Erste von zwei Sitzungen der Nachwuchs-Narren

In tollen Zeiten spielen Kinder verrückt

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Dieburg - Draußen herrschte Schmuddelkälte, in der Römerhalle aber zelebrierten die Nachwuchsnarren des Karnevalvereins Dieburg (KVD) vor knapp 500 Zuschauern eine heiße Kindersitzung im Hochglanzformat.

Eine dreistündige Narrenshow, souverän und mit viel jugendlichem Charme geleitet vom 15-jährigen Sitzungspräsident Joris Fries – so präsentiert sich die erste von zwei Kindersitzungen. Der Höhepunkt ist stets die Proklamation des Kinderprinzenpaares, die traditionell nach der Pause durch den Präsidenten des KVD erfolgt. Erstmals hatte in diesem Jahr Günter Hüttig diese hoheitliche Aufgabe. In der kommenden Kampagne übernehmen Kinderprinz Daniel I. „Gardist‘sche vun de Äla-Bühne Kick-and-Rush Boy bei de Grüne“ (Daniel Hach) und Kinderprinzessin Lana I. „Dancing-Moving-Dauerbrenner Rohrkölbche der Boozemänner“ (Lana Hartl) die Regentschaft über die Dieburger Kinderfastnacht. Prinz Daniel I. ist Stürmer beim Fußballverein DJK Viktoria und kein Schnitzel ist vor ihm sicher. Prinzessin Lana gehört der Fastnachtsgruppe „Boozemänner“ an, sie liebt das Turnen und Theater spielen. Eines ist beiden klar: „In der nächsten Zeit dudeln aus unseren Smartphones Fastnachtslieder in Reinform.“Direkt nach dem Einzug des Elferrats und dem zauberhaften Tanz der kleinen Gardisten gab´s den ersten Höhepunkt, als das Ex-Kinderprinzenpaar Ben Hertkorn und Lilli-Sophie Ries ihre Regentschaft humoristisch resümierten: „Wir zwei gehören jetzt zum alten Eisen, da kann merr nix mache – Dibborsch Äla.“

Dass Fastnacht nicht nur Spaß ist, sondern auch eine besonders lustige Wissenschaft, bewies Fastnachtsprofessorin Helena Gorges und belegte dies mathematisch. Die Quersumme von 2018 ist elf, gleichbedeutend mit dem „was uns Freunde macht, unser goldisch Fassenacht“.Klar, in der tollen Zeit spielen die jungen Dieburger verrückt. Dass auch ihre „Oma fastnachtsnärrisch ist“, legte die achtjährige Emily Weihert mit lustigen Ankedoten dar. „Am 11.11. geht es los, wo ist das Konfetti bloß?“ Und über die närrische Zeit gibt es bei Oma „statt Spaghetti Luftschlangen in Tomatensoß“.Wenn in der Fastnachtshochburg der Römerman-Triathlon angesagt ist, sind eigenartige Trainingsmethoden angesagt. Davon konnte Leonhardt Gorges einige witzige Geschichten erzählen: „Da schwimm ich uff de Gersprenz nach Zimmern und zurück.“In den Klassenzimmern der Stadt geht es ganzjährig närrisch zu. Was die Lehrkräfte in den Dieburger Schulen alles mitmachen müssen, erzählte Kai Wolfenstädter aus der Büttenperspektive mit feinen rhetorischen Spitzen: „Wir Schulkinder wissen uns zu wehren, wenn die Lehrer aufbegehren.“

Ein „Musterschüler“ hingegen ist Jermaine Stemmler, auch wenn er Dichterfürst Goethe kurzerhand zum Komponisten macht. In Sachen Fastnachts-Reife ist ihm hingegen ein hervorragender Abschluss sicher.In vielen Urlauben geht es hoch her, wenn alle Familienmitglieder zwei Wochen lang nicht in Terminen getaktet sind, sondern auf einmal viel Zeit füreinander da ist. Diese Turbulenzen beschrieben Lia und Nico Zimprich hautnah. „Der arme Nico mit drei Schwestern, was ein Gewimmer, bei den Opas zieht das aber immer“, beklagt sich Lia mit klaren Worten.Ein Bühnenfuchs ist auch Merle Keller. Sie weiß ganz genau, wie sie sich als „Kandidatin“ in der Bütt präsentieren muss, um beim Volke bestens anzukommen. Sie will als erstes Kind Bürgermeisterin werden: „Den Rathaus-chef, Frank Haus genannt, stech ich aus ganz galant“, lautet ihre Kampfansage.

Bilder der 1. Kindersitzung in Dieburg

Zwischen so viel rhetorischer Finesse bietet die Kindersitzung viele tänzerische und musikalische Schmankerl erster Güteklasse. Zackig und gewohnt präzise, aber auch mit spielerischer Leichtigkeit tritt die große Garde (Leitung: Dagmar Ruißinger) auf. „Tanzen für den Spaß“ - dass sie dieses Motto auch leben, belegte die Gardegruppe „Dance for fun“ unter der Leitung von Dagmar Ruißinger und Tanja Siebart eindrucksvoll, wobei die Mädels mit Lichterketten am Körper einen besonderen optischen Reiz setzten. Absolut „hip“ sind die „Priga-Jungs & Friends“ (Leitung: Maverik Stemmler, Jessica Stemmler, Michele Enders). Ihr moderner Freestyle ist in seiner Dynamik seit nunmehr drei Jahren ein Highlight der Dieburger Kindersitzung. Im Sommer wird Deutschland während der Weltmeisterschaft wieder im Ausnahmezustand sein. Einen Vorgeschmack darauf gab die Gardegruppe „Fußball-Fieber“ (Leitung: Nicole Schmitt, Nadja Hernandez y Allmann). Bleibt zu hoffen, dass Jogis Jungs annähernd leichtfüßig zur Titelverteidigung tanzen werden. Bezaubernd auch, wie die „Schmetterlinge“ (Leitung: Silvia Klein, Tina Brand) der Garde über das Parkett der Römerhalle flatterten. Mit orientalischer Eleganz schwebte eine Formation in den Saal, ihre Darbietung als „Aladin“ war von großer tänzerischer Klasse. Das große Können der KVD-Tanzgruppen indes kommt nicht aus der Wunderlampe, sondern ist mit intensivem Training seit August hart erarbeitet.

Nicht fehlen darf die traditionelle Playback-Show der Kleinen. Als „Mini-Rocker“ treten die Kinderfastnachter voll auf das Gaspedal und sorgen mit ihrer musikalischen Biker-Tour dafür, dass sich die Stimmungs-Umdrehungen im Publikum deutlich erhöhen. Zur Einstimmung auf das große Sitzungsfinale bringen die Kindersingers (Leitung: Sabrina Brandt, Manuela Paul, Sarah Cezanne, Juliane Kempf) die Halle noch einmal in Wallung. Es ist ein eindrucksvolles, buntes Bild, wenn alle 120 Aktiven der Sitzung die Bühne bevölkern und singend und schunkelnd den finalen Applaus genießen. „Mo en Hänger orrer en falsche Schritt, bei de Kinner interessiert des werklisch nit. Vor 500 Leit seid ihr voll da – könnt stolz druff soi mit Dibborsch Äla.“ Am nächsten Sonntag geben die Fastnachts-Kinder ihre zweite Vorstellung, die bereits ausverkauft ist.

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