Traum von einer Sommernacht

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Die Elfenkönigin ist In Liebe in einen Eselsohrigen erglüht: Ihre schillernden Begleiterinnen schweben durch den abendlichen Fechenbachpark.

Dieburg - Nervös tigern die Darsteller hinterm Schloss Fechenbach auf und ab. Manch einer wirft einen verstohlenen Blick um die Ecke aufs Publikum, das sich bereits rechtzeitig vor Beginn der Aufführung versammelt hat und gespannt auf das Stück wartet. Von Verena Scholze

Noch ein schnelles Abklatschen vor dem Beginn, dann kündigt Musik den Auftakt der Premiere des „Sommernachtstraumes“ an. Begeistertes Klatschen der Zuschauer gibt den Akteuren Auftrieb und das Stück läuft von Beginn an fast wie von selbst.

Frei nach Shakespeare haben die Theatergruppe der Lebenshilfe Dieburg („DieBurgis“) sowie zwei Ensembles des Theaterlabors Darmstadt, das „Junge Labor“ und das „Labor 55 plus“, das Stück auf die Open-Air-Bühne gebracht. Für die Premiere, die am Freitagabend vor der wunderschönen Kulisse des Schlosses stattfand, waren alle 150 Karten bereits im Vorkauf über die Theke gegangen..

„Inklusion, also Teilhabe“: Unter dem Motto hatten Regisseur Max Augenfeld und seine Kollegin Nadja Soukup eine Inszenierung auf hohem Niveau mit jungen, alten und gehandicapten Menschen erarbeitet und in ein gemeinsames künstlerisches Projekt integriert. Dazu zählten auch zehn Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung, die von drei Pädagogen der Lebenshilfe begleitet wurden.

Grenzen zwischen Menschen mit Handicap aufheben

Shakespeares Stück spielt in einem Zwielicht von Traum und Wirklichkeit und ist gleichzeitig märchenhaft und emotional. Ein geeignetes Stück, um bestehende Grenzen zwischen Generationen und Menschen mit Handicap aufzuheben.

Bereits im vergangenen Herbst wurde mit den Proben für das Stück begonnen. Zunächst agierte jede der Gruppen für sich, bevor man sich dann zu den ersten gemeinsamen Proben vor Ort im Park des Schlosses traf. Mehrere Tage in der Woche fanden die stundenlangen Proben statt, die bereits da von neugieren Zuschauern mit großem Interesse verfolgt wurden.

„Ich habe die Gruppe immer wieder beobachtet und wollte mir das Stück unbedingt ansehen“, berichtete Besucherin Katharina Fässlack, die gleich zwei Freundinnen im Schlepptau hatte. Alle Drei zeigten sich tief beeindruckt von der darstellerischen Leistung der Akteure. „Der Text ist sehr schwer, den möchte ich nicht auswendig lernen müssen“, erklärte Fässlack und zog ihren imaginären Hut vor den Schauspielern.

Wer die Aufführungen in Dieburg verpasst hat, hat noch zweimal Gelegenheit, das ungewöhnliche Theaterprojekt in Darmstadt zu sehen. Aufführungstermine dort sind am 22. und 23. Juni im Prinz-Georg-Garten. Informationen hierzu im Internet.

Aber auch in anderer Hinsicht ist das Stück anders - beispielsweise bezieht es die Zuschauer mit in den Handlungsrahmen ein. So wurde anstatt des Bühnenbilds kurzerhand die Location gewechselt, und die Besucher zogen mit ihren leichtgewichtigen Papphockern gemeinsam mit den Akteuren vom Schlossvorplatz in den Park um. So kam man sich gleich etwas näher und die lockere Stimmung der Zuschauer übertrug sich auf die Akteure, die mit großer Konzentration, geballter Energie und vor allem sehr viel Spaß im Stück agierten.

Schillernd und bunt wirkten die Szenen unter dem Grün der Bäume, die die ausgefallenen Kostüme der Laiendarsteller wirkungsvoll zur Geltung kommen ließen. Schimmernde Flügel der Elfenkostüme wirkten zart neben dem Grün der Pucks und die Handwerker erschienen ganz hemdsärmelig-pragmatisch in ihrer Arbeitskluft.

Das Publikum zollte den Leistungen der Darsteller mit großem Beifall seinen Respekt - immer wieder gab es auch spontanen Zwischenappalus. Und trotz des kurzzeitig einsetzenden Regens ließen sich die Darsteller nicht beirren und absolvierten souverän das Stück bis zum Ende, wo sie ihren wohlverdienten Schlussbeifall entgegennehmen durften.

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