Wirksam, aber noch unrentabel

Testphase mit Desinfektionsmittel im Freibad abgeschlossen

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Im Nichtschwimmerbecken (Foto) wurde PUR-HOCL bereits getestet. Die Desinfektion funktionierte, der Einsatz des Mittels war aber noch unwirtschaftlich.

Dieburg - Der Schwimmbad-Ausschuss sprach sich seinerzeit für einen Test von hypochloriger Säure als Desinfektionsmittel aus. Das Mittel wurde nun geprüft. Der Biofilm im Filter erhöhte den Verbrauch. Von Jens Dörr 

Mit dem Ende der Saison im Dieburger Ludwig-Steinmetz-Freibad ist auch eine Testphase mit dem Einsatz hypochloriger Säure (HOCL) im Baby- sowie im Nichtschwimmerbecken abgeschlossen worden. Noch gibt es aber keine Entscheidung, ob das neue Desinfektionsmittel des in Altheim lebenden Unternehmers Armin Probst ab dem kommenden Jahr den bisherigen Wirkstoff ersetzen wird. Probst ist in Dieburg unter anderem als Ex-Vorstand der Rochus-Stiftung und bis heute als Organisator des historischen Marktteils des Martinsmarkts bekannt.

PUR-HOCL, so der Produktname, bewies in der seit Ende August laufenden Testphase, dass es funktioniert. Sein Einsatz wäre derzeit aber noch unwirtschaftlich. In der jüngsten Sitzung des Schwimmbad-Ausschusses stellte Probst seine Ergebnisse vor. Ein Abschlussbericht wird noch folgen.

Um zu verstehen, weshalb sich die Stadt und der Schwimmbad-Ausschuss für das Mittel interessieren, muss man den denkbaren Worst Case betrachten: Wenn das mit dem bisherigen Chlor versetzte Wasser über undichte Stellen ins Grundwasser gelangt, droht dem Freibad die Schließung – gerade während der Saison auch ein immenser Imageschaden für Dieburg. Probst zufolge birgt PUR-HOCL weiteren Charme: Es basiere zwar auf dem gleichen Wirkstoff, wie ihn wohl jeder aus Hallen- und Freibädern kennt, wie er beim Betreten stets die Nase erfüllt, das Wasser desinfiziert, beim Schwimmen allerdings auch die Augen bis hin zur Rötung reizt. Das Produkt, für das sich Probst die europaweiten Rechte für Herstellung und Vertrieb gesichert hat, basiert zwar ebenfalls auf dem Einsatz hypochloriger Säure, unterscheidet sich aber durch sein Herstellungsverfahren. Nun bleibe beim Einsatz nur noch „ein leichter Chlorgeruch“ im Wasser. Neben der wegfallenden Reizwirkung gegenüber dem Schwimmer hinterlasse das Produkt im Gegensatz zu dem bisher verwendeten Desinfektionsmittel auch keine Schäden an Metallen oder Gummi mehr. Zudem wäre es nun unbedenklich, wenn mit dem Mittel versetztes Wasser im Boden außerhalb der Becken versickere.

Beim Babybecken sowie im Nichtschwimmerbecken mit der Rutsche gelang es in den vergangenen Wochen, stabile Verhältnisse zu schaffen. Ein externes Labor, das im Auftrag der Stadt mikrobiologische und chemische Tests durchgeführt habe, habe die einwandfreie Wirkung nachgewiesen. Dies bestätigt auch Bürgermeister Frank Haus, der allerdings wie auch Probst selbst darauf hinweist: „Derzeit wäre der Einsatz des Mittels noch unwirtschaftlich.“

Laut Probst gebe es vor allem zwei Stellschrauben, wie in Dieburgs Freibad künftig nur noch eine Menge von PUR-HOCL zur Reinhaltung der Becken benötigt würde, die sich auch finanziell im Verhältnis zum bisherigen Aufwand darstellen oder sogar Geld sparen lasse. „Wir müssen einerseits an der Konzentration des Mittels arbeiten“, sagt er. Dies ermöglichen soll das neue PUR-HOCL-Werk, das Probst im Oktober im Industriecenter Obernburg eröffnen will. „Mit dieser Serienanlage können wir die Konzentration ändern.“

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Die „zweite Stellschraube“ sei die Filteranlage im Dieburger Freibad. Über „Impfstellen“ wird die Flüssigkeit in die Becken gepumpt, der Sandfilter mit Aktivkohle-Schicht stamme allerdings von 1988. Ergebnis: Die Filteranlage sei „erheblich mit Biofilm, einer Art Bakterienschleim, den du fast nicht wegkriegst“, belastet. Das sei auch generell ein großes Problem in der Wasserwirtschaft. In Dieburg sorgte der Biofilm in der Testphase für eine Erhöhung des Verbrauchs von PUR-HOCL, das den Biofilm „auffraß“, damit aber teilweise aufgezehrt wurde und nicht vollumfänglich im Becken wirken konnte. Wie es nun konkret weitergehe, dazu äußerte sich Haus wie folgt: „Wir warten erst einmal die Marktreife des Mittels ab und behalten es wie den gesamten Markt im Auge.“

Probst selbst will vor allem zunächst die Konzentration der Säure optimieren, dann in weiteren Tests – womöglich auch in anderen Bädern, aus denen sich dann Schlüsse für Dieburg ableiten ließen – eine wirtschaftliche Lösung erreichen. Noch ist also offen, ob in der Dieburger Freibadsaison 2018 (dann auch im Schwimmerbecken) ein neues Zeitalter mit einem weniger aggressiven Desinfektionsmittel als bisher in Bädern üblich anbricht.

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