Für Caliban darf es Champagner sein

„Traffic Jam“: 5500 Musikfans feiern Dieburgs Festival

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Sondaschule spielten ihren Ska-Punk am Freitagabend beim „Traffic Jam“, dem „geilsten Stau der Welt“.

Dieburg - 5500 Musikfans haben am Freitag und Samstag das „Traffic Jam“-Festival auf dem Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker gefeiert. Die 18. Auflage des Spektakels des Dieburger Vereins „Schallkultur“ richtete sich wie gewohnt vor allem an Anhänger von Hardrock, Metal und Punk.  Von Jens Dörr

Allerdings öffnete sich der selbst ernannte „geilste Stau der Welt“ durch die Auswahl der Bands diesmal auch etwas stärker für ein Publikum, das nicht zwingend zwei Tage lang in der ganz harten Gangart beschallt werden muss. „Unser Konzept war es, die Ausrichtung aus den vergangenen Jahren etwas zu brechen“, sagte am Sonntagvormittag „Schallkultur“-Vorsitzender Julian Dörr. Und konstatierte: „Das ist gut angekommen.“ Nach zwei anstrengenden Festivaltagen war für ihn wie für das 20-köpfige Kernteam an Helfern gestern noch lange nicht Schluss mit der Arbeit; die Anspannung nach 23 Konzerten à 30 bis 60 Minuten war indes weitgehend gewichen.

Zumal sich die Unwetterwarnungen für den Samstagabend nicht bestätigten: Nach Mitternacht zuckten über Dieburg zwar die Blitze, von einer Sintflut wie in 2012, als der Campingplatz sogar evakuiert werden musste, war das „Traffic Jam“ jedoch meilenweit entfernt. Mehr noch: Kaum ein Tropfen fiel vom Himmel. Wegen der veröffentlichten Unwetterwarnung kamen dann offensichtlich auch weniger Besucher. „Das hat uns für den Samstag einige Besucher gekostet“, so Dörr. Der zweite Tag des Festivals fiel beim Zuspruch dadurch „etwas schwächer“ als der Freitag aus. Mit dem ersten der beiden Tage sei man derweil „sehr zufrieden“ gewesen.

Bilder: Traffic Jam in Dieburg

Einziger Wermutstropfen am Freitag: Als gegen Mitternacht mit Royal Republic einer der Höhepunkte spielte, setzte tatsächlich ein Unwetter ein. Die Schweden, erst am Nachmittag per Flug nach Frankfurt gereist und dann direkt weiter ins Dieburger Gewerbegebiet westlich der Bahnlinie gen Münster, zogen ihren Auftritt durch. Auch die zu dieser Zeit nahezu komplett vor der Bühne versammelten Besucher, rund 3000 an der Zahl – darunter mehr als 1000 Camper –, ließen sich durch den Guss von oben kaum zurück in die Zelte oder nach Hause drängen. Entschädigt wurden sie vom Quartett aus Malmö, dessen lässiger und manchmal an Mando Diao erinnernder Rock Ausdruck der leichten Neuausrichtung des „Traffic Jam“ war, auch mit einer sehenswerten Lichtshow.

Die machte Stunden zuvor im Hellen, als die größte Nummer des ersten Tags noch in der Luft war, freilich weniger Sinn und lief dann auch eher auf Sparflamme. Bei Anchors & Hearts am späten Freitagnachmittag musste der Frontmann die vielleicht 200 Besucher vor der Bühne noch ziemlich animieren: „Kommt mal nach vorn, wir mögen es intim.“ Was er sah, gefiel ihm: „Ihr seht alle so gut aus – ich glaube, ich ziehe auch nach Dieburg.“

Fotos zum Traffic Jam 2016 in Dieburg

Bei Elfmorgen zog der Zuspruch am frühen Abend merklich an und die Festivalmeute zusehends vom benachbarten Zeltplatz aufs Hauptgelände ab. Bei der nordrhein-westfälischen Ska-Punk-Band Sondaschule ergab sich in der einsetzenden Dunkelheit bereits ein imposantes Bild vor der Bühne.

Das wurde gerade bei den Freitagsknallern Evergreen Terrace (USA) und Royal Republic noch einmal überboten, ebenso bei Caliban, mit denen der Samstag und damit das „18. Traffic Jam“ ausklang. Zum Abschluss lieferten die fünf Musiker aus NRW noch einmal Metalcore wie eine Dampfwalze. Nur der vorab von der Gruppe geäußerte Wunsch, von Veranstalter hinter der Bühne Champagner serviert zu bekommen, mochte da so gar nicht zum wilden Auftritt passen.

Fotos zum 16. Traffic Jam-Festival

Quelle: op-online.de

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