Großer Ansturm beim Traffic Jam

Kontra Rassismus und Gewalt

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Heißes Bad in der Menge: Wolf-Down-Frontfrau Larissa sucht nicht nur den Kontakt mit den Fans, sondern mischt in ihrem Auftritt auch politische Botschaften.

Dieburg - Das 15. Traffic Jam gibt sich politisch. Zwischen 3 000 und 4 000 Besucher zählen die Veranstalter allein am Freitag. Von Jens Dörr

Hinter der Bühne wirkt sie, als könne sie kein Wässerchen trüben: Mit einem Lächeln im Gesicht setzt sich Larissa erschöpft hin. Eine Stunde Schwerstarbeit liegen am Samstagabend hinter der Frontfrau der Ruhrpott-Band Wolf Down, die kurz zuvor keineswegs entspannte Töne angeschlagen hat. Stattdessen: Punkrock in seiner härtesten Form, gewürzt mit politischen Botschaften.

Es war nicht das einzige Mal, dass am Freitag und Samstag beim „15. Traffic Jam“-Festival auf dem Verkehrsübungs-Platz der Fahrschule Völker Stellung bezogen wurde - kontra Rassismus, Sexismus und Gewalt.

Zum Jubiläum des zweitägigen Konzertreigens erinnerten sich Hardrocker, Metal-Barden und Punks an das Gefühl, das zu Festivals der alternativen Rockszene dazugehört wie Dosenravioli vom Grill und die nächtlichen „Helga“-Schreie auf dem Zeltplatz: die Ablehnung des täglichen Wahnsinns von Hass und Intoleranz, zugleich das dicke „Ja!“ für eine vielfältige Welt ohne Vorurteile. Für die war die Veranstaltung des Dieburger Vereins „Schallkultur“ selbst erneut das beste Beispiel.

Festival für junge Leute

Während der Dieburger Bühnentechniker Jürgen Rössel, einer von rund 100 Festivalhelfern, am Samstag den Besuch seiner Mutter ankündigte, die mal einen „Kulturschock“ erleben solle, war das Gros der Besucher wieder zwischen 16 und 30 Jahre alt - wild gestylt, weniger schwiegermutter-vorzeigetauglich, dafür immer gut drauf und friedlich entspannt.

Die niedrigen Preise ermöglichen beim „Traffic Jam“ fast jedem, binnen zweier Tage 25 Bands live zu erleben. Ein Gedanke, der auch der Wolf-Down-Sängerin gefiel, wie sie zwischen zwei kehlig-stimmigen Songs verriet. Das Soziale dürfe in allzu kommerziellen Zeiten nicht in den Hintergrund treten - hierzulande und überall auf der Welt.

Mit weniger Appell ans Gewissen, dafür umso heftigeren Gitarrenriffs feierten am Samstag die Metalcore-Musiker von A Traitor Lika Judas ihre „Traffic Jam“-Premiere. Nach anderthalb Jahrzehnten Bandgeschichte verschlug es die Braunschweiger erstmals an die Gersprenz. „In Darmstadt waren wir zwar schon, Dieburg haben wir aber nicht gekannt“, sagt backstage nach dem Auftritt Schlagzeuger Jochen. Am Morgen angereist, mischte er sich am Abend wiederum mit seinen Kollegen unter die Masse vor der Bühne. „Auftritte wie der von Skindred sind auch für uns etwas Besonderes“, meint er mit Blick auf den Headliner des zweiten Festivaltags. Skindred-Sänger Benji, dem mit seinem walisischen Reggae-Metal-Hip-Hop-Punk-Quintett wenige Stunden später die Schlussakkorde vorbehalten sind, streckt sich zu dieser Zeit noch in der Dieburger Sommersonne aus.

Volle Campingplätze

Auf die folgte diesmal glücklicherweise kein Unwetter und erst recht keine weitere Badesaison wie vor zwei Jahren, resümierte auch ein zufriedener „Schallkultur“-Sprecher Daniel Weber. Bereits bei Fiddler’s Green, „Wiederholungstäter“ auf dem „Traffic Jam“, habe am Freitagabend ein ordentlicher Auflauf vor der Bühne stattgefunden.

Am vollsten sei es schließlich bei den New Yorkern von Sick Of It All, Höhepunkt des Freitags, gewesen. „So viele Tageskarten wie da haben wir noch nie verkauft“, so Weber. Überhaupt habe der Zuspruch gegenüber dem schwächeren vergangenen Jahr - als noch der nasse Ausgang 2012 in den Köpfen steckte - wieder deutlich angezogen.

Campingplatz eins am Festivalgelände war am Freitagmorgen binnen 30 Minuten voll. Der zweite, etwas weiter weg im Feld zwischen Dieburg und Münster gelegen, nahm hunderte weitere Camper auf. Genaue Zahlen lagen am Wochenende noch nicht vor. Allein am Freitag seien aber „zwischen 3 000 und 4 000 Leute“ da gewesen, teilte Weber mit.

Traffic Jam in Dieburg

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