Vernunftehe in Herzensdingen

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Moderne Herzkatheterlabors wie dieses stehen jetzt in der Kreisklinik und am St. Rochus Krankenhaus bereit.

Dieburg/Groß-Umstadt ‐   Eine Kooperation mit Groß-Umstadt? Das schien seit dem Scheitern der Gespräche über eine Fusion der Kreisklinik und dem St. Rochus Krankenhaus in Dieburg nicht mehr denkbar. Von Elisabeth Hager

Vor allem nachdem beide Klinikstandorte fast parallel ein Herzkatheterlabor (wir berichteten) eingerichtet hatten, war ein Konkurrenzkampf um den Notfallpatienten entstanden. Der Leiter des im März eingeweihten Katheterlabors in Dieburg allerdings nahm seinen Hut, bevor die Abteilung richtig angelaufen war. Das war ein Rückschlag für die ambitionierten Pläne des Stiftungsvorstands mit seinem Bevollmächtigten Markus Bazan, aus dem kirchlich geführten Krankenhaus einen modernen Gesundheitsdienstleister zu machen. Schließlich will man sich auf dem heiß umkämpften Markt auch in Zukunft behaupten können.

Seitdem liefen viele Gespräche im Hintergrund, sechs Wochen wurde verhandelt schließlich mit Erfolg: „Mit dem Vertrag, den wir heute schließen, schließen wir auch viele Wunden der Vergangenheit“, sagte Landrat Klaus Peter Schellhaas gestern Abend. „Die kardiologische Versorgung im Dieburger Land ist umfassend sichergestellt“, konnte er bei der Vorstellung des neuen Katheterlabors in Groß-Umstadt verkünden. Mit der krankenhausübergreifenden Kooperation breche eine „neue Zeitrechnung“ an, so Schellhaas.

Wettbewerbsfähige Versorgung gewährleistet

Ab 1. Juli gehen das St. Rochus Krankenhaus und die Kreiskliniken einen gemeinsamen Weg in der Versorgung herzkranker Patienten. Dazu haben beide Krankenhausträger eine Kooperationsvereinbarung getroffen, die gestern unterzeichnet wurde. Den Vertrag - er läuft über zehn Jahre - bezeichnete der Landrat als „pragmatisch und ökomisch nachhaltig“.

Mit der Kooperation sei im ländlichen Raum eine „hochkompetente und wettbewerbsfähige Versorgung fast aller kardiologischen Erkrankungen außer Herzoperationen gewährleistet“, so Schellhaas. In das Konzept sind die Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim sowie die Universitätsmedizin in Mainz eingebunden. Vor Ort werden im Herzkatheterlabor des St. Rochus mit angeschlossener Intensivmedizin besonders komplexe und schwer erkrankte Patienten behandelt. Dazu stehen das Team von Privatdozent Dr. Michael Weber, Chefarzt der Kardiologie der Kreiskliniken, sowie die Kardiologen des St. Rochus mit ihren intensivmedizinischen Kollegen zur Verfügung.

In Groß-Umstadt werden kardiologische Notfallpatienten und sonstige stationäre Patienten versorgt. Darüber hinaus bietet das St. Rochus über sein Belegarztsystem die ambulante Versorgung kardiologischer Patienten in diesem integrativen Konzept an.

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