„Toll, dass man hier so viel Spaß haben kann“

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Die Schülerinnen Melek Yüksel (v. l.), Susanne Brühl und Yvette Bollmann lassen sich von Reinhold Eberhard die Spielkonsole „Wii“ erklären. Heimleiterin Ina Herda-Götze freut sich über den Besuch.

Dieburg/Münster ‐ „Erst wird einmal in Ruhe Kaffee getrunken“, läutet Heimleitung Ina Herda-Götze den Nachmittag ein, der ein ganz besonderer in der Münsterer Seniorenwohnanlage werden soll. Denn an diesem Tag stehen Spielen und Basteln auf dem Programm, aber dabei bleiben die Bewohner nicht wie sonst unter sich, sondern bekommen Besuch von elf Jugendlichen. Von Jasmin Frank

Wir sind von der Landrat-Gruber-Schule in Dieburg und machen dort unserer Ausbildung zur Sozialassistentin“, erzählt Susanne Brühl, die eigentlich Erzieherin werden will und dann nicht mit alten, sondern mit jungen Menschen zu tun haben wird. Aber ihre Lehrerin, Martina Mohr erläutert den Sinn der Sache: „Wir haben im Anthropologieunterricht gerade das Thema „alte Menschen“ durchgenommen. Die meisten haben heute kaum noch Kontakt zu Senioren, deshalb wollte ich die Theorie mal praktisch unterfüttern und einen Besuch in einem Altenwohnheim einbauen.“

Da stieß sie bei Ina Herda-Götze auf offene Ohren: Und die Heimleiterin hatte noch eine Überraschung in petto: Denn Brettspiele und Bastelaktivitäten sind lange nicht alles, was die rüstigen Rentner in Münster so machen: Sie spielen unheimlich gerne „Wii“. „Die Spielkonsole ist ideal für unsere Zielgruppe. Mit ihr wird die Beweglichkeit ebenso geschult wie die Konzentration.“

Spielkonsole auch in anderen Einrichtungen ein Volltreffer

Das weiß auch Reinhold Eberhard, der mit seinen 81 Jahren so manchen Sport nicht mehr ausüben kann. „Früher habe ich auch Tischtennis gespielt. Das geht heute aber nicht mehr. Mit der „Wii“ spiele ich so gut wie jeden Tag und zwar immer Bowling, das gefällt mir am besten“, meint Eberhard, der zudem auch gerne Schach spielt.

An diesem Nachmittag ist es also nicht so, dass die Jugendlichen den Alten erklären, wie so ein Gerät überhaupt funktioniert, die Sachlage stellt sich genau andersherum dar. „Ich spiele eigentlich nie am Computer oder so. Lieber treffe ich mich mit Freunden oder spanne aus“, erzählt die 18-jährige Susanne Brühl, die gemeinsam mit zwei Klassenkameradinnen Reinhold Eberhard anfeuert und meint: „Ich finde es toll, dass es hier die Möglichkeit gibt, so fit zu bleiben und, dass man hier so viel Spaß haben kann.“ Dem stimmen nicht nur die Bewohner zu, sondern auch die Heimleiterin: „Ich kannte das schon von einer anderen Einrichtung, dort war die Spielkonsole auch ein Volltreffer. Manche Seniorenanlagen haben natürlich auch Fitnessräume, aber so geht es auch. An sich machen immer viele von uns mit, aber heute haben sich doch einige zurückgehalten. Sie hatten die Sorge, dass sie nicht alles richtig machen würden, wenn so viele junge Leute kommen.“ Einen Tisch weiter sitzen drei Schülerinnen bei Marga Krimm, die es auch eher traditionell mag und sagt: „Ich bastle lieber. Das macht mir mehr Spaß und zusammen mit den jungen Leuten ist es sehr schön. Als Dieburgerin mache ich mir eine Fastnachtsmaske, auch wenn ich nicht mehr feiern gehe. Ich werde bald 84!“, fügt sie stolz hinzu.

Am großen Nachbartisch werden noch die letzten Kaffeetassen geleert, dann geht es an eine Partie „Mensch-ärgere-dich-nicht“. So ist an diesem ungewöhnlichen Nachmittag für jeden Geschmack etwas dabei.

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