Stadtparlament lässt Möglichkeiten für Zuschüsse an Tageseltern prüfen

U3-Betreuung: Finanzspritze erwünscht

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Dieburgs Kommunalpolitiker möchten Tagesmüttern und - vätern einen finanziellen Zuschuss geben. Nun sollen noch Details des Projekts geklärt werden.

Dieburg - Gerne geben Eltern ihren Nachwuchs in die Hände engagierter Tagesbetreuer. Doch die winken wegen fehlender Anreize immer öfter ab. Von Stefan Scharkopf 

Kindertagespflege bietet Betreuung im familiären Rahmen, ist zeitlich flexibel und somit verlockend für Eltern mit jungem Nachwuchs. Derzeit allerdings scheint die Tätigkeit finanziell derart unattraktiv zu sein, dass immer mehr Tageseltern aufgeben. Dieser Tendenz wollen die Stadtverordneten entgegensteuern. Auf Antrag der CDU wurde in der jüngsten Sitzung des Parlaments der Magistrat aufgefordert zu prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, Tagesmüttern und -vätern einen finanziellen Zuschuss zu gewähren. Dadurch sollen auch mehr Betreuungsmöglichkeiten für U3-Kinder – ausschließlich aus Dieburg, nicht aus Nachbarkommunen – geschaffen werden. CDU-Fraktionschef Renée Exner sagte in seiner Antragsbegründung, dass in Dieburg trotz der überdurchschnittlich hohen Anzahl an U3-Plätzen momentan 46 Kinder nicht versorgt seien, obwohl sie einen Anspruch darauf hätten.

Eine Ausweitung des Angebots sei ohne bauliche Maßnahmen nicht möglich. Eine kurzfristige Lösung böten die Tageseltern. Mit der Beseitigung des Engpasses wäre auch die Schaffung von Arbeitsplätzen verbunden. Die Stadt unterstütze ohnehin jeden U3-Platz finanziell, warum nicht also auch Tageseltern. Zumal der Zuschuss dann ja auch nicht für noch zu schaffende Betreuungseinrichtungen gezahlt werden müsste.

Im Prinzip schlossen sich die Sprecher aller Parteien der Meinung der CDU an. Dennoch gibt es weiteren Klärungsbedarf. Wie SPD-Fraktionschef Ferdinand Böhm sagte, gehe es nicht nur ums Geld. Ein Hemmnis seien auch die hohen bürokratischen Hürden. Irmgard Haberer-Six (Grüne) vertrat die Auffassung, dass sich die Stadt nicht vor ihrer Verantwortung drücken dürfe. Die Stadt müsste eigentlich fünf weitere Kita-Gruppen schaffen. Die kurzfristige Entlastung sei aber zu begrüßen.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Zuständig für die Tagespflege ist die Jugendhilfe des Kreises Darmstadt-Dieburg. Daran erinnerte FDP-Fraktionsvorsitzender Wilhelm Reuscher. Der Kreis habe seine Satzung zuletzt im Dezember 2015 angepasst und die Geldleistungen nach oben geschraubt. Auch heute steht das Thema zur Behandlung im Kreistag an. Zudem geht es um eine Erhöhung der geförderten Wochenstunden von 20 auf 30. „Es macht schlichtweg keinen Sinn, irgendwas final zu beschließen, ohne die Jugendhilfe gehört zu haben“, meinte er.

Schließlich gelte es auch zu klären, wie Investitionszuschüsse beantragt werden könnten, was gefördert werden soll und wie es mit Versicherungs- und Rentenfragen aussieht. Es sei auch die Absicht des Kreises, die Zahl der Tageseltern zu erhöhen. Das sollte koordiniert verlaufen. Auf Ansinnen der FDP werden nun die Fachleute der Jugendhilfe eingeladen, in einer Sitzung des Sozialausschusses dazu Erläuterungen zu geben. Interessant zu erfahren ist es aus Sicht von Reuscher auch, ob die Eltern der 46 derzeit unversorgten Kinder sich bereits um Tageskräfte bemüht haben. Oder was die Gründe dafür waren, dass diese einen bereits angenommenen Posten wieder aufgegeben haben.

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