„Unser Kinder können noch Treppe laufen“

Prunkstück: In der Turnhalle im Keller der Kita St. Martin können die Kinder hemmungslos toben. Fotos (2): Dörr

Ortsbesichtigung in der Kita St. Martin: Eigenleistung wird nun teils zum Verhängnis / Meist fehlt Platz.

Dieburg - Die Kita St. Martin in der Dieburger Pater-Delp-Straße hat etwas, wonach sich viele Kindergärten und Tagesstätten die Finger lecken: einen männlichen Erzieher - Holger Bubach. Wie der DA berichtete, hat St. Martin eins aber nicht: einen Bauten- und Nutzungsstand, der den Vorgaben der Behörden genügt.

Es muss also etwas passieren, wenn die 75 Plätze langfristig gesichert werden oder gar noch um U3-Plätze erweitert werden sollen. Weil die Bausubstanz noch gut sei, wird derzeit überlegt, die Kita „nur“ zu sanieren und zu erweitern. Eine weitere Variante der derzeit diskutierten Möglichkeiten sieht aber auch einen kompletten Neubau vor. Bislang ist noch keine Entscheidung gefallen, die drei Modelle sollen noch einmal in einer Sitzung des Haupt- und Finanzausschusse miteinander verglichen werden. Die Baukosten soll die Stadt tragen, Träger weiterhin die katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul bleiben. Investiert werden soll eine Summe um die zwei Millionen oder mehr - je nach diskutierter Variante (der DA berichtete).

Eine Ortsbesichtigung verdeutlicht, was das erste Handeln mit Sofortmaßnahmen in Höhe von rund 28  000 Euro erforderlich gemacht hat, damit der Betrieb vorerst weiter laufen kann.

„Unsere Kinder können noch Treppe laufen“, macht Leiterin Christiane Bubach bei einem Rundgang durch die derzeit von 65 Kindern besuchte Kita allerdings deutlich, dass mancher Einwand der Bauaufsicht formal wohl richtig, aber nicht immer nachvollziehbar sein. Seit 50 Jahren sei hier nie etwas passiert, sagt die Leiterin von St. Martin, während sie auf die Treppe vom Erdgeschoss zum Keller weist. Die entspreche aber nicht bestimmten baulichen Vorgaben. Die kleinen Stufen seien für die Kinder aber optimal, die Erwachsenen haben mit ihnen nur geringe Schwierigkeiten.

Ebenfalls sehr lange funktioniert auch etwas, das die Bauaufsicht ebenfalls beanstandet: die Behelfselektrik in den Gruppenräumen. In der Tat lässt sich der Weg der verkleideten Kabel zu den Lichtschaltern nachverfolgen, weil sie nicht im Bauwerk versteckt sind. „Die Behelfselektrik haben wir seit 25 Jahren, so lange, wie ich nun da bin“, sagt Bubach. Passiert sei bislang nichts. Für die Elektrik gesorgt hätten Eltern in Eigenleistung - so wie recht viel in der Kit St. Martin in Sonderschichten und Ehrenamt verbessert worden sei. Das wird nun teils zum Verhängnis, weil nicht immer den Auflagen entsprechend. Man sei gewiss nur mit finanziellen Bitten an die - immer sehr gut unterstützende - Pfarrgemeinde herangetreten, wenn es nicht anders gegangen sei, so Bubach. Mit Geld sei man bislang sparsam umgegangen - auch weil oft nur wenig davon da war.

Jede Ecke wird genutzt

Das zeigt sich im Erdgeschoss auch außerhalb der zu kleinen Gruppenräume: Der Waschraum wird der Menge der Kinder nicht gerecht, eine gute Wickelvorrichtung fehlt. Einen Schlafraum gibt es nicht mehr, der bisherige war im Untergeschoss untergebracht. Gegessen wird ohnehin in den Gruppenräumen und nicht in einem Speiseraum. Feuermelder wurden jüngst installiert, die Türen feuerfest gemacht. Noch undicht sind die Fenster. „Es gibt keine Isolierung und Dämmung“, so Bubach.

Das Dach und das Untergeschoss hat man bereits an zwei Wochenendtagen ausgeräumt - die Brandlasten sind nun weg. Anderweitig verstaut wurde nicht alles: Manches entsorgten Bubach und ihr Team aus acht weiteren Mitarbeitern, die zusammen 246 Personalstunden wöchentlich ableisten, davon 30 Integrationsstunden. In die Kit St. Martin geht auch ein körperlich sowie ein geistig behindertes Kind.

Ein Prunkstück war bislang die kleine Turnhalle im Keller (einst als Kapelle benutzt). Ausweichmöglichkeiten - etwa für Elterngespräche - lässt der Bau dann aber kaum mehr zu. In der Kita St. Martin wird jede Ecke für Kinder und Lagerung genutzt. Ein Raum im Keller ist alles, was als Rückzugsmöglichkeit dient. „Das Laminat dort wurde ebenfalls in Eigenarbeit verlegt - die vorherige Leiterin Christel Kipp hat mit den Eltern da viel geleistet“, weiß Bubach die Mühen von früher zu schätzen.

Beschwerden und Jammern sind ihre Sache sowieso nicht. Die Situation, beispielsweise auch in den zu kleinen Garderoben, ist also wirklich ungenügend, wenn Christiane Bubach um Verbesserung bittet. Und das Mini-Büro im Keller, in dem sie ihre Berichte tippt, würde heute wohl kaum noch ein Arbeitnehmer akzeptieren.

Quelle: op-online.de

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