Trösten ist sehr wichtig

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Der Blick in einen echten Rettungswagen war für die 15 "Ersthelfer von morgen" der Höhepunkt ihrer Ausbildung.

Dieburg - Die kleine Jana hat am Tag vor ihrem Geburtstag seltsame Wünsche. „Das ist toll, ich will auch mal krank sein“, ruft sie voller Begeisterung, während sie wissbegierig die Innereien des Rettungswagens erkundet. Von Barbara Hoven

"Nein, das willst du bestimmt nicht“,widerspricht Yvonne Appel und zieht eine große Spritze aus einer der unzähligen Schubladen und Klappen des Krankenwagens. Jana staunt, gruselt sich und hat ihre Meinung schnell geändert: „Ich glaub, ich will doch nicht krank sein.“

Was zu tun ist, wenn doch mal jemand krank ist oder verunglückt, erklärt Appel, Ausbilderin bei der Johanniter-Unfall-Hilfe, den 15 „Ersthelfern von morgen“ mit Engelsgeduld. An drei Vormittagen haben die fünf- und sechsjährigen Vorschulkinder der Kindertagesstätte Knirpsenland gelernt, wie man im Notfall einen kühlen Kopf bewahrt und richtig hilft oder Hilfe holt.

Als Ausbilderin Yvonne Appel den Rettungswagen erklärt, hängen die Knirpse an den Lippen.

Nach zwei Tagen mit viel kindgerecht aufbereiteter Theorie war die Besichtigung eines echten Rettungswagens am Mittwoch der Höhepunkt für die Kids – samt Sirenengeheul und Blaulicht. „Ich bin überrascht, mit wie viel Begeisterung die Kinder dabei sind“,sagt Erzieher Cosimo-Emanuele Mione, der den Nachwuchs an allen drei Schulungstagen betreut hat. „Eigentlich dachte ich, sie wären wilder und weniger konzentriert. Stattdessen waren alle geradezu fixiert auf jedes Wort der Ausbilderin.“

Worte hatte Appel viele, um den Kindern etwas über die Johanniter-Unfall-Hilfe und andere Hilfsorganisationen zu erzählen, und mit Bildergeschichten die einzelnen Körperteile zu erklären. Danach folgte reichlich Praxis: In Übungen haben die Kita-Kinder Pflastertricks gelernt oder wie man einen Verband richtig anlegt und einen Ohnmächtigen in die stabile Seitenlage bringt. Und Appel hat ihnen bewusst gemacht, dass ein Verband alleine nicht hilft. „Wenn sich ein anderes Kind oder auch ein Erwachsener verletzt, ist es ganz wichtig, demjenigen Hilfe anzubieten und Trost zu spenden, bis professionelle Hilfe kommt“,betont die Ausbilderin.

Wie man Hilfe holt, haben die Kinder nicht nur mit eingängigen Sätzen wie „112 und Hilfe kommt herbei!“ erklärt bekommen, sondern auch an zwei Telefonen geübt. Als „Leitstelle“ nahm Kita-Leiterin Tülay Korkmaz die echten Anrufe der Kinder entgegen.

Als Träger von über 150 Kindertageseinrichtungen – darunter auch das Dieburger Knirpsenland – überrascht es nicht, dass sich die Johanniter auch bei der Ausbildung des Nachwuchses engagieren. Das Wissen darum, dass Kinder oft viel unbefangener und mit weniger Hemmungen an das Helfen herangehen als Erwachsene, nutzt die Institution seit Jahren mit ihrer Aktion „Ersthelfer von morgen“. Mit Unterstützung der Handpuppe Jona führen speziell ausgebildete Fachkräfte wie Yvonne Appel Kinder in die Welt der Ersten Hilfe. „Ich bin im ganzen Landkreis Darmstadt-Dieburg als Ausbilderin unterwegs“,erklärt Appel, die bei den Dieburger Johannitern in der Güterstraße arbeitet. „Neben dem Programm für Vorschul- und Schulkinder unterrichte ich auch Erwachsene, zum Beispiel in Betrieben oder als Vorbereitung auf die Führerscheinprüfung.“

Vom Führerschein sind die Dieburger Knirpse natürlich noch weit entfernt. Aber den Ersthelferpass, den sie am Mittwoch bekamen, werden sie sicher mit ähnlichem Stolz herumzeigen. Trotz aller Begeisterung - einen Kritikpunkt hatte der sechsjährige Fadil am Ende doch: „Boah, die Sirene, die war mir zu laut.“

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