Trotz Schnee: volle Kirchen

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Der Chor „RestaConNoi“ trat gestern beim Gottesdienst in St. Wolfgang auf.

Dieburg ‐   Auch das teils heftige Schneetreiben an Heiligabend und den beiden Weihnachtsfeiertagen hat die Dieburger kaum vom Gang in die Kirche abgehalten: Sowohl Katholiken als auch Protestanten meldeten volle Gotteshäuser. Von Jens Dörr

Unser Familiengottesdienst war rappelvoll“, berichtete etwa Pfarrer Dieter Schmidt von der Evangelischen Kirchengemeinde Dieburg. „Wir haben sogar zusätzliche Stühle gestellt und zudem die Sakristei geöffnet.“ 250 Besucher mögen es gewesen sein. Für die Pfarrei St. Peter und Paul sprach Pfarrer Alexander Vogl von „sehr, sehr vollen Gottesdiensten“. Überhaupt habe es bei den Veranstaltungen in St. Peter und Paul sowie in St. Wolfgang keinerlei Rückgänge bei den Gottesdienstbesuchern gegeben, so Vogl. Dies unterstrich nicht nur der Gottesdienst am Sonntagvormittag in St. Wolfgang, bei dem der Chor „RestaConNoi“ auftrat und einige keinen Sitzplatz mehr fanden.

Auch die Familienchristmetten an Heiligabend und die Weihnachtsvespern, deren Leitung sich Vogl und Kaplan Andreas Omphalius aufteilten, konnten sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. „Da haben neben uns aber ganz viele Gruppierungen und Solisten mitgewirkt, so dass es zu viele sind, um sie einzeln aufzuzählen“, meinte Vogl. Der beliebte Pfarrer, der erst am ersten Weihnachtsfeiertag abends Zeit fand, das Fest auch etwas privater zu feiern, war vor und an Weihnachten überdies auch außerhalb der Gotteshäuser im Einsatz: Vor Weihnachten besuchte er das Dieburger Altenheim, an Heiligabend zusammen mit Bürgermeister Dr. Werner Thomas, dem Pflegepersonal und den Belegärzten die Patienten des Rochus-Krankenhauses, die über die Festtage dort bleiben mussten. Am zweiten Weihnachtsfeiertag stattete Vogl zudem den Inhaftierten der Justizvollzugsanstalt einen Besuch ab.

„Gott kommt in Chaos und Durcheinander“

Bei den Protestanten verzeichnete Dieter Schmidt einzig in der Lichterkirche am Samstag, als es starken Schneefall gab, einen etwas geringeren Besuch als gewöhnlich. Rund 200 Menschen aller Altersschichten seien dennoch gekommen. Schmidt teilte sich die Veranstaltungen an Heiligabend und dem Wochenende nicht nur mit Pfarrerin Dorothee Benner, sondern auch mit Ralf Friedrich: Er ist Prädikant, ein ehrenamtlicher Prediger, der zum Gestalten von Gottesdiensten ausgebildet ist. Wie Schmidt kann sich Friedrich hinsichtlich der Inhalte insbesondere der Predigten Vorschläge aus der Predigtordnung holen, was zwar kein Muss ist, aber einen Rahmen vorgibt. Jeder Sonntag des Jahres hat ein bestimmtes Thema, zumindest an Weihnachten ein allgemein bekanntes.

In der Evangelischen Kirchengemeinde Dieburg - mit 3600 Mitgliedern etwa halb so groß wie die katholische Gemeinde - trugen neben Schmidt, Benner und Friedrich zahlreiche weitere Personen zur festlichen Atmosphäre am Wochenende bei: Friedhelm Schrick spielte die Orgel, der Gospel- und Posaunenchor trat auf und auch die jungen Gemeindemitglieder Adina und Tobias Reichert gestalteten den musikalischen Rahmen mit Querflöte und Klavier mit. Schmidt widmete sich der Weihnachtsgeschichte: „Es ist wichtig, dass der Kern der Weihnachtsbotschaft nicht unter den Tisch fällt.“ Dass er an Weihnachten arbeiten müsse, sei für ihn im Übrigen kein Problem: „Das müssen viele andere auch.“ Seine Familie sei daran gewöhnt, dass er zwischendurch immer mal wieder weg müsse.

Alexander Vogl betonte, er habe beim Predigen diesmal eines herausstellen wollen: „Gott kommt nicht in eine heile Welt, Gott kommt in Chaos und Durcheinander.“ Das sei im heutigen Alltagsstress so, und das sei auch vor 2000 Jahren so gewesen: „Joseph hat sicher nicht geplant, dass Maria schwanger wurde - und dann noch nicht einmal von ihm, sondern vom Heiligen Geist.“

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