Tropische Nacht in Blau getaucht

+
„Zugabe, Zugabe!“, riefen die begeisterten Zuschauer, nachdem sich die letzte Feuerfontäne über Schloss Fechenbach ergossen hatte. Das Barockfeuerwerk um Mitternacht war noch lange nicht der Schlusspunkt dieser blauen Sommernacht - auf den Straßen und Plätzen wurde weiter gefeiert.

Dieburg ‐ Rekordbesuch beim sechsten Mal „Dieburg in Blau“: Wahre Besucherströme ergossen sich am Samstagabend in die Innenstadt. Den heimischen und auswärtigen Gästen wurde nicht nur ein tolles Veranstaltungsprogramm geboten, auch der Wettergott hatte mit tropischen Temperaturen, die nachts kaum nachließen, für eine ganz besondere Stimmung gesorgt. Von Lisa Hager

So schlenderten viele Besucher in kurzen Hosen und T-Shirts durch die Stadt, gönnten sich einen blauen Cocktail und lauschten den coolen Klängen der Big Band des Jazzclubs Limburg. Sie sorgte mit ihrer hervorragenden Sängerin für eine Atmosphäre, die stimmig war. Etwas zu laut geriet der Auftritt der Dieburger Band „Blue Chip“ in der Steinstraße. Aber auch die rockigere Variante des musikalischen Angebots zur Nacht in Blau fand ihre Fans.

Mehr Bilder von der blauen Nacht

Dieburg ganz in Blau getaucht

Einen kleinen Flirt mit der hochgewachsenen Stelzendame in Blau leistete sich auch so mancher „Winzling“. Die Kinder, die auf Papas Schultern saßen, hatten die besten Chancen für eine Kontaktaufnahme mit der geheimnisvoll Maskierten.

Und an den Ständen des Kunsthandwerkermarkts im Fechenbach-Park konnte man zwei blau verkleidete Damen dabei beobachten, wie sie passende Ohrgehänge zum Outfit aussuchten.

Zeitweise ungeheuere Besucherströme

Feuer in der Nacht: Die Aktionen der Straßenkünstler zu Klängen der Carmina Burana zogen die staunenden Besucher in ihren Bann.

Während sich in der Steinstraße ein Mädchen geduldig von einem Straßenmaler porträtieren ließ, genossen die Passanten vor dem Kaufhaus Enders echte Strandatmosphäre mit Muscheln und Liegestühlen. Ein kleiner Junge schrieb dann auch gleich seinen Namen in den Sand. Vor dem Eingang konnten sich Interessierte im Schmuckbasteln nach Anleitung versuchen. Auch viele andere Geschäftsleute und Gastronomen hatten sich fantasievolle Aktionen für die Veranstaltung des Gewerbevereins ausgedacht. Tina Goedecke und Andreas Mai bereiteten im gruselig geschmückten Hof des Café Ostheimer frische Blaubeercrêpes am laufenden Band zu. Und für Optik Wiese zogen zwölf blaue Jungs durch die Stadt, die Gutscheine für einen Drink in der selben Farbe an die Passanten verteilten.

Überhaupt überrollte der ungeheure Besucheransturm die Anbieter und Standbetreiber zeitweise: Lange Schlangen bildeten sich vor allem vor den Cocktailbars, in denen mittels Caipirinha und Pina Colada Urlaubsfeeling direkt ins Glas gefüllt wurde.

Ausschnaufen im blauen Kirchenschiff von St. Peter und Paul

Ständig bevölkert waren auch die für diese spezielle Nacht geöffneten Höfe: Bei den „Brunnebuzzern“ am Marktplatz beispielsweise saßen die Glücklichen, die ein Plätzchen ergattert hatten, dicht an dicht.

Über mangelnden Zuspruch brauchten sich auch Museumsfreunde vorm Schloss nicht beklagen. Sie mussten um Mitternacht auf Nachfrage eines nach Mulsum (römischer Gewürzwein) Dürstenden verkünden: „Alles aus - leider!"

Temperament bewiesen die Besucher bei den Auftritten der Gruppe „Drumlets“ am Fastnachtsbrunnen: Die vier schweißgebadeten Trommler verstanden es, das Publikum als zusätzliches Rhythmusinstrument zu aktivieren.

Wer sich von dem ganzen Trubel erholen wollte, flüchtete in St. Peter und Paul, wo hunderte von blauen Teelichtern das ansonsten stockdunkle Kirchenschiff mystisch beleuchteten.

Altes Handwerk findet sein Publilkum

Der Heimatverein hatte sich dieses Mal eine ganz besondere Aktion ausgedacht: Im Hof der ehemaligen Süßmosterei Jakob zeigte beispielsweise Josef Thomas an einer Schnitzbank, was ein Wagner früher alles herstellte. Erstaunt nahm ein Junge die großen Bleilettern in die Hand, mit denen Boy Sühl zeigte, wie früher Texte gesetzt wurden. „Das war, bevor es Computer gab“, klärte der Vater auf.

Astrid Kreuz zeigte ein altes Handwerk am modernen Spinnrad und nebenan konzentrierte sich Ellen Terjung auf das für Laien undurchschaubare Spitzenklöppeln. Kathie Rogath demonstrierte, wie man die Sitzfläche eines Stuhles flicht. Eine ganz besondere Vorstellung gab „Bader“ Eberhard d'Orville, der sich lebende Objekte für seine Kunst suchte (wir berichten gesondert in unserer nächsten Ausgabe). Dabei floss sogar Blut - allerdings kein blaues.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare