Überraschungen statt Klischees

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Stephan Falk (re.) im Gespräch mit einem Studenten. Links daneben steht Alexander Kehry - Design-Dozent und Initiator des Media Mondays.

Dieburg (jd) ‐ Millionen Deutsche schauen jeden Sonntagabend den „Tatort“ im Ersten – und Kommissare wie manchmal auch Mörder genießen in der Öffentlichkeit oft große Popularität. Diejenigen, aus deren Feder die Geschichten entsprungen sind, interessieren dagegen kaum: Zu sehen war das am vergangenen Montag in Dieburg, als „Tatort“-Autor Stephan Falk den Campus besuchte.

Zwei Stunden lang sprach der Drehbuchautor fast ausschließlich vor Studenten – obwohl der Vortrag aus der Reihe „Media Monday“ für jeden offen gewesen wäre, zudem bei freiem Eintritt und auch für Berufstätige machbarer Anfangszeit um 17.45 Uhr.

Doch eigentlich bestätigte das nur eine der Aussagen, die Falk während seines spannenden Referats traf: „Schauspieler sind stets die bekanntesten Mitwirkenden eines Films, manchmal sind noch die Regisseure bekannt. Die Drehbuchautoren dagegen kennt niemand.“ Auch Falks Frage in die Runde der Medien-Studenten ergab nichts Gegenteiliges: Auf die Frage, wer ihm denn einen Autoren von TV-Filmen nennen können, blieb es ruhig.

Dellwo und Sänger ermitteln in Falks Sinne

Etwas bekannter schienen den Studenten, die vor allem aus dem Studiengang Digital Media kamen und deren wichtigstes Arbeitsmittel Kamera und Schnittplatz sind, Künstler zu sein, die den Autoren und den Regisseur in einer Person vereinen: Woody Allen oder Quentin Tarantino etwa gehören zu dieser Spezies.

Stephan Falk indes nicht. Zweimal jedoch lieferte er den Stoff für „Tatorte“ und wurde für einen sogar ausgezeichnet wurde: 2005 erhielt der heute 46-Jährige den Adolf-Grimme-Preis für sein Drehbuch zum Frankfurter „Tatort“ mit dem Titel „Herzversagen“, in dem das Ermittler-Duo Dellwo und Sänger (Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki) mehrere Morde an alten Damen aufklärt.

„Alle nehmen Einfluss auf den Stoff“

Im Optimalfall ist das Drehbuch schon der vorgefertigte Film“, erklärte Falk den angehenden Filmemachern. „Stoffentwicklung“ sei unterdessen der Begriff, der bezeichne, dass es selten beim ursprünglichen Drehbuch bleibe: „Schauspieler, Regisseure, Kameraleute – alle nehmen Einfluss auf den ursprünglich erdachten Stoff“, so Falk.

Wobei er die Idee für seine Drehbücher nicht einfach in seinem Stübchen bekomme: „Vielmehr stecken Unmengen an Recherchen in einem Drehbuch.“ Beispiel: In der „Tatort“-Folge „Herzversagen“ thematisiert der Autor auch den Pelzhandel, den man besonders in Seitenstraßen des Bahnhofsviertels der Banken-Metropole noch immer finde. Darauf sei er allerdings erst bei der Vor-Ort-Recherche gestoßen, erläuterte Falk, der erst im vergangenen Jahr seinen zweiten „Tatort“ mit dem Namen „Kassensturz“ veröffentlichte.

Gute Geschichten sind immer gefragt

Für alle Filme gelte: „Am Anfang steht immer der Text – das ist übrigens auch im Internet so oder bei Computerspielen.“ Der Bedarf an guten Geschichten sei nach wie vor ungebrochen – allerdings merke man das nur selten an den Honoraren, monierte Falk. „Doch jeder Bedarf muss auch seinen Preis haben“, sagte der gebürtige Mainzer, denn das Schreiben eines Drehbuchs sei ein intensiver und langwieriger Prozess.

Natürlich beschränkt sich das Schaffen Falks nicht auf die beiden „Tatorte“, was angesichts eines Drehbuch-Honorars „zwischen 15 000 und 30 000 Euro“ (Falk) pro Folge finanziell auch gar nicht möglich wäre. So stammt beispielsweise das Drehbuch zum Film „Der Matrose von Gibraltar“ aus dem Kopf des Grimme-Preisträgers.

„Der Zuschauer ist schlauer als der Autor denkt“

Nichtsdestotrotz war es auch bei den Studenten, von denen sich die meisten allerdings als „Tatort“-Verweigerer outeten, die Krimi-Reihe der ARD, die zu den häufigsten Fragen anregte. Man brauche stets jemanden mit vielen Feinden, der umgebracht werde, um die Zuschauer rätseln zu lassen, erklärte Falk, wie man für Spannung sorgt. Allerdings findet er es besser, wenn das Mordopfer sympathisch und kein Kotzbrocken gewesen war – das zieht die Zuschauer eher in den Bann.

Generell gilt: „Der Zuschauer ist meistens intelligenter, als der Autor denkt“, so Falk. Dass die am prominentesten besetzte Nebenrolle am Ende der Täter sein müsse, wie laut Falk oft festzustellen, hätten viele schon durchschaut. Wichtig sei, von Figuren- und Handlungsklischees abzukommen und zu überraschen. Zudem sei in Falks Augen das „Happy End“ eine Ausgeburt der Trivialität.

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