Traffic Jam bleibt dieses Jahr stumm

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„Traffic Jam“ in Dieburg: Wie es mit dem Musikfestival weitergeht, ist ungewiss. In diesem Jahr jedenfalls wird es nicht stattfinden.

Dieburg - Besonders viele junge Musikfans aus der Region und ganz Deutschland dürften es in diesen Tagen mit Schrecken und Enttäuschung erfahren haben: Das „Traffic Jam“, Dieburgs in den vergangenen zehn Jahren immens gewachsenes Open-Air-Festival, findet im Sommer 2009 nicht statt. Von Jens Dörr

Besonders ob der Tatsache, dass sich das Festival der härteren Gangart immer größerer Beliebtheit beim Publikum erfreut und 2008 an zwei Tagen rund 6000 Menschen auf den Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker gelockt hatte, kam die Meldung des veranstaltenden, gemeinnützigen Vereins „Schallkultur“ überraschend.

„Auch wenn der Zeitmangel bei uns Organisatoren der Hauptgrund ist, sind zudem weitere Dinge für die Absage verantwortlich“,erklärt Jan Tschöpe. Der 25-Jährige ist Vize-Vorsitzender des Vereins und seit vier Jahren einer der Hauptorganisatoren des Festivals. Die Finanzierung oder organisatorische Schwierigkeiten seien weniger ein Problem gewesen, als „die Tatsache, dass wir Organisatoren auch nicht jünger werden. Das klingt zwar abgedroschen, doch wenn man mittlerweile zehn Jahre älter ist als sein Stammpublikum, ist es nicht einfach, sich mit dem Geschmack der Besucher auseinanderzusetzen“. Zwar habe man, so Tschöpe, den „Zeitgeist immer gut getroffen und auch neue Trends gesetzt“. Doch wäre man mit fortschreitendem Alter - die meisten der ehrenamtlich Mitarbeitenden sind Ende 20 - irgendwann „nicht mehr authentisch“ gewesen.

Natürlich sei es ungemein schwer gefallen, das Festival nach zehn Jahren in Folge ausfallen zu lassen. Viele traurige Rückmeldungen habe es insbesondere über das Internet bereits gegeben - zum „Traffic Jam“ waren speziell in den letzten Jahren viele Musikfans aus der gesamten Republik gekommen. Schon nach der Veranstaltung 2006 habe man überlegt, eine Pause zu machen, wollte aber 2007 und 2008 unbedingt noch stemmen, um das zehnjährige Jubiläum feiern zu können.

Warum die Entscheidung erst jetzt, nur vier Monate vor dem erwarteten Festival-Termin, fiel? „Ganz einfach“,erklärt Tschöpe. „Wir wussten lange nicht, ob wir tatsächlich aufhören. Darüber gab es im Team verschiedene Meinungen.“ Insbesondere die Freunde und Angehörigen der engagierten Musik-Fans hätten aber Verständnis für den Ausfall 2009 gehabt: „Die haben gesehen, dass wir von Oktober bis August kaum Zeit für andere Aktivitäten und sogar unser Studium hatten“, sagt Tschöpe. Denn manchmal sei auch beim Fulltime-Hobby Festival-Organisation nicht alles Spaß, sondern einfach nur Anstrengung gewesen.

Eines kam für das Team jedoch nie in Frage: „Traffic Jam“ einer professionellen Agentur zu übergeben, um es irgendwie am Leben zu erhalten. „Wir haben ja keinen Profit mit der Sache gemacht“,so Tschöpe. „Deshalb waren die Preise auch so niedrig.“

Ein externer Veranstalter müsse das Festival komplett verändern, um profitabel zu sein, wodurch es seinen Charme verlöre. Zudem sei da noch die Sache mit dem Gelände: Martin Völker ist der Vorsitzende des Vereins „Schallkultur“ und der Verkehrsübungsplatz im Privatbesitz seiner Mutter Ingrid Völker, die das Gelände trotz des Müll-Problems den Organisatoren immer wieder anvertraute. „Ein von Fremden organisiertes Traffic Jam aber wäre undenkbar“,verdeutlicht Tschöpe. „Wir wollten damit ja auch Spaß haben und die Dieburger Kultur-Szene bereichern.“

Ob es 2010 ein Comeback gibt, dazu möchte sich Tschöpe noch nicht äußern.„Ich wage nichts zu prognostizieren, das würde nur Gerüchte streuen.“Fest steht für ihn nur: „Aufzuhören fiel uns verdammt schwer. Und es wird noch viel schwerer werden, wenn der Sommer kommt. Denn dann werden wir feststellen, dass ein großer, spaßiger und verrückter Teil in unserem Leben fehlt.“

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