Wer hat Swing im Blut? Jazzer sucht Jazzer

Anhänger jazziger Töne: Britta Obmann und Volker Hertwig. Der Saxophonist sucht Musiker für eine neue Jazz-Band. Foto: Dörr

Volker Hertwig sucht Musiker für eine Jazz-Band / Nächsten Sonntag Frühschoppen im Schloss Fechenbach. Von Jens Dörr

Dieburg - Im Leben führt oftmals eins zum anderen: „Meine Idee hat sich aus dem Besuch des zweiten Dieburger Jazz-Frühschoppens ergeben“, erinnert sich Volker Hertwig an den 26. Februar dieses Jahres zurück. Eine Phase, in der sich halb Dieburg noch von den Tollen Tagen regenerierte, könnte man anfügen. Doch Hertwig stellt heraus: „Dieburg kann noch mehr als Fastnacht und Blasmusik. Man muss sich nur aus der Deckung trauen.“

Noch einmal also zurück zu Ende Februar: Hertwig sah - und vor allem: hörte - beim Jazz-Frühschoppen im Schloss Fechenbach das „II-V-Einar-Jazz-Quintett“, das ihm sehr gut gefiel. Und die eigene Lust aufs Musizieren in ihm nochmals verstärkte: Der 64-jährige Dieburger, aufs Neue auch beim Chorprojekt „ConFuego“ dabei, formte seinen bisher eher abstrakten Plan einer frischen Dieburger Jazz-Band ins Konkrete.

Hertwig selbst spielt Saxophon - Tenor und S-Alt. Was zum Jazz wie der Notenschlüssel aufs Liniepapier passt, gilt der Jazz schließlich nicht wenigen als „saxophonisiert“. Kaum ein Ensemble verzichtet bei den Soli auf dieses Instrument. Hertwig betont aber, das Vorhaben sei ein gemeinschaftliches: Die Gruppe um Saxophon, Posaune, Trompeten, Schlagzeug, Bass, Gitarre und Piano soll im Fokus stehen. Eine Größenordnung, mit wie vielen Personen der Dieburger demnächst musizieren könnte, sei jetzt noch schwierig zu benennen. „Die Band sollte irgendwann auf jeden Fall auftreten können“, sagt Hertwig. Realistisch sei wohl „eine Rhythmus-Gruppe mit Bläsern“, was oben genannten Instrumenten entspräche. Eine Big Band, meist bestehend aus 14 bis 16 Leuten und mit einer klaren Besetzung, werde es vermutlich eher nicht.

Wen Hertwig, der einst die Swing Fever Big Band aus Erbach managte und dort spielte (Auftritt auch schon bei „Dieburg in Blau“) , für seine Band sucht? „Mir schwebt eine Gruppe überwiegend mit Oldies ab 60 vor“, sagt er. Die Gruppe solle eine gewisse Stetigkeit haben, was mit Mitgliedern, die schon aus dem Beruf ausgeschieden sind, wohl leichter umzusetzen sei.

Im Stil von Glenn Miller und Benny Goodmann

Als „Verbot“ für die Generation U 60, mit ihm über das Vorhaben zu sprechen, möchte der 64-Jährige das indes nicht verstanden wissen. Ziele seien Spaß am gemeinsamen Musizieren, Auftritte und jazzige Unterhaltungsmusik à la Glenn Miller und Benny Goodman.

Auf der Suche nach notenfesten Mitstreitern, „die schon einmal Musik gemacht haben und wieder machen wollen“, hat Volker Hertwig bereits erste Erfolge zu verbuchen. Ein Solotrompeter, der schon Konzerte gab, möchte ebenso mitmachen wie ein Lehrer, der ab Sommer pensioniert ist. Unterstützung erfährt er auch von Britta und Guido Obmann von der Dieburger „Musikschule Obmann“. Britta Obmann ist Instrumentalpädagogin für Klarinette: „Ich kam aus der Klassik, bin 2001 zum Jazz gekommen“, sagt sie. Bis heute nimmt sie selbst Saxophon-Unterricht bei Heinz-Dieter Sauerborn von der HR-Big-Band. Bekanntheit im Gersprenz-Städtchen hat Obmann auch durch das Dirigieren des Jugendorchesters der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul erlangt.

In Erscheinung tritt Obmann auch als Initiatorin des Jazz-Frühschoppens: Bei freiem Eintritt, Getränken, Kuchen und kleinen Speisen erfährt dieser am kommenden Sonntag (20. Mai, ab 11 Uhr, Schloss Fechenbach) seine vierte Auflage. Bei der Premiere genossen rund 30 Gäste jazzige Unterhaltung, beim zweiten Mal kamen bereits 50. „Wir wollen damit auch das Schloss kulturell beleben“, sagt Obmann.

Mit dem Jazz-Frühschoppen lässt sich auch der Kreis zu den Plänen Volker Hertwigs wieder schließen: Dort könnte einmal der Premieren-Auftritt der neuen Band stattfinden. Ein „Tanztee“ in der „Römerhalle“ sei ebenfalls eine Idee. Das weitere Vorgehen sieht zunächst so aus: Vor den Sommerferien soll es ein erstes Treffen zum Beschnuppern und vielleicht auch schon zum Spielen geben.

‹ Näheres erfahren Interessierte bei Volker Hertwig s  06071 5656) oder per E-Mail: volker-hertwig@t-online.de.

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