Ein „unmoralisches Angebot“ für eine kleine Zirkus-Truppe

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Große Gesten, ideenreiche Kostüme, fantasievolle Lichtführung: Das ADS-Theater feierte am Freitagabend mit „Das Gauklermärchen“ von Michael Ende eine rundum gelungene Premiere.

Dieburg - Das muss man wahrlich ein „unmoralisches Angebot“ nennen: Tausche üppig entlohnten Werbe-Vertrag gegen die Integration eines geistig behinderten Mädchens in die Gesellschaft. Vor genau dieser Situation steht Jojo mit seinem kleinen Zirkus in „Das Gauklermärchen“. Von Jens Dörr

Am Freitagabend brachte die Theater AG der Alfred-Delp-Schule (ADS) das Stück von Schriftsteller Michael Ende auf die Bühne. Eine Premiere, die rundum begeisterte - von der schauspielerischen Leistung über das Bühnenbild und die fantasievolle Licht- und Tontechnik bis hin zum letzten Kostüm-Detail. Die Schüler sowie die verantwortlichen Lehrer Hans-Dieter Hefele, Christian Lampe (Schauspiel) und Rolf Peters (Bühnenbild) und Elke Meyer (Tanz) dürften sich nach der Vorstellung verdientermaßen auf die Schultern geklopft haben.

ADS-Theater

Weitere Vorstellungen des ADS-Theaters "Das Gauklermärchen" gibt es am 11. März (Mittwoch), am 13. März (Freitag) und am 14. März (Samstag). Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es zum Preis von fünf Euro in der "Bücherinsel" zu kaufen.

Erfolglos krebst der kleine Zirkus, in dem Clown Jojo (gespielt von Gianni van Balen) seine Späße treibt, herum und steht vor dem finanziellen Aus. Da, wo sich noch die wenigen Überbleibsel des Zirkus' befinden, soll eine Chemiefabrik gebaut werden. Dies scheint zunächst weniger den endgültigen Untergang von Clown Jojo, Puppenspieler Bux (Philipp Schledt), Jongleur Pippo (Jonathan Gaubatz) oder Seiltänzerin Lola (Sarah-Carina Petri) zu bedeuten als die Rettung - denn der Chemie-Konzern bietet eine Entschädigung an: Die Gaukler können - endlich wieder ordentlich bezahlt - als Werbezirkus durchs Land ziehen und dabei die Chemie-Produkte des Konzerns vermarkten. Was auf den ersten Blick wie die optimale Lösung aussieht, hat allerdings einen erheblichen moralischen Haken: Das geistig behinderte Mädchen Eli (die schwierige Darstellung wurde in Doppelbesetzung von Isabella Liebst und Lisa Deboy gut gelöst) soll im Gegenzug in einem Heim verschwinden. Elis Erkrankung ist nämlich auf einen Chemieunfall zurückzuführen - keine gute Werbung für die Branche. Zunächst scheint der schnöde Mammon die Oberhand bei den Künstlern und Artisten - die Schüler hatten eigens einige Kunststücke einstudiert - zu gewinnen. Um das Angebot annehmen zu können, wollen die Gaukler Eli im Stich lassen. Doch nachdem Clown Jojo den Gauklern und Eli mit einem Märchen die Augen über Gut und Böse und vor allem die Liebe geöffnet hat, entscheidet sich die Zirkus-Crew dann doch für den Menschen und gegen das Geld.

Ein Augenschmaus ist das Stück dabei auch, weil die Führung des Lichts ihre Wirkung nicht verfehlt - und weil Tanzeinlagen (Tänzerinnen: Mariella D'Arelli, Lucille Grimm und Angela Reißner) die Darbietung abrunden. Eine „Unendliche Geschichte“, ist das Stück derweil nicht: Nach rund zwei Stunden ist Schluss und das Publikum im vollbesetzten Mehrzwecksaal der ADS honoriert die Leistung mit anhaltendem Applaus.

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