Tag voll interessanter Begegnungen

+
Eine türkische Tanzgruppe bringt Bewegung in den Tag der Begegnung. Das erste Fest der Kulturen am Samstag wurde ein voller Erfolg.

Dieburg -  Lautes Stimmengewirr empfängt den Besucher beim Betreten des Fechenbachparks. Wortfetzen schwirren durch die Luft, unverständliche Satzfragmente summen den Besuchern in den Ohren. +++Fotostrecke+++Von Verena Scholze

Was für deutsche Ohren wie ein wüster Redeschwall klingt, ist eine lautstarke, freundschaftliche Unterhaltung über das letzte Familientreffen. „Bei uns geht es immer so zu“, erklärt die 23 Jahre alte Ayse lächelnd in einwandfreien Deutsch. Ayse wurde in Deutschland geboren und kennt die Türkei, die Heimat ihrer Eltern, nur von Urlauben. Ihre Mutter Guel hingegen lebt zwar seit vielen Jahren in Deutschland, hat aber die deutsche Sprache nicht annehmen können. „Ihr fällt es schwer, weil wir zu Hause und bei Freunden immer nur Türkisch sprechen“, berichtet Ayse. Ebenso wie viele ihrer Freunde ging Ayse auf die deutsche Schule und schätzt ihre Heimat sehr. „Ich bin zwar Türkin, aber im Herzen bin ich deutsch“, erklärt sie. Ayses Eltern unterstützen ihre Tochter in jeglicher Hinsicht. „Ayse ist eine selbstbewusste moderne Frau, die mit beiden Beinen mitten im Leben steht“, sagt ihr Vater Hasan voller Stolz. Ganz anders hingegen Meryem. Die 28-Jährige lebt zurückgezogen in ihrer Familie. „Meine Frau kümmert sich um meine kranke Mutter und unsere Kinder“, erzählt ihr Mann, während Meryem scheu lächelt. „Arbeiten muss sie nicht, ich habe ja Arbeit und verdiene das Geld.“

Beim weiteren Gang durch den Park erschnuppern die Besucher in jeder Ecke exotische Gerüche. Kulinarische Köstlichkeiten aus fremden Ländern laden zum Stehenbleiben und Probieren ein. Herzhafte Gerichte wie Lammspieße, süßlicher Reis mit viel Curry, gefüllte Teigtaschen, delikat mit Zwiebeln oder Knoblauch, süße Nachspeisen und Kuchen für die Feinschmecker und Nationalgetränke dürfen natürlich nicht fehlen. Ob iranische, pakistanische, türkische, griechische oder afrikanische Küche, jeder Gourmet kommt zu seinen Gaumenfreuden. „Hier, probier doch mal“, bietet ein Pakistani einer Dame im Vorbeigehen einen Fleischspieß an, den sie überrascht und verlegen entgegen nimmt. Viele fremdartige, farbenfrohe Souvenirs laden zum Kauf ein. Perlen- und Holzschmuck sowie Dekorationen aus Gambia, afrikanische Tücher und Taschen, tibetische Gebetsfahnen oder bunter Schmuck, farbenfrohe Trachten aus Griechenland - alles findet Anklang.

Kultur geht auch durch den Magen: Viel Exotisches konnte man an den Ständen probieren.

Zum ersten Fest der Kulturen haben sich am Samstag viele Besucher im Park eingefunden. Die Veranstalter und Teilnehmer strahlen mit der Sonne um die Wette. „Über 20 Gruppen haben sich beteiligt“, freut sich Bürgermeister Dr. Werner Thomas. Das Fest, das die Stadt ausrichtet, ist Teil des Programms zur Förderung der Integration. „Wir möchten Menschen mit den unterschiedlichsten kulturellen Wurzeln eine Gelegenheit zur Begegnung und zum Austausch bieten“, so Thomas. Die Gelegenheit zum Austausch nutzen die Besucher und Teilnehmer ausgiebig. Eine Welle von Freundlichkeit schlägt den Besuchern an jedem Stand entgegen. Fremde finden zusammen, man diskutiert über den Urlaub oder die Einzigartigkeit jeder Kultur. „Komm uns doch mal bei unseren Treffen besuchen“, bietet ein junger Mann der Folkloregruppe aus Eritrea an. Wo Sprachschwierigkeiten herrschen, greifen die Leute zur Verständigung mit Hand und Fuß. „Das geht sehr gut“, lächelt Annemarie aus Münster, die sich im Gespräch mit einer Frau aus Eritrea befindet. Viele Besucher lassen sich auch über Hilfsprojekte informieren und hinterfragen die aktuelle Situation in den Herkunftsländern.

Shows der Folkloregruppen aus Ecuador, der Türkei und dem benachbarten Groß-Umstadt sorgen für ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm. „Ich habe vor Jahren mal eine Zeit lang in Ghana gelebt“, erzählt die 51-jährige Heidemarie, die zuschaut. „Eines meiner Kinder wurde dort geboren und für mich ist Ghana wie eine zweite Heimat.“

Kommentare