Rochus: Planer nun genauer informiert

Unterlagen sorgen für Verwirrung

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Ist wirklich „kein Kulturdenkmal“ auf dem Rochus-Gelände zu finden? Doch! Laut Architekt und Stadtplaner Christian Eichler, dessen Aussage im Stadtparlament zunächst für Verwirrung gesorgt hatte, sollen die Rochus-Kapelle sowie der Hexenturm-Rest als „Bodendenkmal“ bei den künftigen Beratungen zur Neugestaltung des Areals berücksichtigt werden.

Dieburg - Vor Ort regte sich niemand – nach der Veröffentlichung in unserer Zeitung sorgte das Thema aber schnell für Betriebsamkeit: Nach der überraschenden wie unzutreffenden Aussage von Architekt und Stadtplaner Christian Eichler, auf dem Rochus-Gelände in der Dieburger Innenstadt sei „kein Kulturdenkmal“ zu finden, das Einfluss auf die Planungen nehme, hat sich die Sache inzwischen aufgeklärt. Von Jens Dörr

Der Grund für die falsche Aussage: Eichler (Architekturbüro Eichler + Schauss, Darmstadt) hatten zunächst offenbar unvollständige Unterlagen vorgelegen. Er hatte die Aussage im Mai in einer Sitzung der Stadtverordneten gemacht, als er den aktuellen Stand der Vorplanungen für das teilweise nicht mehr genutzte Krankenhaus-Areal präsentierte. Sie hatte aus den Reihen der Fraktionen, die sich an diesem Abend allerdings schon lange und intensiv mit der (nach einem Widerspruch des Bürgermeisters derzeit auf Eis gelegten) Entscheidung zum Feuerwehr-Stützpunkt befasst hatten, zu vorangeschrittener Stunde weder zu sicht- oder hörbaren Reaktionen noch zu Nachfragen geführt.

Als unsere Zeitung darüber berichtete und in diesem Zusammenhang an die in Dieburg von vielen als erhaltenswert erachtete Rochus-Kapelle erinnerte (für ihren weiteren Bestand hatte der Heimatverein im vergangenen Jahr 800 Unterschriften gesammelt und dem Magistrat übergeben), kam neue Fahrt in die Angelegenheit. Der Heimatverein in einer offiziellen Pressemitteilung, aber auch unabhängig davon dessen Ehrenvorsitzende Anne Sattig in einem Leserbrief stellten heraus, dass es sich bei der Kapelle, aber auch bei den Überbleibseln des Hexenturms (einst der Nordost-Eckturm der Dieburger Stadtmauer) sehr wohl um schützenswerte Denkmäler auf dem Rochus-Gelände handele.

Dies sei Sattig zufolge auch in der Denkmal-Topografie für den Kreis Darmstadt-Dieburg verzeichnet. Dort werden die vom hessischen Landesamt für Denkmalpflege erfassten Kulturdenkmäler (Einzeldenkmäler wie Gesamtanlagen) aufgeführt. Eichler verweist auf seine Unterlagen, die für das Rochus-Gelände keine Kulturdenkmäler gezeigt hätten. Die Denkmaltopografie zum LADADI ist nach Angaben des Kreises 1988 als eine der ersten Topografien in Hessen erschienen, nachdem die Denkmale des Landkreises in einem Eilverfahren erfasst und gelistet worden waren. Im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte tauchten immer wieder Einzelgebäude, Gebäudegruppen und Grünanlagen auf, die als denkmalwürdig erkannt wurden, jedoch nicht in der Denkmaltopografie erfasst waren. So kam es zu zahlreichen Nachträgen, die bei der Unteren Denkmalschutzbehörde nur in Listen vorliegen.

„Wir wissen zwischenzeitlich aber, dass die Rochus-Kapelle und der Stumpf des Hexenturms zu berücksichtigen sind“, betont Eichler. Man stehe diesbezüglich auch im Kontakt mit der Unteren Denkmalschutz-Behörde des LADADI. Eichler verspricht: „Der Denkmalschutz wird Thema der weiteren Beratungen sein.“

In der Sitzung des Infrastruktur- und Umweltausschusses an diesem Donnerstag, 8. Juni (öffentliche Sitzung ab 19.30 Uhr im Stadtverordneten-Saal des Rathauses), stehen Bericht und Diskussion über die städtebauliche Machbarkeitsstudie von Eichler + Schauss als einziger Punkt auf der Tagesordnung. Dann soll auch Anne Sattig zu Wort kommen dürfen. Sie gibt schon jetzt zu bedenken: „Eventuell ergeben sich beim Abriss und der Ausschachtung des Geländes neue Funde von Bodendenkmälern.“

Ein solches Bodendenkmal ist auch der im Keller des Krankenhaus-Komplexes liegende Rest des Hexenturms. Anne Sattigs Appell: „Damit die Fragmente erhalten bleiben, ist die Mitarbeit und Aufsicht der Denkmalschutz-Behörde wünschenswert.“ Sie verstehe natürlich, dass das Quartier umgebaut werden solle. Doch auch das Bewahren von Stadtgeschichte habe seinen Wert, stellt die Ehrenvorsitzende des Heimatvereins heraus: „Die Hexenverfolgung hat hier historische Bedeutung. Die Erinnerung daran darf nicht verloren gehen.“

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