Turbülente Integration - das wäre doch gelacht

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Die Kommunikation mit dem Publikum funktioniert. Bülent Ceylan live zu sehen, macht einfach Spaß.

Dieburg ‐ Stehende Ovationen, Begeisterungsstürme nach der gut zweistündigen Show in der mit 1200 Zuschauern restlos ausverkauften Campus-Aula - Bülent Ceylan sorgte am Samstagabend mit seiner Show „Ganz schön turbülent“ für Ausnahmezustände in Dieburg. Von Matthias Grimm

Ceylan baut in seinem Programm auf die alt vertrauten Figuren. Ob der türkische Supermarktbesitzer „Aslan“, die Schicki-Micki-Zicke „Anneliese“ oder der latent rassistische Hausmeister „Mompfred“ - Ceylan lässt über seine Protagonisten krachende Sprüche in Mannheimer Mundart vom Stapel. Bülent Ceylans Mutter ist Deutsche, der Vater ist Türke - sein Programm nimmt die alltäglichen Spannungen und Klischees zwischen den Mentalitäten gekonnt auf die Schippe. In unnachahmlicher Manier jedoch baut er viele humoristische Brücken, über die Deutsche und Türken gleichermaßen herzhaft lachen können.

Viele Sketche kennen die Zuschauer bereits aus den zahlreichen TV-Auftritten des mittlerweile bundesweit auftretenden Comedians. Doch die Zwischentöne machen aus dem einstudierten Programm einen waschechten Live-Auftritt. Ceylan beherrscht meisterhaft das improvisierte Spiel mit seinem Publikum, das den Ball der Kommunikation schnell und immer wieder aufnimmt. Einige Zuschauer lassen sich Überraschungen einfallen: Als Ceylans Macho-Figur „Hassan“ an der fiktiven Fleischtheke keine Fleischwurst der Marke „Hugo Boss“ mit dem Hinweis bekommt, die gebe es nicht, erschallt es aus den Zuschauerreihen: „Ich hab' eine Fleischwurst von Hugo Boss!“ Ceylan nimmt das eigens angefertigte gute Stück „vumm Eckard aus Diebuhrsch“ entgegen und baut diese Anekdote später ein ums andere Mal in die Show ein.

„Ihr seid genauso krank im Koppf wie isch“

„Diebuhrsch“, so Ceylan in kurpfälzischem Dialekt, „ihr seid hier so krank im Kopp wie isch“ - im humoristischen Sinne natürlich. Eine Zuschauerin fragte, ob er denn wieder komme, Dieburg stehe im nächsten Jahr nicht auf dem Tourplan. Ceylan ließ sich zu einer spontanen Zusage hinreißen: Obwohl er nunmehr große Hallen fülle, werde er gern wieder in Dieburg auftreten. Doch eine Gegenleistung erwartet er von „seinen Diebuhrschern“: Sie sollen dabei sein, wenn er am 2. Juni 2012 seine Show in der Frankfurter Commerzbank-Arena vor 40 000 Fans aufzeichnen wird.

Ein Mannheimer Deutschtürke, der durch Mundart Brücken schlägt - ein Stück gelebte und gelachte Integration. Eine Frage könnte sich den „Diebuhrschern“ im Saal gestellt haben: Ob Bülent Ceylan schon ein Exemplar des fastnächtlichen Beleuchtungsmobiliar aus Holz in seiner Wohnung stehen hat?

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