Teil 12 der DA-Serie über das Dieburger Forstamt

Unter des Försters Füßen rumort es im Boden: Pilze

Offenbach-Post

Dieburg - Viele Bürger nutzen ihn als Freizeitgebiet zum Wandern, Joggen, Radfahren oder einfach zum Abschalten - den Wald. Die Erholung wird für alle Nutzergruppen vom Forstamt Dieburg gefördert. Der Wald soll aber auch Rückzugsgebiet für Wildtiere bleiben. Wie sind alle diese Anforderungen zu vereinbaren? Diesen und anderen Fragen widmet sich die Forstamt-Serie des DIEBURGER ANZEIGERs. Heute geht es um die Pilzsaison und die wichtige Funktion, welche die Pilze im Wald erfüllen. Von Verena Scholze

„Momentan steppt der Bär im Wald“, lächelt Revierleiter Tino Manthey aus Babenhausen. „Es ist wieder soweit, die Pilzsaison erreicht ihren Höhepunkt“.

Zahlreiche Sammler sind in den Wäldern des Forstamtes Dieburg unterwegs und suchen die genießbaren Exemplare. Braunkappen, Steinpilze oder Krause Glucken, der passionierte Sammler weiß, wo die besten Sammelstellen zu finden sind. Doch durch die anhaltende Trockenheit der letzten Zeit sieht es mit dem Pilzbestand nicht gut aus dieses Jahr. Es war zu trocken oder an den falschen Tagen zu feucht, das mag der Pilz gar nicht. „Das Klima war für die Pilze alles andere als optimal“, sagt Manthey. Dennoch lassen sich die Pilzkenner nicht abhalten von der Suche nach den kulinarischen Köstlichkeiten aus heimischen Wäldern.

Pilze bilden in der Natur eine eigene systematische Gruppe und werden weder Pflanzen noch Tieren zugeordnet. Die meisten Pilze leben als weitverzweigtes Geflecht, auch Mycel genannt, im Boden. Was der Volksmund als Pilz bezeichnet, sind lediglich Fruchtkörper, die sich aus diesem unterirdischen Geflecht erheben.

Ihre Nahrung gewinnen Pilze aus lebenden oder toten pflanzlichen oder tierischen Organismen, die sie zersetzen und als Nährstoffe wieder dem Naturkreislauf zuführen. Sie bilden Lebensgemeinschaften mit Pflanzen und erfüllen dadurch in der Natur die vielfältigsten Aufgaben. „Unter Försters Füßen tobt das Leben“, sagt Forstamtsleiter Helmut Seitel bezeichnender Weise. Denn ohne das Zutun der Pilze könnte das abgestorbene Material kaum zersetzt werden. Die Folge wäre eine gravierende Schädigung in der Tier- und Pflanzenwelt.

„Unbekannte oder giftige Pilze sollen nicht herausgerissen und liegen gelassen werden“, erklärt Manthey eindringlich, „da auch sie ein wichtiger Teil des Ökosystems sind“. Um das Pilzgeflecht nicht zu beschädigen, soll der Sammler daher den Pilz immer abschneiden und nicht rausreißen.

Man bekommt schnell ein Auge dafür, wo die begehrten Fruchtkörper am ehesten sprießen. In feuchten, bemoosten Mulden und Hängen oder an Baumstümpfen ist die Erfolgschance größer als auf ausgetrocknetem Waldboden.

Wenn der Pilzkenner ein Exemplar gefunden hat, sucht er in der Nähe nach weiteren. Denn das Myzel eines Pilzes bildet oft mehrere Fruchtkörper. Auch lohnt es sich, nach wenigen Tagen oder Wochen an derselben Stelle nachzuschauen, ob sich neue Fruchtkörper gebildet haben.

„Bei den Arten der Speisepilze zählt der heimische Steinpilz zu den Königen unter den Pilzen“, berichtet Manthey. Bis zu 25 Zentimeter groß werdend wächst er einzeln oder in Gruppen und kann bis in den Oktober hinein gesammelt werden. Er hat einen milden und leicht nussigen Geschmack.

Der Pfifferling hat seinen Namen durch seinen leicht pfeffrigen, scharfen Geschmack erhalten. Dieser kleine, kräftige Pilz wächst von Juni bis November und ist bei Pilzessern besonders beliebt. Der am häufigsten vorkommende Pilz im Forstamt ist die Braunkappe oder auch Marone genannt. Der braune Hut, der der Braunkappe den Namen gab, wird nach Regen schmierig-feucht.

„Die Krause Glucke - auch Fette Henne genannt - ähnelt einem Badeschwamm“, lächelt Manthey. Sie wächst von Juli bis November und hat einen sehr aromatischen und nussigen Geschmack. „Er ist der einzige Speisepilz, der zu wirtschaftlichen Schäden führen kann“, erklärt Manthey. „Der Pilz befällt Wurzeln sowie die unteren Stammteile des Baumes und verursacht im inneren starke Fäule“.

„Bei einigen essbaren Pilzen besteht Verwechslungsgefahr mit ungenießbaren oder auch giftigen Pilzen“, warnt Manthey. So ähnelt der Champignon dem giftigen Knollenblätterpilz oder der Steinpilz dem ungenießbaren Gallenröhrling. „Man sollte daher immer nur Pilze sammeln, die man selber gut kennt“, sagt Manthey. „Auch Warnfarben sind in der Natur eindeutige Zeichen. Wenn es rot leuchtet wie eine Ampel - stehen lassen“.

Neben den Kenntnissen über genießbare Pilzsorten sollten die Sammler sich auch an gewisse rechtliche Grundlagen halten. Die wenigsten wissen, dass die beliebten Speisepilze wie die genannten Sorten Steinpilz, Birkenpilz, Rotkappe oder Pfifferling zu den geschützten Pilzarten zählen.

Diese Pilze dürfen daher nur in geringen Mengen für den Eigenverbrauch gesammelt werden. Der gewerbliche Handel mit geschützten, einheimischen Pilzen ist in Deutschland verboten. Daher kommen Pfifferlinge, Steinpilze und Co. für den Verkauf aus dem Ausland.

Auch weist das Forstamt darauf hin, dass gewisse Waldflächen und Bestände von der Pilzsuche ausgeschlossen sind. „Momentan beginnen wir mit den Holz-erntemaßnahmen“, berichtet Manthey. „Daher dürfen abgesperrte Bereiche, in denen der Holzeinschlag beginnt, aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden“.

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