Thomas siegt mit 70,7 Prozent

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Ein strahlender Sieger nimmt Glückwünsche per Handy entgegen: Dr. Werner Thomas (links) freut sich über seinen überwältigenden Erfolg. Seine Gegenkandidaten Ferdinand Böhm (Mitte) und Dr. Harald Schöning (links neben ihm) informieren sich derweil auf dem Handy von Landrat Schellhaas über die Kreistagstrends.

Dieburg ‐  „Ich komme mir vor wie Franz Beckenbauer bei der Weltmeisterschaft 1974!“ Dr. Werner Thomas strahlt gegen 20.30 Uhr über beide Ohren: Als der letzte Wahlbezirk ausgezählt ist, steht das Wahlergebnis für den parteilosen Amtsinhaber fest: 70,7 Prozent der Dieburger Wähler haben ihm das Vertrauen ausgesprochen. Von Lisa Hager

Dr. Werner Thomas mit seiner Frau Sabine.

Weit abgeschlagen liegen seine Herausforderer Dr. Harald Schöning (CDU) mit 17,1 Prozent und Ferdinand Böhm (SPD) mit 12,3 Prozent. „Damit habe ich nie und nimmer gerechnet“, ist der alte und neue Bürgermeister noch ganz baff, als er die Glückwünsche von Landrat Klaus Peter Schellhaas und vielen anderen, die sich im Sitzungssaal des Rathauses vor dem Beamer versammelt haben, mit dem die Ergebnisse an die Wand geworfen wurden. Er hatte zwar gehofft, dass es zu keiner Stichwahl kommt, aber die Höhe des Ergebnisses erstaunt ihn selbst. Eine Analyse? „Vielleicht hat mein Mitbewerber von der CDU zu sehr auf einen Anti-Thomas-Wahlkampf gesetzt, das kam wohl nicht so gut an.“
Wird er selbst bei seinem Politik-Stil bleiben? „Ich habe ja keinen Anlass eine Kehrtwende zu machen“, sagt er. Das Wahlergebnis habe ihn mehr als bestätigt. „Außerdem könnte ich das gar nicht, ich bin ich“, sagt er. Er ist überzeugt, dass das Votum ausdrücklich eine Bestätigung seiner Person war. Jetzt hänge vieles davon ab, wie sich die Mehrheitsverhältnisse im neuen Stadtparlament zusammensetzten. „Ich werde auf die Mehrheitsfraktion zugehen und Gespräche führen“, sagt er. Vielleicht könne ab sofort manches wichtige Dieburger Ziel sachbezogener und mit „weniger Reibungsverlusten“ angegangen werden.

Während sie auf das Freiwerden der Wahlkabine im Rathaus warten, machen sich diese Dieburger Wähler mit den Wahlzetteln im Stadtplan-Format vertraut. Auch nach 17 Uhr herrschte im Wahlbezirk 2 noch großer Andrang.

„Ich bin enttäuscht, natürlich habe ich mehr erwartet“, kommentiert Dr. Harald Schöning (CDU) sein schlechtes Abschneiden. Aber man müsse das Wählervotum akzeptieren. Hätte er im Wahlkampf etwas anders machen müssen? „Wenn es um drei Prozent hin oder her gegangen wäre, könnte man nach taktischen Fehlern suchen, aber das Ergebnis ist zu eindeutig.“
SPD-Kandidat Ferdinand Böhm steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Aber wenn man sich zur Wahl stelle, müsse man auch mit einer Niederlage rechnen. „Allerdings müssen wir uns schon fragen - und ich sage wir, weil das auch für den Mitbewerber von der CDU gilt - warum wir nicht einmal die eigenen Leute mobilisieren konnten“, sagt er. Der klare Sieg von Thomas zeige, dass weder er noch Schöning die Wähler erreichen konnte.

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