Was ER denkt und was SIE meint - ein Erlebnisabend mit Künstlerehepaar

„Trotz allem - in Liebe“

ER und SIE: Michaela Merten und Pierre Franckh auf der FH-Bühne.Foto: Scholze

Dieburg -  Ein strahlendes Lächeln, ein fröhliches „Hallo, wir sind’s“: Damit betraten Michaela Merten und Pierre Franckh die Bühne. Beide nahmen hinter dem Tisch auf der Bühne Platz, zwei Mikrofone vor sich. Ein bisschen Small-Talk mit dem Publikum und schon hatten sie die Sympathie der Dieburger gewonnen. So leicht und selbstverständlich war das, mit dem Publikum auf Tuchfühlung zu gehen.

Michaela Merten und Pierre Franckh, ein prominentes Paar aus München, bekannt durch viele Fernsehsendungen und Spielfilme, sind seit 16 Jahren verheiratet und haben ein ganz besonderes Beziehungsbuch geschrieben. „Was ER denkt und was SIE meint“: In diesem Buch skizzieren sie aus weiblicher und männlicher Sicht den ganz alltäglichen Beziehungswahnsinn von Kochen, Einrichten und Zusammenziehen über Schnarchen, Tanzen und Eifersucht bis hin zu Treue, Sex und Heiraten.

„Wir hatten uns im Vorfeld des Projektes auf die grundlegenden Themen geeinigt, über die wir schreiben wollten“, erklärte Franck vorab die Entstehungsgeschichte des Buches. Aber keiner wusste, was der andere schreibt. „In diesem Buch sind die Seiten strikt getrennt“, so Franckh. „Michaela bekam die linken Seiten, während ich meine Erlebnisse auf den rechten Seiten verewigen durfte.“

Wechselseitig lasen die beiden Autoren die Kapitel und stellten dem Publikum den jeweiligen männlichen und weiblichen Blickwinkel gegenüber. Obwohl das Publikum in der FH-Aula überwiegend aus Pärchen bestand, hatte man anhand der Lacher und Zwischenrufe das Gefühl, die weiblichen Zuschauer dominierten.

Während Franckh der eher ruhige, schüchterne Vorleser war, gestaltete Merten ihren Part mit viel Gestik und Mimik. Ihr vielsagender Blick, das offene Ende eins Satzes oder eine kleine Frage, so spielte sie beim Vorlesen mit ihrem Publikum und reizte die Lachmuskeln.

Die Kapitel folgten teilweise gängigen Klischees und brachten keine grundlegend neuen Erkenntnisse. Was den Abend und das Buch jedoch so besonders machte, war der Charme und die Persönlichkeit der Beiden, die den ganz normalen Ehealltag und Beziehungswahnsinn aufleben ließen und im Publikum für Aha-Erlebnisse sorgten. Viele der Zuschauer erkannten sich selbst in den Dialogen wieder, und teilweise entspann sich ein Wortwechsel zwischen den Autoren und dem Publikum „Sie verstehen mich?“ oder „Das kennen sie auch, nicht wahr?“

Und so erfuhr das Publikum, was ER meint und SIE denkt - beispielsweise beim Thema Kochen. Während SIE die ganze Woche in der Küche steht und die Familie erfolgreich versorgt, entwickelt ER sich beim gemeinsamen Essen mit Freunden zum Drei-Sterne-Koch und SIE wird kurzerhand zur Küchenmamsell degradiert.

Anschaulich schildert SIE ihre Sicht der Schwangerschaft, aus der ER jeden Tag ein bisschen „schwangerer“ hervorgeht, aber beim Einsetzen der Wehen den ägyptischen Mumienschlaf schläft. ER wiederum beleuchtet das Thema mit Endlos-Shopping und Kindersachen in zwei Farben kaufen, da man ja in der sechsten Woche das Geschlecht des Kindes noch nicht kennt.

Besonders anschaulich beschrieben die Beiden das Thema „Beifahrer“. „Ich sehe schmerzverzerrte Gesichter“, so Franckh zu seinem verständigen männlichen Publikum, während SIE dem weiblichen Publikum mitteilte, das ER sogar mit seinem Navigationssystem streitet.

Auch das Thema Urlaub wurde bestens beleuchtet und jeder konnte die Problematik nachvollziehen. „Wenn ER den Urlaub organisiert, finden wir uns im Wohnwagen am Hockenheimring wieder“, sinnierte Merten. ER konterte: „Zu Hause gehen sich die meisten Paare aus dem Weg, wieso bucht man dann einen gemeinsamen Urlaub? Am besten wären zwei getrennte Hotels an zwei verschiedenen Stränden.“

Fazit seinerseits: für die meisten Paare beginnt der eigentliche Urlaub erst danach - zu Hause. Männer feiern dann im Büro eine Party, wenn sie die Ferienwochen gut überstanden haben.

Geschildert wurden Erlebnisse, die viele Frauen und Männer im Publikum so oder ähnlich ebenfalls schon erlebt hatten. Die beiden erklärten dem Publikum auf liebevolle Art, wie man es schafft, 16 Jahre Ehe zu meistern: Man muss nur wissen, was in dem anderen vorgeht und man muss vor allem auch mal über sich selber lachen können.

Das Publikum jedenfalls schien sich einig zu sein: Es unterhielt sich prächtig.

In der Pause nutzten viele die Chance, signierte Exemplare des Buches bei dem Autorenpaar zu erwerben. Die Widmung einer Frau an ihren Mann lautete dabei kurz und knapp „Trotz allem - in Liebe“, was er mit einem kommentarlosen Gegenkauf und süffisantem Grinsen beantwortete.

VERENA SCHOLZE

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