„Unternehmer schätzen vor allem weiche Faktoren“

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Sylvia Tautz ist bei der Stadt Dieburg für die Wirtschaftsförderung zuständig.

Dieburg ‐ Der „2. Dieburger Unternehmer-Treff“, bei dem im Fechenbach-Schloss sogar die Stühle knapp wurden, zeigte es aufs Neue: In Dieburg gibt es eine große, engagierte Unternehmerschaft, die nicht „nur“ den bestmöglichen Geschäftsbetrieb führen möchte, sondern sich auch für den Standort interessiert und häufig auch einsetzt.

Ansprechpartnerin für Unternehmen bei der Stadtverwaltung ist Sylvia Tautz, die bei der neuen „Unternehmer-Treff“-Reihe auch als Gastgeberin fungiert. Unser Mitarbeiter Jens Dörr sprach mit Sylvia Tautz über die Wirtschaftsförderung der Stadt und das Umfeld, in dem in Dieburg Geschäfte gemacht werden.

Frau Tautz, kurz vor Weihnachten flatterte die gute Nachricht vom eventuellen Bau eines riesigen Logistikzentrums am „Dieburger Dreieck“ ins Haus. Noch ist nichts fix, wenn auch die Zeichen positiv stehen. Welche Auswirkungen hätte der Bau für Dieburg?

Der Bau wäre natürlich eine super Sache. Der Logistik-Konzern, der das Zentrum bauen möchte, schätzt die gute Verkehrsanbindung und würde einige Arbeitsplätze an den Rand der Stadt bringen. Die Arbeitskräfte kämen auch vom bisherigen Standort Otzberg an den neuen Arbeitsplatz, perspektivisch könnten darüber hinaus aber neue Arbeitsplätze entstehen.

Zudem könnte es für das Unternehmen irgendwann ein Thema werden, seinen Sitz von Frankfurt, einem teuren Gewerbesteuer-Standort, nach Dieburg zu verlagern. Das brächte der Stadt dann unmittelbar höhere Einnahmen.

Welche positiven Standortfaktoren – neben der bekannt guten Verkehrsanbindung – nennen Ihnen denn Dieburger Unternehmer immer wieder?

Neben der Verkehrssituation sind es vor allem weiche Faktoren, die die Unternehmer schätzen – da sind das breite kulturelle und sportliche Angebot zu nennen, das für Mitarbeiter wie für sie selbst attraktiv ist.

Zudem haben wir alle Bildungsmöglichkeiten inklusive Hochschul-Campus vor Ort – und auch der „Unternehmer-Treff“ wird nach seiner Premiere als gute Vernetzungsmöglichkeit gerade zwischen Betrieben aus der Innenstadt und aus dem Industriegebiet-Nord geschätzt.

Auch die Kinderbetreuung in Dieburg ist überdurchschnittlich, wie bei vergleichbaren Prüfungen schon bestätigt wurde. Das alles schafft Wohnqualität, die Unternehmern und Mitarbeitern, die oft in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen wollen, sehr wichtig ist.

Wie konkret hilft die Stadt denjenigen, die ihre Kassen mit Gewerbesteuer-Einnahmen füllen sollen?

Als finanzielle Anreize können wir einen moderaten Gewerbesteuer-Hebesatz bieten. Neugründungen können wir allerdings nicht direkt mit Geld fördern.

Allerdings vermitteln wir zum Beispiel Interessierte an das Technologie- und Innovationszentrum (TIZ) am Landratsamt, wo sie sehr gute Geschäftsräume zum kleinen Preis mieten können (Anm. d. Red.: sofern es im TIZ Leerstände gibt, was aktuell nicht der Fall ist).

Darüber hinaus präsentieren wir den Standort auf der Messe „Expo Real“. Für 2010 planen wir überdies eine Leerstandsbörse, die im Internet darüber informiert, wo es in Dieburg freie Ladengeschäfte und auch private Gewerbeflächen gibt.

Wie viel Quadratmeter sind denn noch zu haben?

Wir haben in Dieburg etwa 60 000 Quadratmeter städtische Gewerbegrundstücke zum Verkauf. Seit Oktober vergangenen Jahres lädt die Dieburger Wirtschaftsförderung regelmäßig Unternehmer zu einem Informations- und Kennenlernabend ein. Der 3. UnternehmerTreff Dieburg findet am Mittwoch, 31. März, in den Tagungsräumen von Schloss Fechenbach statt. Bürgermeister Dr. Werner Thomas wird ab 19.30 Uhr durch die Ausstellung von Museum Schloss Fechenbach führen. Wer nicht ganz so viel Zeit mitbringen kann, der kann ab 20.30 Uhr direkt in den Tagungsräumen des Schlosses zur Gruppe stoßen. Für die weitere Planung bittet Sylvia Tautz von der Wirtschaftsförderung um eine Anmeldung bis zum 24. März unter 06071/2002117, E-Mail: wirtschaftsfoerderung@Dieburg.de.Bei den privaten Eigentümern fehlen uns oft die Informationen. Wenn ein Objekt beispielsweise nach einer Geschäftsschließung frei wird, wird uns das meist nicht gemeldet. Für den besseren Überblick soll bald die Börse sorgen.

Wie beurteilen Sie die Gewerbe-Struktur in Dieburg sowie den Branchen-Mix?

Durch unseren gesunden Branchen-Mix stehen wir auch in der Wirtschaftskrise bei der Gewerbesteuer noch recht gut da. Handwerk, Logistik, Handel – fast alles ist vorhanden. Bald kommt auch wieder ein Lebensmittelmarkt in die Innenstadt. Allerdings würde sich noch ein Elektronikmarkt gut machen in Dieburg. Das wissen wir aus den Rückmeldungen im Stadtleitbildprozess.

Bei der Größenstruktur des Gewerbes sind wir ebenfalls breit gefächert aufgestellt. Natürlich werden oft die „Großen“ als Zugpferde genannt und wir sind auch sehr froh,  dass diese Unternehmen da sind. Die anderen Firmen sind aber ebenso bedeutend.

Sie alle – insgesamt 1 520 in Dieburg gemeldete Gewerbebetriebe - sorgen dafür, dass es hier mehr Ein- als Auspendler und relativ viele Arbeitsplätze gibt.

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