auf Schülerseiten unterwegs sind, nicht gelesene AGBs und Mobbing im Internet wurden angesprochen. Und: „Passwörter sind wie Unterhosen: Man sollte mehrere haben, sie möglichst nicht mit anderen teilen und sie regelmäßig wechseln“.

Tipps im Umgang mit Smartphones

Knapp zwei Stunden später ist Günter Steppich am Ende angekommen. Zwei Schülerinnen nutzen die Gunst der Stunde, um den Experten nach Tipps im Umgang mit ihren Smartphones zu fragen. „Ganz ehrlich – ich habe keine Ahnung, ob oder welches Anti-Viren-Programm ich daheim auf meinem Rechner habe“, gibt sich eine Zuhörerin nach dem Vortrag selbstkritisch.

Die allermeisten der Schüler haben der Veranstaltung etwas für sich entnehmen können. „Ich wusste zwar schon viel über soziale Netzwerke, aber einiges war auch mir neu“, erzählt Janna Kurz, die zusammen mit ihren Freundinnen Melissa und Sabrina die neunte Klasse an der Goetheschule besucht. „Die Erklärungen waren nah dran und man hat gemerkt, dass Steppich sich auskennt und genau weiß, wovon er spricht“, sind sich auch die umstehenden Schüler einig.

Quelle: op-online.de

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