Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig mischt zum ersten Mal Dieburg auf

Er trägt das Hütli auch innen

Hut ab vor Erwin Pelzig (Frank-Markus Barwasser).

Dieburg - Wo gibt es das sonst nocht? Mit einer simplen Eintrittskarte konnte man am Donnerstagabend in der ausverkauften FH-Aula sogar Bundeswirtschaftsminister werden! Aber das sollte der arme Helmut, der per Lostrommel zu seinem Amt kam, noch bereuen. Von Lisa Hager

In einem fast dreistündigen Geistesblitzgewitter geht der 53-jährige Barwasser an die Grenzen – bei sich und beim Publikum. Seinen beißenden Zynismus gießt der Würzburger Kabarettist nicht nur über die herrschende Politikerkaste aus, der jegliche Aufrichtigkeit abhanden gekommen ist. Auch die Strippenzieher des globalen Finanzunwesens haben nicht mit Schonung zu rechnen. Stimmung kommt auf, als Pelzig das Bundeskabinett per Lostrommel zusammen würfelt. „Des machen die in der Großen Koalition aach net annersch!“ Und der Wähler habe sich an die Wahl gewöhnt – „wie an die Darmspiegelung alle vier Jahre“.

Der in Dieburg gekürte neue Bundesfinanzminister, Ex-Lokführer Helmut Bergmann, darf sich über einen diskreten Umschlag freuen: Darin bekommt er das Geld für die Eintrittskarte zurück.

Dazwischen zweifelt und verzweifelt Pelzig an sich und der „kognitiven Dissonanz“, die ihn immer wieder befalle – beispielsweise bei dem legendären Satz von Jean Claude Juncker „Wenn es ernst wird, muss man lügen.“ Dazu treibt ihn die Frage um, ob er noch in diese Welt des globalisierten Wahnsinns passt: „Vielleicht trag’ ich das Cordhütli auch schon innen?“ Um up to date zu bleiben, streitet er sich in der Netz-Community mit seinem Hausdepp („terminator14/11“) herum, der ihm die Chats mit „boxenluder69“ vermiesen will. Im Drei-Rollen-Gespräch mit dem konservativen Doktor Göbel und Stammtisch-Macho Hartmut muss er leider feststellen, dass sein Internet-Feind leibhaftig vor ihm sitzend am Weißbier nippt.

Als Barwasser zum Abschied sein beigefarbenes Markenzeichen abnimmt, zeigen die verschwitzten Haare, dass auch er am Ende ist – am Ende seiner Weisheit. Die Welt lasse sich wohl nicht ändern, denn „so Zeuch macht der Mensch halt“.

Normalerweise gebe er keine Zugaben, meint er, nachdem ihn der Applaus zurück auf die Bühne holt. Aber dies müsse er nun doch noch vermelden, weil alles schon wieder so zum K....sei. Dann verliest er die frisch getwitterte Online-Nachricht: Der neue Minister hat schon seinen ersten Skandal am Hals. Ihm werde vorgeworfen, einen Briefumschlag mit Geld angenommen zu haben. Der Minister selbst spreche von einer „Neiddebatte“. Erstens liege der Betrag deutlich unter 30 Euro und zweitens habe er nie einen Umschlag erhalten. Pelzigs Kommentar: „Des gibt’s doch net, Helmut! Erst zwei Stunden im Amt und schon korrupt.“

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