Tomate, Gurke, Salat und Co. in der Krise

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Gemüsehändler Hüsein Dogan hat zwar noch Salatgurken, Tomaten und Kopfsalat im Angebot. Aber die Nachfrage an seinem Stand auf dem Wochenmarkt ist eingebrochen.

Dieburg ‐ Obwohl die Zahl der Erkrankten am EHEC-Erreger hier relativ gering ist - im Landkreis waren am Freitag sieben Erkrankte gemeldet - haben auch die Dieburger Verbraucher ihr Kaufverhalten umgestellt. Das bestätigen die Gemüsehändler. Von Ulrike Bernauer

Wobei die Reaktionen in den Geschäften unterschiedlich ausfallen. In einem Obst- und Gemüseladen in der Zuckerstraße werden zwar weniger Salatgurken und Blattsalate verkauft, aber der Rückgang hält sich in Grenzen. „Bei uns ist es nicht so dramatisch“, sagt Verkäuferin Uta Heesch. „Wir können die Kunden meistens überzeugen, schließlich kommt unser Gemüse weitgehend aus Deutschland.“ Den Salat bezieht der Gemüseladen aus Griesheim, die Gurken kommen vom Bodensee, von der Insel Reichenau. „Obwohl ja Spanien gar nicht das schuldige Land ist, wie sich jetzt herausstellt“, sagt die Frau hinter der Theke.

Auch Hüsein Dogan, der am Samstag seinen Stand auf dem Wochenmarkt aufschlägt, bietet hauptsächlich deutsches Obst und Gemüse an. Er berichtet aber von einem starken Rückgang bei den Verkäufen, nicht nur bei den drei ursprünglichen Verdachtskandidaten Salatgurke, Blattsalat und Tomate, sondern erstaunlicherweise auch bei Gemüse, das ja meist nicht roh verzehrt wird. Aber bei den berüchtigten Drei, die vermutlich gar keine Schuld trifft, sei der Rückgang besonders schlimm. „Normalerweise verkaufe ich samstags eine Kiste Salat, in der letzten Woche war es gerade mal ein Kopf“, erinnert sich Dogan.

„Jeden Tag gibt es andere Meldungen“

Friederike Funk kommt an den Stand und kauft - erstaunlicherweise - ein: Tomaten, Salatgurke und einen Kopfsalat. „Ich habe jetzt zwei Wochen lang meine Ernährung umgestellt und genau diese Sorten nicht mehr gekauft. Aber ich brauche jetzt einfach etwas Frisches. Außerdem gibt es jeden Tag andere Meldungen im Fernsehen: Hygiene in der Küche ist für mich eh das A und O.“

Christine Kündinger hingegen bleibt bei ihrer Kaufverweigerung, lediglich Tomaten stehen weiter auf dem Speiseplan. „Die koche ich ab und ziehe die Haut ab“, sagt die Dieburgerin. Ihr tun vor allem die Bauern leid. „Das ist doch eine Schande, wie sie die Landwirte kaputt machen“, schimpft die Hausfrau. Im Gemüseladen lässt das Thema auch keinen kalt, so manche Kundin stellt auch Verschwörungstheorien in den Raum. Jeder denke bei Terroranschlägen nur an Bomben, mit Biowaffen lasse sich auch einiges erreichen.

Viele der Kundinnen in der Zuckerstraße betonen jedoch: „Ich esse weiterhin Tomaten und Gurken.“ Dazu gehört auch Mechthild Pfeil. „Jeden Tag gibt es neue Meldungen, heute habe ich gehört, man habe den EHEC-Erreger im Biodung gefunden. Ich finde das gemein, was sie mit den Spaniern gemacht haben.“

„Die schmeckt einfach am besten“

Verkäuferin Heesch erklärt genauso wie Gemüsehändler Dogan: „Ich esse weiterhin Tomaten und Gurken und ich bin gesund.“ Dogan versteht die Kaufzurückhaltung der Kunden nicht so ganz. Schließlich verkaufe er fast ausschließlich deutsche Ware. „Die schmeckt einfach am besten und das ganz unabhängig von EHEC“, sagt er. „Die Zucchini aus Deutschland sind höchstens ein paar Tage alt, wenn sie beispielsweise aus der Türkei kommen, sind die oft schon ein paar Wochen unterwegs.“ Sein Tipp: „Man muss halt das Gemüse und die Salate ordentlich waschen, aber das sollte man immer tun.“ Dogan erinnert sich noch an die letzten Lebensmittelskandale. Vor ein paar Monaten war es das Dioxin in den Eiern, vor einigen Jahren standen Rind- oder Schweinefleisch auf dem Index der Verbraucher. „Dann essen die Leute ein paar Wochen die in den Medien erwähnten Lebensmittel nicht und danach ist alles beim Alten. Aber die Hochsaison für deutsches Gemüse ist bis dahin vermutlich gerade rum und ich muss wieder mehr Auslandsware anbieten.“

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