Mit modernster Technik werden Maße und eventuelle Verformungen ermittelt

Das Tachymeter und der Turm

Mit einem Tachymeter vermisst der Bauhistoriker Achim Seitel den Dieburger Mühlturm.

Dieburg - Einen imposanten Anblick bietet der historische Mühlturm nahe des Dieburger Amtsgerichts – der einzig verbliebene Wehrturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Von Matthias Grimm

Gerne würden Spaziergänger und die vielen Kinder auf dem benachbarten Spielplatz das Innere begutachten, doch ist der Mühlturm für die Öffentlichkeit geschlossen. Dies zu ändern, hat sich der Heimatverein, der das historische Gemäuer von der Stadt gepachtet hat, auf die Fahnen geschrieben.

Doch vor der Öffnung steht wohl noch ein beschwerlicher Weg, etliche bauliche Maßnahmen sind hierfür erforderlich. So ist unter anderem daran gedacht, den Wehrgang an der angeschlossenen historischen Stadtmauer zu rekonstruieren. Nicht unerhebliche Kosten sind damit verbunden. Für künftige bauliche Maßnahmen ist ein bauhistorisches Gutachten die Grundlage. Und hierfür wiederum muss der Mühlturm tachymetrisch vermessen und das genaue Aufmaß ermittelt werden.

Auf Veranlassung der Unteren Denkmalschutzbehörde und im Auftrag des Dieburger Heimatvereins rückte am Mittwoch der Esslinger Bauhistoriker Achim Seitel dem mittelalterlichen Gebäude mit seinem Messgerät, dem Tachymeter, und einem Laptop zu Leibe.

Aufgrund der gemessenen Daten erstellt der Wiesbadener Bauhistoriker Dr. Hans Herrmann ein Gutachten, worauf schließlich die Entscheidung basieren wird, wie der Mühlturm umgestaltet werden kann.

Die tachymetrische Vermessung dient dazu, die exakten Maße zu ermitteln, Verformungen zu erkennen, die sich durch die vielen baulichen Veränderungen im Laufe der Zeit ergeben haben.

Der Mühlturm hat eine lange und bewegte Geschichte. Um 1200 errichtet diente er als Eckturm in der Stadtmauer und als Verlies. Erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde er aufgestockt, zuvor war er um ein Drittel kleiner. Ein Eingang wurde ebenerdig in die Mauer gebrochen – zuvor war der Innenraum nur über den Wehrgang zugänglich.

Viele Veränderungen haben also ihre Spuren hinterlassen und dem Mühlturm seinen jetzigen Charakter verliehen. Die Spaziergänger und Kinder jedenfalls dürfen gespannt sein, welche Veränderungen in der Zukunft folgen werden.

Kommentare