Etwa 1200 Kunden pro Woche

Tafel Dieburg versorgt Bedürftige trotz Corona

Was von Tage übrig bleibt, wie zum Beispiel Brot, packen die Helferinnen und Helfer der Tafel in Dieburg wieder in Kisten. Graciella Procopio-Haas (links) und Rosi Schönemann engagieren sich ehrenamtlich für den Verein.
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Was von Tage übrig bleibt, wie zum Beispiel Brot, packen die Helferinnen und Helfer der Tafel in Dieburg wieder in Kisten. Graciella Procopio-Haas (links) und Rosi Schönemann engagieren sich ehrenamtlich für den Verein.

Immer mehr Menschen können sich einen Großeinkauf im Supermarkt nicht mehr leisten. Für sie ist die Tafel Dieburg eine kostengünstige Alternative.

Dieburg – Wolfgang Blaseck blickt zufrieden auf das vergangenen Jahr zurück. Trotz strenger Corona-Verordnungen sowie Lockdown musste die Tafel Dieburg seit Beginn der Pandemie ihre Räume in der Industriestraße 15 nur einmal schließen. Im Frühjahr 2020 für insgesamt sieben Wochen (wir berichteten). „Seit wir am 4. Mai 2020 wieder geöffnet haben, sind wir immer für unsere Kunden da“, berichtet der Vorsitzende der Tafel Dieburg. Etwa 1 200 Personen kommen wöchentlich in die Einrichtung, um sich mit Lebensmittel einzudecken.

Darüber, dass die Tafel Dieburg trotz Lockdown nicht schließen musste, sei er sehr dankbar, versichert Blaseck. Einen Corona-Fall habe es bei der Tafel bisher nicht gegeben, sagt der 48-Jährige. Das liege auch daran, dass sich einige Helferinnen und Helfer, die zur Risikogruppe gehören, vorerst aus dem ehrenamtlichen Dienst zurückgezogen haben. Blaseck: „Vor Corona gaben hier knapp 100 Ehrenamtliche Essen aus, zurzeit sind es 85.“

Zwei von ihnen sind Graciella Procopio-Haas und Rosi Schönemann. Procopio-Haas ist seit fünf Jahren für den Verein aktiv. „Ich habe hier meine Leidenschaft entdeckt“, sagt sie. Procopio-Haas kommt aus dem Einzelhandel, arbeitete für eine Supermarkt-Kette. Sie führe bei der Tafel aber nicht bloß ihren Job weiter, erläutert sie, „wenn ich hierherkomme, ist es so, als komme ich nach Hause“.

Der Umgang zwischen Kunden und Ehrenamtlichen habe sich in Pandemie-Zeiten allerdings verändert, meint sie: „Die Lebensumstände sind für viele Menschen schwieriger und ich selbst wachsamer geworden.“ Zudem gebe es einige Kunden, die die Nase rümpften, wenn sie Graciella Procopio-Haas in einer ihrer wenigen Pausen ohne Maske vor dem Gebäude stehen sehen. „Aber das wird wieder vorbeigehen“, ist sich die ehemalige Angestellte sicher. Ihre Tätigkeit wird Procopio-Haas auch weiterhin mit Herzblut und Leidenschaft ausführen, versichert sie. „Ich tue hier einfach etwas Gutes.“

Kollegin Rosi Schönemann ist über ihre Arbeit bei der Telekom zur Tafel Dieburg gekommen. Die Beamtin kann dank einer internen Regelung des Kommunikationsunternehmens bereits mit 55 Jahren abschlagsfrei in den Ruhestand, wenn sie sich innerhalb von drei Jahren 1 000 Stunden bei einem sozialen Projekt engagiert. Schönemann hat sich für das Ehrenamt bei der Tafel Dieburg entschieden und es nicht bereut: „Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass ich damit anderen helfen kann“, meint sie.

An drei Tagen die Woche kommt sie für insgesamt 16 Stunden in die Einrichtung, kontrolliert und verteilt die Lebensmittel. Auch das Sortieren nicht verbrauchter Ware gehört zu ihren Aufgaben. Nach der Lebensmittelausgabe legen Rosi Schönemann und Graciella Procopio-Haas übrig gebliebene Ware wie Brot oder Stückchen in Kisten und fahren diese auf Rollbehältern ins Lager.

Dort befinden sich weitere Spenden von Supermärkten und Bäckereien, die die Helfer jeden Morgen mit zwei vereinseigenen Kühlwagen anfahren. Rund 40 Partner versorgen die Tafel Dieburg mit Lebensmitteln. Blaseck ist dabei wichtig zu betonen, dass er keinen Einfluss darauf hat, welche Lebensmittel der Verein erhält: „Wir bekommen, nur dass, was uns die Geschäfte spenden möchten.“ Im Sommer seien das zumeist Frischwaren, wie Obst und Gemüse, aber auch Backwaren, erläutert er.

Im Lager werden allerdings nicht nur tagesfrische Spenden untergebracht. Dort lagern auch die Lebensmittel aus den „Fünf-Euro-Tüten“ die Kunden von Rewe und Edeka zweimal in Jahr kaufen und für die Tafeln spenden können. „Solche Aktionen sind für unseren Verein sehr wichtig“, sagt Blaseck, dadurch erhalte der Verein auch Lebensmittel, die lange haltbar sind.

Packt mit an: Tafel-Vorsitzender Wolfgang Blaseck.

Diese, wie alle anderen Waren, verteilt der Verein im Ausgaberaum. Am Ablauf der Lebensmittelausgabe habe sich trotz Corona nicht viel geändert, berichtet Blaseck. Die Kunden bekämen weiterhin für zwei Euro einen Einkaufskorb, den die Ehrenamtlichen dann für sie füllen. „Es ist auch möglich für zwei Euro einen weiteren Korb zu kaufen“, erläutert Blaseck. Allerdings achte der Verein darauf, ob eine Familie oder eine Einzelperson einkauft. „Wir wollen die Lebensmittel ja gerecht verteilen“, betont Blaseck. Die Tafel sei nämlich kein normaler Supermarkt, sondern ein Zusatzangebot für Menschen, die sich einen Einkauf im Supermarkt nicht leisten können, erläutert er.

Verändert haben sich hingegen die Hygienemaßnahmen, die der Verein getroffen hat. So würden alle Räume täglich nach Feierabend gereinigt. Auch Masken und Desinfektionsmittel hat der Verein angeschafft. Und zwar für viel Geld, meint Blaseck. Geld, dass der Verein selbst aufbringen musste, denn gefördert wird die Tafel Dieburg nicht. Der Vorsitzende ist daher sehr froh, dass der Verein während der Pandemie viele private Spenden erhalten hat, „die haben wir wirklich gebraucht“.

Neben den verstärkten Hygienemaßnahmen kommen außerdem Kontaktbeschränkungen hinzu. So dürfen derzeit maximal fünf Personen gleichzeitig einkaufen. Blaseck ist allerdings guter Dinge, dass sich das bald ändert. Zunächst wolle der Verein die Maskenpflicht im Außenbereich fallen lassen, „alles andere werde die Zukunft zeigen“, sagt er.

Die Tafel Dieburg hat montags bis donnerstags von 9.30 bis 12 Uhr sowie Freitag von 9.30 bis 13 Uhr geöffnet. Die Nummernausgabe erfolgt von 7.30 bis 11.30 Uhr beziehungsweise bis 12.30 Uhr. (Von Joshua Bär)

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