„Auch ohne Wasser schön“

Diesmal nur als Duathleten unterwegs

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Im Schlossgarten gelaufen wurde diesmal sowohl vor als auch nach dem Radfahren.

Dieburg - Weil die Schwimmbad-Technik – nicht zum ersten Mal – versagt hat, mussten sich die Teilnehmer des 10-Freunde-Triathlons neu ausrichten, kamen damit aber klar. Die JVA-Belegschaft betrieb Teambuilding und der 80-jährige Wilhelm Reuling biss sich trotz Zerrung durch. Von Jens Dörr 

Nein, langweilig wird es Triathlon-Veranstalter Henning Müller gerade in Dieburg nicht. Der Maintaler Anfang 30, seit 2016 unter dem Eventnamen „10 Freunde Team Triathlon“ für die größte Sportveranstaltung der Stadt verantwortlich, musste nach erstem Lehrgeld im Vorjahr (insbesondere bei der Zeitnahme) diesmal mit dem nicht selbst verschuldeten Desaster klarkommen, dass das 50-Meter-Becken des Dieburger Freibads entgegen aller monatelanger Planungen wegen eines Defekts kurzfristig gesperrt blieb (wir berichteten). Zudem musste er deswegen den Start auf den Festplatz verlegen. Doch auch unter neuen Vorzeichen und ohne Wasser arrangierten sich nicht nur Müller und seine fünf Dutzend Helfer, sondern auch die mehr als 1 000 Starter damit, dass sie von Triathleten ausnahmsweise zu Duathleten „degradiert“ wurden.

„Es war eine schöne Veranstaltung“, sagte im Zielbereich auf der Liegewiese des Ludwig-Steinmetz-Bads nach vollendetem Werk etwa der Dieburger Lukas Beckmann. Die neuen Vorgaben – zunächst 2,3 Kilometer Laufen, dann die geplanten 18 Kilometer auf dem Rad zwischen Freibad, Klein-Zimmern und Polizeistation und schließlich nochmals 4,2 Kilometer im stellenweise Schatten spendenden Schlossgarten – hatte er als Teil des Teams der Hobby-Fußballer von Erfrischend Defensiv Dieburg in soliden 1:12 Stunden gemeistert. Für den 22-Jährigen indes nur eine Zwischenstation: Kommenden Sonntag startet er über die Halbdistanz beim Moret-Triathlon des VfL Münster. Zwei Kilometer muss Beckmann dann im Hardt-See bei Babenhausen schwimmen, an die 90 Kilometer auf dem Drahtesel bewältigen und zum Abschluss einen Halbmarathon rund ums Altheimer Sportzentrum.

„Ich eifere meinem Idol nach“, sagte der Dieburger nach der ersten Erholungsphase und meinte das durchaus nicht ironisch: Holger Hinze sei sein Vorbild – ein Dieburger, über den unsere Zeitung im Vorjahr berichtet und der 2016 in der Hitzeschlacht von Frankfurt seine erste Langdistanz beim „Ironman“ bewältigt hatte. Hinze gehört ebenfalls Erfrischend Defensiv an, heißt dort seither nur noch „Iron-Holger“, also „Eisen-Holger“.

Äußerst gefragt waren am Sonntag beim Duathlon die Erfrischungen – während und auch nach dem Rennen.

Noch viel, viel mehr Triathlon-Langdistanzen hat in seiner Laufbahn der Dieburger Stefan Böttcher bewältigt, der den „10 Freunde Team Triathlon“ am Sonntag ebenfalls positiv bewertete. „Es ist gegenüber früher familiärer geworden“, meinte Böttcher – genau eins der Ziele, die sich Müller und seine rechte Hand Jürgen Sauerwein (Hergershausen) für ihre zweite Auflage (die sechste des Triathlons in Dieburg insgesamt) gesetzt hatten.

Für Böttcher war der Duathlon am Wochenende gegenüber früheren Extremwettbewerben beinahe ein Klacks, trotz schon am Vormittag rasch auf 30 Grad gestiegener Temperaturen. Er mischte im Team der Dieburger Justizvollzugsanstalt mit, das Bedienstete aus der Altstadt erstmals an den Start gebracht hatten. Im Ziel wurden sie auch von JVA-Leiter Franz Josef Pfeifer beklatscht. Der nahm selbst zwar nicht teil, sei aber auch „schon 58 und nicht so der Sportfan“. Als Teambuilding-Maßnahme finde er die Teilnahme aber gut. „Es geht hier um die Gemeinschaft“, sagte er und ging davon aus, dass diese bei den Mitarbeitern in Dieburgs Gefängnis recht ausgeprägt und das Betriebsklima daher positiv sei. „Dieburg ist die Anstalt mit dem niedrigsten Krankenstand in ganz Hessen“, nannte er ein Indiz.

Die Bilder vom Dieburger Duathlon

Im Ziel durfte sich jeder als Sieger fühlen; rechts der Hergershäuser Jürgen Sauerwein als Zielmoderator.

Viel vorgenommen hatten sich für den Sonntag auch andere. Sandra Hornig aus Groß-Zimmern etwa: Hornig war im Vorjahr zweitschnellste aller Frauen geworden, ist vor allem eine formidable Schwimmerin. „Eigentlich hatte ich ja einen Triathlon gebucht“, blickte sie zurück. Doch auch als die erste Disziplin, mit Abstand die ihr liebste, notgedrungen gestrichen werden musste, sei es für sie nicht in Frage gekommen, daheim zu bleiben. „Ich konnte ja mein Team nicht hängenlassen.“ In der Tat hätte ihren „Zimmner Galliern“ dann eine Person zur vollen Zehnerstärke gefehlt, was ihre Wertung in der Rangliste der Mannschaften torpediert hätte. Hornig biss sich nach mehreren Fußoperationen im vergangenen Jahr durch (die Ergebnisse standen bei Redaktionsschluss des Lokalteils noch nicht fest, ein weiterer Bericht mit Resultaten folgt in der Ausgabe am Donnerstag).

Das tat auch der Hergershäuser Wilhelm Reuling. Er hatte im bemerkenswerten Alter von 80 Jahren für Dieburg sein Triathlon-Debüt geplant. Daraus wurde am Sonntag zwar „nur“ ein Duathlon, der Reuling jedoch trotzdem vor eine besondere Aufgabe stellte: Am Tag zuvor hatte er sich beim Spazierengehen eine Zerrung zugezogen. Mit Kampfgeist stemmte er sich dagegen, lief und radelte durch die Hitze – und will seinen ersten Mehrkampf inklusive Schwimmen wahrscheinlich demnächst beim Triathlon in Zeilhard nachholen.

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