Tradition in Blau

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Sophie (9) aus Münster bedruckt ihr Tuch.

Dieburg - Eine ganz eigene Ostertradition hat das Dieburger Museum: Am Sonntag vor dem Osterfest, am Ostersonntag und am Weißen Sonntag, sind die Besucher hier zu den Blaufärbertagen eingeladen. Von Laura Hombach

Museumsleiterin Maria Porzenheim erklärt, man habe sich damals, als die Blaufärbertage aus der Taufe gehoben wurden, überlegt, dass man den Besuchern zwar an den Osterfeiertagen ein besonderes Programm anbieten wolle, es aber in der Umgebung schon ausreichend Ostereiermärkte gäbe. Da das Museum eine Blaufärberwerkstatt aus Fränkisch-Crumbach sein Eigen nennen kann, war die Idee der Blaufärbertage bald geboren.

Blaufärbertage im Museum

Die Blaufärbertage im Dieburger Museum finden auch am Ostersonntag (12. April) und am Weißen Sonntag (19. April) von 14 bis 17 Uhr statt. Der Förderverein hält Kaffee und Kuchen bereit. Auskünfte gibt es unter 06071/2002460.

Dabei gibt es an den drei Sonntagen im Museum nicht nur viel zu schauen, auch eigene Stoffbilder dürfen die Besucher entwerfen und sich schließlich färben lassen. Vor allem für die kleinen Besucher ist es eine große Freude, wenn sie sich aus einer ganzen Reihe von Modeln, die entweder in Holz geschnitzte oder in Metall aufgesetzte Muster von der schmückenden Bordüre bis zum österlichen Hasen bieten, ihre Lieblingsmotive aussuchen und auf den Stoff bringen dürfen.

Die neunjährige Victoria und ihre Schwester Caroline (6) sind extra mit Opa und Oma aus Darmstadt angereist, um bei den Blaufärbertagen dabei zu sein. Vorsichtig drücken sie ihre ausgewählte Model in den so genannte Papp, der beim Färbevorgang das Eindringen der Farbe in den Stoff verhindert. Nicht zu viel und nicht zu wenig von der Mischung aus Pfeifenton und Kupferverbindungen darf dabei an der Model haften, damit das Muster später auch schön aussieht. Ganz konzentriert sind die beiden auch, wenn es darum geht, die Model auf ihr Stück Stoff zu drücken.

Impressionen von den Blaufärbertagen

Tradition in Blau

Ist ein Muster auf den Stoff gebracht, wird die nächste Model ausgewählt und das Muster aufgedruckt, so entstehen nach und nach ganz individuelle kleine Kunstwerke. Die müssen nun kurz trocknen, bevor sie ihren Weg in den Keller finden können.

Museumsmitarbeiter Lothar Lammer steht hier am großen Farbbottich und übernimmt das eigentliche Blaufärben. Unten im Bottich befindet sich eine Mischung aus Indigofarbstoff und Natriumdithionit, die so genannte Küpe.

Rund zehn Minuten pro Färbevorgang wird der Stoff in das Bad gehängt. Wird er danach wieder heraus gezogen, ist von Blau noch nicht viel zu sehen. Schmutzig Grün präsentiert sich das Tuch den Zuschauern.

Doch schon nach wenigen Minuten an der Luft kann man das Ergebnis des Oxidationsprozesses sehen: Ein schönes sattes Mittelblau ist nach dem ersten Tauchgang erreicht. Drei bis vier Mal kann man den Vorgang wiederholen, um die Intensität der Blaufärbung noch zu steigern. Dann muss nur noch mittels einer schwachen Säure der Papp vom Stoff entfernt werden und das kleine blau-weiße Kunstwerk auf Stoff ist fertig.

Wer seiner Kreativität nicht selbst Ausdruck verleihen will oder wem das zu lange dauert, für den gibt es während der Blaufärbertage im Museum auch fertige Stoffe zu kaufen. Hergestellt wurden sie von Alfred Thieme, der in Pulsnitz eine Blaudruckerwerkstatt betreibt. Von kleinen Stofftaschen über Stoffostereier bis hin zu Tischdecken, Kissenhüllen und Schürzen gibt es ein großes Angebot seiner handgefertigten Produkte im Museum zu erstehen. Am letzten Blaufärbersonntag, 19. April, ist Thieme dann sogar selbst vor Ort und kann den Museumsbesuchern von seiner Arbeit als Blaufärber berichten.

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