Eine Schule mit Courage

„Tag der Vielfalt“ der Alfred-Delp-Schule

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„Szenische Lesung“ mit der Holocaust-Überlebenden Edith Erbrich (Mitte), dem Autor Hans-Josef Rautenberger und der früheren ADS-Lehrerin Anna-Maria Wagener-Rohde (r.).

Dieburg - Ob szenische Lesung, Gesprächsrunden oder Workshops: Dem Titel gemäß gab es am „Tag der Vielfalt“ einen bunten Themenmix. Von Jens Dörr 

Seit einigen Jahren gehört die Alfred-Delp-Schule (ADS) dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an. Alljährlich bietet das Dieburger Oberstufengymnasium dazu eine kleinere oder auch umfangreichere Aktion an. In letztgenannte Kategorie fiel der jüngste „Tag der Vielfalt“ an der Schule: In Workshops und Gesprächsrunden am Montagvormittag ließen sich die Schüler auf Themen und Teile der Gesellschaft ein, mit denen sie im Alltag gemeinhin eher selten in Berührung kommen. Eine Party am Abend rundete den Tag ab.

Das ADS-Komitee, das aus Schulsprecher Florian Wernecke sowie den Mitschülern Umut Eke, Kosta Karampatzakis, Jessica Friedrich und Maya Holzknecht bestand, hatte den „Tag der Vielfalt“ gemeinsam mit Lehrer Paulus Weber sowie Christoph Warlo organisiert. Maßgeblichen Anteil hatte auch das „Beratungsnetzwerk Hessen“. „Ohne dessen Hilfe hätten wir niemals über 20 Workshops am Vormittag anbieten können“, betonte Weber. Die Mitarbeiter des Netzwerks hatten den größten Teil der Teamer eingeladen. Inhaltlich bewegten sich die Workshops, Präsentationen und Gesprächsrunden gemäß dem Titel des Tags (den es an der ADS zuletzt 2015 gegeben hatte) in vielfältigen Gefilden. So nahmen die deutschen Sinti und Roma über ihren hessischen Landesverband ebenso am „Tag der Vielfalt“ teil wie der jüdische Sportverein TuS Makkabi Frankfurt oder „SchLAu Darmstadt“, das über Homosexualität aufklärte. Der DGB-Ortsverband Dieburg wollte „Gesichter hinter Flucht und Migration“ sichtbar machen – all das nur ein Auszug aus dem breiten Angebot.

Während die Teamer die Workshops mit kleinen Schülergruppen durchführten, verfolgten 200 junge Männer und Frauen in der Aula eine „Szenische Lesung“ mit der Holocaust-Überlebenden Edith Erbrich, die vom Klein-Zimmerner Autor Hans-Josef Rautenberger und von der früheren ADS-Lehrerin Anna-Maria Wagener-Rohde begleitet wurde. Erbrich war als Kind ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert worden und dort nach der Trennung von ihrer Familie auf sich allein gestellt gewesen. Die Erinnerungen daran teilt die gebürtige Frankfurterin bis heute regelmäßig mit Schülern, die auch in Dieburg angespannt zuhörten.

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Ausgelassen war dann die Stimmung am Abend, als die Party für alle Jahrgänge im Atrium stattfand. Vereinzelt feierten laut Schulsprecher Wernecke auch Schüler anderer Schulen mit. Der eher weniger gesellschaftspolitische Teil des „Tags der Vielfalt“ habe auch dazu beitragen sollen, „dass sich die Schüler mit ihrer Schule identifizieren“. Das gelinge mit derlei Festivitäten und überhaupt mit Aktionen, an denen die Schüler selbst statt die Lehrer oder die Schulleitung beteiligt seien, besonders gut, meinte Wernecke augenzwinkernd. Bis zu 300 Schüler zelebrierten die Sause, deren Erlös entweder dem Förderverein der ADS oder für einen konkreten Zweck in der Schule zur Verfügung gestellt werden soll.

Ein anderes Anliegen, das die Party am Abend hatte verfolgen sollen, geriet dann indes zur Randerscheinung: Ursprünglich waren auch die Schüler der Integrationsklassen der benachbarten Landrat-Gruber-Schule eingeladen worden. Bei einigen der jungen Asylbewerber von dort seien Lehrer Weber zufolge die Asylanträge jedoch abgelehnt worden, weshalb einige von ihnen inzwischen offenbar abgeschoben worden seien. Einige andere lebten inzwischen nicht mehr im Raum Dieburg.

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