Die Volkswagen OTLG bereitet in diesem Jahr 28 junge Menschen aufs Berufsleben vor

Fordern und Fördern im Einklang

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Sitzt auch mal, aber nicht nur im Stapler: Azubi Alexander Lang, der als angehende Fachkraft für Lagerlogistik auch kaufmännisches Know-how erlangt.

Dieburg - Die Volkswagen OTLG bietet jungen Menschen einen prima Ausbildungsplatz und übernimmt die Azubis in neun von zehn Fällen. Ein Besuch bei Dieburgs größtem Ausbilder. Von Jens Dörr 

Der seitens der Wirtschaft zuletzt oft benannte Fachkräftemangel, dies sei vorausgeschickt, scheint Dieburgs größtem privaten Arbeitgeber nicht zu drohen. „Wir erhalten circa 400 Bewerbungen pro Jahr“, sagt Jörg Helfmann. Der Eppertshäuser ist Niederlassungsleiter der Volkswagen Original Teile Logistik GmbH (OTLG) im Industriegebiet-Nord, die einst als VAG bekannt war und mit derzeit 400 Arbeitsplätzen mehr aufweist als jedes andere Unternehmen des Mittelzentrums. Der Dieburger Standort ist einer von sieben Logistik- und Systempartnern des VW-Konzerns in Deutschland. Von ihm aus werden 3 700 Vertragshändler und Werkstätten der Marken Volkswagen (auch Nutzfahrzeuge), Audi, Seat und Skoda in der Bundesrepublik sowie in Dänemark mit Originalteilen, Zubehör und Serviceleistungen versorgt. Und junge Menschen aus Dieburg und Umgebung mit guten beruflichen Perspektiven.

„2018 stocken wir die Anzahl jener, die bei uns eine Ausbildung oder ein Duales Studium absolvieren, auf 28 Personen auf“, sagt Helfmann. Derzeit sind es noch 22. Unter den in Bälde 28 Azubis und Studenten werden elf sein, die in diesem Jahr neu am Standort in der Güterstraße beginnen. „Wir haben den demografischen Wandel im Kopf“, so Helfmann. „Wenn wir die Leute auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr so leicht kriegen, müssen wir sie verstärkt selbst ausbilden.“

Zu zwei Dritteln handele es sich dabei um junge Männer und Frauen im kaufmännischen Bereich sowie in der Lagerlogistik; das andere Drittel sind Duale Studenten mit Fachrichtungen wie Automobilhandel oder Warenwirtschaft und Logistik. Letztere studieren einerseits an der Berufsakademie in Mannheim und Mosbach, absolvieren andererseits ihre betriebliche Praxisphase in Dieburg. „Der Praxisschock bleibt den Studenten somit erspart“, sagt Helfmann. „Und der Arbeitgeber lernt seine Studenten erstmal gut kennen.“

Laura Balduf kann sich unter anderem bei Maren Beck, einst Studentin und inzwischen Unterabteilungsleiterin bei der OTLG, während der Praxisphase Rat holen.

Studenten wie zum Beispiel Erol Brentano (22, Modautal), Maren Beck (33, Darmstadt) und Laura Balduf (25, Groß-Umstadt). Wobei Brentano und Beck bereits dort angekommen sind, wo Balduf einmal hin möchte: in einer Festanstellung bei der OTLG. „Es gelingt uns in etwa 90 Prozent der Fälle, unsere Azubis und Studenten zu übernehmen, zumal Abbrecher extrem selten sind“, nennt Helfmann die Größenordnung. „Genau dafür bilden wir ja auch aus. Wer mit einem besseren Notenschnitt als 2,0 abschneidet, wird sogar sofort unbefristet übernommen.“ Und kann Karriere machen.

So ist Brentano beispielsweise den Schritt zum Assistenten der Niederlassungs-Leitung gegangen. Wie Beck hat er das Duale Studium gemeistert. Die Darmstädterin beendete es bereits 2007, sammelte anschließend jeweils drei Jahre lang als Assistentin und im Außendienst Erfahrung bei der OTLG – und wurde dann Unterabteilungsleiterin. „Die OTLG gibt den Studenten, aber auch den Azubis eigenverantwortliche Projekte“, sagt sie und wertet das als wichtigen Ansatz für die Entwicklung einer selbstständigen Arbeitsweise. Zu der gehöre laut Helfmann auch, dass die Azubis alle Abteilungen durchliefen und möglichst generalistische Grundlagen erhielten. Wer sich besonders hervortue, werde zudem in den „Talentkreis“ aufgenommen: „Das sind junge Wilde, unsere Top-Azubis, die wir dort einfach mal machen lassen.“Dort können sich Studenten und Auszubildende schon in den ersten Jahren nachdrücklich in Erinnerung rufen und für spätere Aufgaben empfehlen.

Diese Möglichkeiten haben auch junge Menschen, die wie Alexander Lang (18) eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik machen. „Das ist auch sehr kaufmännisch“, stellt der Altheimer heraus, der sich auch deshalb in Dieburg bewarb, weil schon seine Mutter einst bei der OTLG gearbeitet hatte. Helfmann pflichtet dem Azubi bei: „Dieses durchaus vielschichtige Berufsbild hat in der Öffentlichkeit vielleicht nicht den Ruf, den es verdient.“

Die Zukunft des Autos auf der IAA

Verdienen ist dabei das nächste und in den Augen potenzieller Einsteiger gewiss ein wichtiges Stichwort. Wer bei der OTLG eine Ausbildung beginnt, erhält im ersten Lehrjahr 840 Euro. „Wir zahlen eine übertarifliche Ausbildungsvergütung und legen immer 100 Euro drauf“, sagt Helfmann. Studenten erhalten im ersten Jahr 962 Euro. Ex-Student Brentano findet, dass das „auch gut ist, um ein freies und eigenständiges Leben zu führen“. Schließlich gebe es die Vergütung nicht in jedem Betrieb und jeder Branche her, so früh das „Hotel Mama“ zu verlassen und schon als Azubi oder Student in die eigene Wohnung zu ziehen.

Für 2018 sind die begehrten Plätze bei der OTLG in Dieburg bereits vergeben. „Bis Oktober sollte man sich bei uns bewerben, wenn man sich für eine Ausbildung oder ein Duales Studium mit Start in 2019 interessiert“, blickt der Niederlassungs-Leiter voraus. Trotz der vielen Online-Bewerbungen („Papierbewerbungen schicken wir zurück“) merke man auch bei der Volkswagen-Tochter, dass es „derzeit einen Bewerbermarkt“ gebe. In Schulen, auf Azubi-Messen, über Speed-Datings und Praktika macht der größte private Arbeitgeber der Stadt (und einer ihrer größten Gewerbesteuer-Zahler) auf sich aufmerksam. Dass die Qualität der Bewerbungen gegenüber einst nachgelassen hat, würde Jörg Helfmann trotzdem nicht unterschreiben: „Früher war die Zukunft auch besser“, konstatiert er mit Ironie.

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