Universitäts-Zertifikat im Gepäck

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Auch Kalligraphieunterricht gehörte zum Programm der Landrat-Gruber-Schüler.

Dieburg - Wo andere Schulen das europäische Umland bevorzugen, hat die Oberstufe der Dieburger Landrat-Gruber-Schule (LGS) einen anderen Kontinent als Ausflugsziel für ihre Schüler im Programm. Von Sebastian Kniza

Die Sprache und die Kultur des Gastgeberlandes China hatten es den interessierten Schülern angetan.

Dank der Initiative von Schulleiter Thomas Reinholz, der schon vorab Erfahrungen im interkulturellen Austausch hatte und auch schon selbst in Shanghai war, konnte das Projekt verwirklicht werden.

21 Oberstufenschüler mit ihren Lehrerinnen Frau Nick und Frau Wolf nahmen am zweiwöchigen Sommerkursprogramm der Tongji-Universität in Shanghai teil. Nun zogen sie in der LGS eine Bilanz zu ihren Erfahrungen.

Das Gästehaus der Universität war das Quartier der Dieburger: Es war luxuriös wie ein drei Sterne Hotel.

In Zusammenarbeit mit dem Deutsch Akademischen Zentrum der Tongji-Universität und dem Freundeskreis der TU Darmstadt, der Kontakte nach China hat, wurde das Programm für die Schüler angeboten.

Herzlicher Empfang für die Gäste

Die Betreuer in Shanghai, Prof. Zheng und seine Mitarbeiterin Dr. Zhu, empfingen die Gäste aus Dieburg sehr herzlich. Vor Ort erwarteten die Dieburger ein abwechslungsreiches Programm.

Morgens stand das Lernen der chinesischen Sprache auf dem Stundenplan. Für Anfänger natürlich, aber intensiv mit einem chinesischen Lehrer, der auch an der Universität unterrichtet. Anschließend gab es chinesische Kultur hautnah: Kalligraphie, Scherenschnitt und eine Teezeremonie. Speziell die Teezeremonie enthält religiöse Züge im Sinne des Buddhismus.

Auch Stadtrundfahrten und der Besuch eines Aquariums gehörten zum Programm, das von studentischen Tutoren begleitet wurde. So konnten die Schüler das Gelernte in die Praxis umsetzen. Das Aquarium hat die Schüler sehr fasziniert, da sie hier Tiere sehen konnten, die sie zuvor nicht kannten.

Menschen in China beherrschen völlig andere Kulturtechniken als die Europäer. In dem interkulturellen Vortrag von Prof. Zheng erfuhren die Schüler, dass die Chinesen den direkten Blickkontakt meiden. Sie empfinden diesen als bedrohlich. Andererseits sind sie distanzloser, das heißt sie gehen enger auf andere zu.

Karamellkartoffeln aus Shanghai der Renner

Das für Chinesen exotische Aussehen der Dieburger Gäste sorgte teils für interessiertes Beobachten. So spürten die Schüler intensiv, wie man als Gast in einem fremden Land wahrgenommen wird. Die Exotik im kulinarischen Sinn kam auch bei den Schülern gut an. Allen Teilnehmern schmeckten die chinesischen Speisen. Besonders die Karamellkartoffeln aus Shanghai waren der Renner bei den Schülern. „Es schmeckt wie die bei uns bekannten Bratkartoffeln, nur etwas süßer“, lobten die Schüler ihr neues Leibgericht. Reis zum Frühstück sei etwas ganz anderes als immer nur Marmelade stellte ein Schüler fest. Allerdings sollte man beim Essen besser erst einmal nachfragen, bevor man etwas probiert, so die generelle Devise der Schüler.

Der Chinesischunterricht war sogar dreisprachig, denn der Lehrer vor Ort übersetzte nur ins Englische, die deutsche Übersetzung war Sache der Schüler. Sprachlich in mehreren Bahnen denken, lautete die Aufgabe. Das Sprechen der chinesischen Sprache war einfach, nur die Schrift mit ihren Buchstaben war schwierig.

Shanghai ist sehr westlich angehaucht, stellten die Schüler fest. Es gibt die gleichen Schnellrestaurantketten und Kaufhäuser wie in Europa. Lediglich das Angebot ist an die chinesischen Kunden angepasst worden. Es gibt etwa Menüs vor Ort, die es bei uns nicht gibt, bemerken die Schüler. Wenn man das Ursprüngliche suche, müsse man sich in die Seitenstraßen begeben.

Gegen Shanghai ist Frankfurt nichts

Generell sei es billiger als bei uns hier in Deutschland. „Shanghai – da ist Frankfurt am Main nichts dagegen. Eine Megastadt eben“, betont ein Schüler anerkennend.

Die U-Bahn sei größer, moderner und vor allem sauberer als hierzulande. Vor allem erreiche man viel schneller sein Ziel aufgrund der sehr guten Verbindung. Die Menschenmengen ähnelten denen deutscher Großstädte. Lediglich der Verkehr sei größer.

Das Fazit der Dieburger Schüler: „Die Chinesen sind sehr offen, haben viel erzählt und sind sehr interessiert an Neuem. Das hat uns sehr gefallen.“ Als Dank und Anerkennung für ihren Fleiß bekamen die Schüler von ihren chinesischen Lehrern ein Zertifikat der Universität Tongji feierlich überreicht. Manche Schüler wollen vielleicht später als Austauschstudenten nach Shanghai kommen. Andere wünschten sich lieber Chinesisch anstatt Französisch im Unterricht.

Bekanntes wirkt zunächst befremdlich

Wieder zu Hause in Dieburg kamen sich viele zunächst ungewohnt vor in der eigentlich vertrauten Welt – das Bekannte wirkte zunächst befremdlich im direkten Vergleich. Man musste sich die ersten Tage nach der Reise im wahrsten Sinne des Wortes wieder eingewöhnen.

Viele Informationen, viel Kultur und ein hohes Maß an Eigeninitiative – so das Fazit von Frau Nick und Frau Wolf, die sehr zufrieden waren mit ihren Schülern.

Am liebsten wären die Schüler länger geblieben, denn es hat ihnen sehr gut gefallen. Weitere Stationen wie die Chinesische Mauer oder die Stadt Peking sind die Wünsche der Schüler. China ist immer eine Reise wert. Mal sehen, wann es von Dieburg aus wieder Richtung Shanghai geht.

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