Überstunden für die „Schneekiller“

+
Die Mannschaft des Winterdienstes transportiert den gesamten Schnee aus der Zuckerstraße ab. Er wird auf dem Gelände der Feuerwehr deponiert.

Dieburg ‐ Das Handy von Norbert Frank klingelt und vibriert. Bauhofleiter Manfred Witzel gibt dem Kollegen, der gerade im großen Räumfahrzeug des Winterdienstes sitzt, eine außerplanmäßige Räumungsstrecke durch. Seit sechs Uhr früh ist Frank unterwegs und befreit auf seiner Tour durch Dieburg die am meisten frequentierten Straßen. Von Dirk Beutel

Bereits zum zweiten Mal dreht er heute seine Runde, wobei eine Tour etwa zwei bis drei Stunden dauert. „Normalerweise haben wir immer eine vorab festgelegte Route, die wir abarbeiten. Manchmal kann es aber doch sein, dass eine Straße dazu kommt“, erklärt Frank. „Das hängt ganz von der Wetterlage ab.“ Die hat natürlich auch direkten Einfluss auf die Dauer eines Räum- und Streueinsatzes beim Winterdienst. Insbesondere das Tiefdruckgebiet „Daisy“ bescherte den „Schneekillern“ einen Haufen Mehrarbeit.

Solche Schneeverhältnisse hatten wir in Dieburg schon seit Jahren nicht mehr“, bescheinigt Bauhofleiter Manfred Witzel. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach handelte es sich um rund 15 Zentimeter Neuschnee, die am Wochenende über der Stadt herunterrieselten - und noch einmal bis drei Zentimeter am Montag. „Das waren schon extreme Bedingungen, zumal der Schnee, aufgrund der Minustemperaturen noch Tage liegen bleibt“ erklärt Meteorologe Jens Hoffmann dem DA.

Langersehnter Streusalznachschub eingetroffen

Mit 240 Pferdestärken bahnt sich das Räumfahrzeug seinen Weg durch verschneite Straßen. 

An diesem Wochenende informierte Bauleiter Witzel seine Männer per Rundruf etwa gegen 5.30 Uhr. „Ich habe mir schon gedacht, dass uns der Chef aus dem warmen Bett rausklingeln wird“, schmunzelt Bernd Scheuermann, der als einer der ersten „Daisys“ unberührte weiße Pracht auf Dieburgs Straßen zur Seite räumte. Derweil manövriert ein Sattelschlepper auf dem Bauhof. Im Gepäck: 25 Tonnen des lang ersehnten Streusalznachschubs. „Seit knapp drei Wochen warten wir schon auf diese Lieferung. Die soll unseren Bedarf für die nächsten zwei bis drei Wochen decken“, hofft Manfred Witzel. „Wenn es aber weiterhin so schneien sollte und die Temperaturen im Keller bleiben, fürchte ich, dass wir mit dieser Lieferung nicht ganz auskommen.“ Bereits zum zweiten Mal musste der Bauhofleiter nachbestellen. Ein drittes Mal könnte zur finanziellen Belastungsprobe werden. Denn: jede Tonne kostet die Stadt rund 132 Euro. Alleine am vergangenen Wochenende verbrauchte der Winterdienst wieder zwischen acht und neun Tonnen Salz.

In der Zwischenzeit befreien Uwe Schroth, Diana Förster und Thorsten Kaufmann die Zuckerstraße vom Schnee. Hier geht alles über Muskelkraft. Meter für Meter kämpft sich das Team mit Schaufeln, Besen und Streusalz langsam aber sicher durch die Fußgängerzone und schiebt eine Lage nach der anderen vor sich her. Auf Höhe der Steinstraße werden die Maßen aufgetürmt und kurz darauf verladen. Bis die Kollegen den Schnee mit einem Bagger auf einen Laster hieven und abtransportieren, schnappt sich Uwe Schroth seinen eigenen „Salzstreuer“ und behandelt die Fußgängerzone mit Streusalz.

„Daisy“ war ein Räumeinsatz wie jeder andere auch

Genau das gleiche unternimmt gerade wieder Norbert Frank am Steuer des großen Räumfahrzeugs und auf dem Weg zur Moretschneise, die bislang noch nicht geräumt wurde. Norbert Frank drückt den Joystick, der an einem elektronischem Steuerungselement befestigt ist, kurz an. Das drei Meter breite Schneeschild lässt sich hydraulisch hinab. Frank aktiviert daraufhin den Zulauf und die Salzstreuung des Fahrzeugs. „Schnecke an“ sagt eine computeranimierte Frauenstimme im Cockpit des 240 PS starken Koloss. „Streuung an“ hört man kurz darauf. Über sein Steuerungselement kann der gelernte Autoschlosser das Streubild, die Breite und die Menge manuell eingeben, die der am Heck befestigte Streuteller abwirft. Während auf den Hauptstraßen zwischen fünf und zehn Gramm pro Quadratmeter verteilt werden, stellt Frank auf der Schneise schon mal auf 20 Gramm um.

Obgleich die Schneemassen, die Kälte und der mancherorts gemeldete Streusalzmangel den Dieburger Winterdienst haben aufhorchen lassen, zeigte sich am Ende, dass das Tief „Daisy“ doch nur ein Einsatz wie jeder andere war. Frank: „Spielt keine Rolle, ob fünf oder 15 Zentimeter Neuschnee - Ausrücken müssen wir immer.“

Kommentare