Teure Fahrräder im Visier von Dieben

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Fahrräder werden als Diebesgut immer beliebter, seit sie als Edel-Mountainbikes oder E-Bikes bisweilen an den Wert von Kleinwagen herankommen. symbolFoto: dpa

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg steigt die Zahl der Fahrraddiebstähle immer weiter. Gründe vermutet die Polizei mehrere: Die Drahtesel werden immer teurer und sind leichter zu verkaufen als beispielsweise Autos. Aber man kann sich auch schützen.

VON LARS HERD

Darmstadt-Dieburg – Mehr als 160 000 Euro: Das ist der Betrag, den ein einzelner 24-jähriger Darmstädter im Jahr 2018 erbeutet hat. Kurios: Nicht wie man zunächst vermuten möchte mit Autodiebstählen oder Überfällen – sondern mit Fahrrädern. Insgesamt 56 Drahtesel und 39 E-Bikes hat er im vergangenen Jahr gestohlen, berichtete die Polizei in ihrer Jahresbilanz. Und generell zeigt sich: Fahrräder geraten immer mehr ins Visier von Kriminellen.

Im Bereich „Diebstahl unter erschwerten Umständen“ – damit sind Räder gemeint, die etwa durch ein Schloss geschützt sind – stieg die Zahl im Landkreis Darmstadt-Dieburg um zehn Fälle auf 447. Auch in diesem Jahr erreichen zahlreiche Polizeimeldungen von Fahrraddiebstählen die Redaktion (nur ein paar Beispiele im Infokasten).

In Dieburg selbst haben die Fallzahlen unter erschwerten Bedingungen in den zurückliegenden drei Jahren etwas geschwankt. Nach 73 Diebstählen im Jahr 2016 folgten 58 Fälle 2017, im vergangenen Jahr waren es wieder 62. Bei den einfachen Fällen – nicht abgeschlossene Räder, die man einfach mitnehmen kann – schwanken die Zahlen ebenfalls. 2016 waren es 15 Diebstähle, ein Jahr später 17 und 2018 mit 13 etwas weniger.

Ähnlich verhält es sich zumindest bei den einfachen Diebstählen in Groß-Zimmern. Wurden 2016 noch sieben Räder gestohlen, waren es 2017 nur vier, im vergangenen Jahr aber wieder neun. Bei den Fällen unter erschwerten Umständen steigt die Zahl in Groß-Zimmern drastisch. Zwar wurden 2017 mit 20 Rädern nur zwei Mehr geklaut als 2016, dafür waren ist 2018 mit 48 Diebstählen mehr als doppelt so viele wie 2017.

Gründe für die Steigerung gibt es mehrere. „Die Räder werden immer leistungsfähiger und damit auch immer teurer“, erklärt Tobias Laubach von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Südhessen. Außerdem sind Räder leicht zu transportieren als Autos, ein Schloss ist leichter zu knacken als einen Pkw aufzubrechen und kurzzuschließen. Und: es fällt nicht so auf. Hinzu kommt, dass Räder schwerer aufzufinden sind beziehungsweise nicht zweifelsfrei geklärt werden kann, wem sie gehören.

Um dem entgegenzuwirken, gibt es aber einen einfachen Weg: sein Fahrrad codieren lassen und so ein individuelles „Kennzeichen“ fürs Rad bekommen. Helfen kann auch ein besseres Schloss. „Das bietet eine höhere Sicherheit und kann nicht einfach mit Schneidewerkzeugen geöffnet werden“, sagt Laubach. Einige Besitzer geben viel Geld für ein gutes Fahrrad aus, sparen dann aber an dieser Stelle. Ein weiterer Tipp: Den Drahtesel an einem festen Gegenstand abschließen, der im besten Fall wiederum fest mit dem Boden verbunden ist, eine Laterne beispielsweise. „Da darf man aber nicht den Fehler machen, das Schloss nur am Sattel zu befestigen“, heißt es weiter aus der Pressestelle.

Auf ein gutes Schloss legt auch Klaus Schmitt, Geschäftsführer des Zweiradshops Niederhofer in Babenhausen, großen Wert. „Es ist wichtig, dass man das Schloss neben dem Fahrrad noch an etwas anderem anschließen kann“, erklärt er. Außerdem gebe es einige gute Schlösser mit Alarmanlage, die losgehe sobald jemand daran rumwerkele. Auf die Frage nach dem aktuell besten antwortet Schmitt wie aus der Pistole geschossen: „Abus Bordo Alarm“ (Preis: 139,95 Euro).

Auch wenn es einfach klingt, nicht gut gesicherte Fahrräder zu klauen und dann zu verkaufen, sollte der Fall des 24-jährigen Darmstädters eine Warnung sein: Denn über umfangreiche Ermittlungen durch Auswertungen von Video- und Telefonüberwachung, Spuren- und Handyauswertungen, sowie von Zeugenaussagen kam das Ermittlungsteam „Fahrrad“ der Ermittlungsgruppe Darmstadt City auf die Spur des Diebes.

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