„Bebauungsplan Dieburger Dreieck“

Tumult im Parlament – bis die Polizei kommt

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Dr. Ingo Mahn begrüßt einen der vier Polizeibeamten, die ihn wegen Hausfriedensbruchs des Saals verweisen sollen, per Handschlag. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning (zweiter von links) hatte den Störer vergeblich verwarnt. Andere Gegner des Mega-Projekts hatten mit Clownsnasen, Luftschlangen und Plakaten gezeigt, was sie von den Fiege-Plänen halten.

Dieburg - Solche Szenen kennt man aus dem Dieburger Parlament nicht. Selbst auch „alte Hasen“ – sowohl bei den Stadtverordneten als bei den Pressevertretern – schüttelten die Köpfe: „Das habe ich noch nie erlebt, dass die Polizei kommen musste.“ Von Lisa Hager 

So geschehen am späten Donnerstagabend im Stadtverordnetensaal, dessen übliche Publikumsbestuhlung bei Weitem nicht ausreichte. Für die über 100 Zuhörer – hauptsächlich Fiege-Gegner, viele davon aus Münster und Altheim – waren bei offenen Türen noch draußen im Gang Stühle gestellt worden. Erst einmal mussten sich die Zuhörer lange gedulden, denn der brisante Punkt „Bebauungsplan Dieburger Dreieck“ stand fast am Ende der 13 Punkte umfassenden Tagesordnung. Die Spannung, die sich zwischen den Parlamentariern und den Gegnern des umstrittenen Reifen-Großlagers aufbaute, war aber schon vorher atmosphärisch zu spüren.

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Sowohl der städtebauliche Vertrag zwischen Dieburg und der Firma Fiege, der unter anderem Naturschutz- und Verkehrsmaßnahmen regelt, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Bürgermeister Dr. Werner Thomas und Erster Stadtrat Wolfgang Schupp setzten gleich im Anschluss ihre Unterschriften unter das bereits von Fiege signierte Vertragswerk. Die einzigen Gegenstimmen kamen – wie erwartet – von Irmgard Haberer-Six und Stephan Weber aus der achtköpfigen Fraktion der Grünen. Die beiden stimmten folgerichtig auch als einzige gegen den Bebauungsplan insgesamt.

Clownsnasen und Geschrei

Bevor es aber zu der mit Spannung erwarteten Abstimmung über das Mega-Projekt kam, spielten sich bislang in Dieburg noch nicht gekannte Szenen im Sitzungssaal ab. Als Renee Exner als erster für die CDU-Fraktion die Stellungnahme abgeben wollte, begannen einige, wenige der Zuhörer mit massiven Störungen. Lautes höhnisches Lachen an bestimmten Stellen („Ich bedanke mich auch bei der Firma Fiege für ihr Durchhaltevermögen“) ließ Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning noch durchgehen. Er musste aber bald heftiger verwarnen, als Exner gar nicht mehr zu verstehen war.

Vor allem Dr. Ingo Mahn, der sein Anti-Fiege-T-Shirt auspackte und – wie einige andere führende Köpfe der Bürgerinitiative – eine Clownsnase aufsetzte, tat sich lautstark hervor. „Ich gehe nur unter Gewalt!“, schrie er, als ihn Magistratsbediensteter Theo Beilstein in Schönings Auftrag, der ihm Hausverbot erteilt hatte, zum Gehen zu bewegen versuchte. „Wir sind das Volk, wir sind die Bürger!“-Rufe waren zu hören, dann brach allgemeiner Tumult aus. Etliche Stadtverordnete verließen den Saal, die Sitzung wurde unterbrochen. Nach rund 20 Minuten traten vier Polizeibeamte auf den Plan, die Mahn per Handschlag begrüßte. Er ließ sich ohne Widerstand aus dem Saal geleiten. Erst dann konnte Exner fortfahren. Die Abstimmung, die die Fiege-Gegner mit eher versteinerter Miene beobachteten, ging dann ohne weitere Störung über die Bühne.

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„Ich bedauere, dass die Sitzung unterbrochen werden musste“, sagte Schöning am Schluss. „Ich war dazu gezwungen, eigentlich war es aber der Sache nicht angemessen“, versuchte er die Wogen zu glätten. Er sprach die Hoffnung aus, dass sich das politische Engagement der Bürgerinitiative auch weiter erhalte. Schließlich habe schon einmal eine Initiative zur Gründung einer neuen Gruppierung, der UWD, geführt, erinnerte er.

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