„Vibrieren bis ins Zwerchfell“

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Der ehemalige Rennfahrer August Hobl (mit Kappe) besuchte die Sonderausstellung „Dieburger Dreiecksrennen“.

Dieburg (ula) ‐ „Wir nannten sie die singende Säge“, schwärmte Walter Dörfler, der beim Dreiecksrennen 1954 als Streckenposten mit der roten Fahne am Gefängnis stand. Von Rennleiter Gustav A. Petermann strikt angewiesen, nur dann das Rennen zu stoppen, wenn fünf bis sechs Fahrer auf der Straße liegen.

Wenn der Gustl geschaltet hat, ist es mir eiskalt den Buckel runtergelaufen.“ Nach über 50 Jahren gab es für Dörfler ein Wiedersehen mit seinem Idol aus Ingolstadt, August „Gustl“ Hobl. Der Rennveteran kam zur Sonntagmatinee in das Museum des Schlosses Fechenbach, wo die Sonderausstellung zum „Dieburger Dreiecksrennen“ noch bis 8. August gezeigt wird.  Der Besuch des dreifachen deutschen Meisters und ehemaligen Vizeweltmeisters sorgte für enormen Zulauf in den Ausstellungsräumen. Unzählige Autogrammkarten signierte der Rennverteran, viele Episoden rund um das legendäre Dieburger Rennsportereignis wurden wach. „Das vibriert bis ins Zwerchfell“, meinte Bürgermeister Werner Thomas, der „leider zu jung war“, um den Sieg Hobls 1953 mitzuerleben.

Der bayrische Fahrer raste mit seiner DKW in der Klasse 250 ccm nach 3,3 Kilometern Rennstrecke als Held über die Ziellinie. Knapp 70 000 Zuschauer erlebten das legendäre Rennen mit – Dieburgs Bevölkerung zählte gerade einmal 7 000 Menschen.

„Das Publikum war hautnah dabei“

Damals gab es nicht die Distanz wie heute. Das Publikum war hautnah dabei“, erinnert sich Hobl. Die Kurven waren nur mit Strohballen gesichert. „Um heute ein Revival zu veranstalten, muss man eine ganze Doktorarbeit an behördlichen Auflagen abarbeiten“, so Norbert Gottlieb von der Interessengemeinschaft Dieburger Dreiecksrennen, der dennoch eine vierte Auflage des heutigen Rennens ins Visier nimmt.

In Dieburg wurde das erste im Frühjahr veranstaltet“, fachsimpelte Hobl. „Für uns Techniker war das interessant, denn wir hatten den ganzen Winter an unseren Maschinen geschraubt.“ Der inzwischen 79-Jährige absolvierte in der Nachkriegszeit eine Lehre zum Kfz-Mechaniker. Das Rennfahren war ein Kindheitswunsch, doch erschien dieser Gedanke geradezu phantastisch kühn, in einer Zeit, „da es wenig gab“. Als 1949 eine DKW-Niederlassung von Chemnitz nach Ingolstadt umsiedelte, konnte Hobl seinen Traum realisieren. 1953 startete er als Nachwuchsfahrer, im Jahr darauf gehörte er zum offiziellen DKW-Werksteam.

Vom Rennfahrer zum technischen Kundendienst

Der Rennprofi wurde damals bei der Firma Spieß herzlich empfangen, die ebenfalls DKW-Niederlassung (heute: Audi) war. Auf einer 350 ccm-Maschine bretterte Hobl hier im Jahr 1955 als zweiter durchs Ziel, ein Jahr später hängte er die Karriere als Profi an den Nagel. „Meine Zukunft sah ich nicht als Berufsrennfahrer“, erzählte er. „Ich ging in den technischen Kundendienst und später in die Entwicklung.“

Die Passion für die „Motorradl“ jedoch blieb. Wenn Hobl zur Testfahrt mit offizieller Genehmigung der bayrischen Landesregierung mit 200 Stundenkilometern über die Ingolstädter Autobahn preschte, dachte manch ein Autofahrer „ein Flugzeug stürzt ab“.

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