Rettungshunde auf dem Campus

Vorsichtig Pfote vor Pfote

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Wie nach einem Bombenangriff sieht es auf dem Campusgelände aus. Die DRK-Rettungshundestaffel nutzt das Gelände zum Training. Vorsichtig erkundet ein Hund (Mitte) unter Anleitung das schwierige Terrain auf der Suche nach „Verschütteten“.

Dieburg -Das Abbruchgelände am Campusgelände ist ein idealer Trainingsort für Rettungshunde. Die DRK-Rettungshundestaffel rückte zum Üben an. Von Michael Just

„Das ist ein sehr realistischer Ausbildungsort. Hier muss man sich nicht vorstellen, wie es aussehen könnte“, sagt Manuela Schmerker von der DRK-Rettungshundestaffel. Gäbe es jetzt laut der 41-jährigen noch ein Feuer, wäre das Szenario perfekt. Das mache aber nichts: „Das haben wir dann wieder bei den Prüfungen“, fügt sie hinzu.

Derzeit findet die DRK-Rettungshundestaffel, die zum DRK-Verband des Landkreises und hier wiederum zur Ortsgruppe Babenhausen gehört, den nahezu perfekten Trainingsort auf der Baustelle der ehemaligen Postfachhochschule („IngAk“) vor. Durch den Abriss der alten Wohnhäuser, die in einem Fall bis zu 65 Meter hoch sind, präsentiert sich das Areal durch die Abrissbirne als riesiges Trümmerfeld. Am Sonntag rückte die Staffel, zu der 18 Hunde und 15 Führer gehören, fünf Stunden lang zum Üben an. In den Mulden der Geröllberge versteckten sich drei vermeintliche Opfer, die die hervorragenden Nasen der Hunde herausforderten.

Stets gegen den Wind

Bis zu 15 Metern türmen sich die Schuttberge auf. Skelettartig ragen jene Häuserreste in den Himmel, die noch nicht ganz abgetragen sind. Zum Teil hatten die Hundeführer Probleme, ihren Spürnasen zu folgen. „Ich warte hier, bis sie anschlägt“, sagt Judith Grön, während sich ihre Luise, eine siebenjährige holländische Schäferhündin, scheinbar leichtfüßig zwischen großen zerbrochenen Betonplatten bewegt. Bis zu einer Tiefe von vier Metern können die Hunde einen Menschen bei guter Witterung wahrnehmen. Der Vierbeiner nähert sich dabei, sofern möglich, stets gegen den Wind. Hilferufe der Statisten waren am Sonntag nicht erwünscht: „Der Hund soll sich alleine auf seinen Geruchssinn verlassen und nicht auf sein Gehör“, erklärt Schmerker. Auch dass er Speisereste, die in den Trümmern verborgen sein könnten, links liegen lässt, ist der Ausbilderin wichtig. Und noch etwas zählt: Bedachtsamkeit, denn auch Hunde können abstürzen. Vorsichtig sollen sie eine Pfote vor die andere setzen.

Ein Rettungshund auf der Suche nach „Verschütteten“.

„Nein!“ ruft Grön plötzlich. Luise schlägt an und hat ein Opfer, das sie zuvor bereits aufspürte und das aus Sicherheitsgründen in seinem Versteck blieb, ein zweites Mal entdeckt. „Das sollte nicht passieren“, sagt Grön. „Weiter suchen! Geh da hinauf!“, ruft sie ihrem Hund zu. Reale Notfälle in Trümmern haben die Retter-Duos aus Mensch und Tier eher selten. Einer der letzten großen Einsätze liegt mit einer Gasexplosion in Reinheim schon mehr als zehn Jahre zurück.

In der Regel wird die Babenhäuser Staffel, deren Mitglieder bis von Heppenheim, Langenselbold oder Klingenberg kommen, zur Vermisstensuche im Gelände gerufen. Das passiert dafür fast monatlich.

„Solche Reviere sind schwer zu bekommen“

Die Übung an den Überresten der ehemaligen Postfachhochschule in Dieburg soll nicht die letzte gewesen sein. „Solche Reviere sind schwer zu bekommen“, weiß Bereitschaftsleiter Manfred Koch. Oft sei dies reiner Zufall, dazu hänge die Nutzung vom Wohlwollen des Eigentümers ab.

Regelmäßige Ausbildungsorte sind sonst die Bauschuttdeponie in Messel oder ein Baustoffwerk mit Bruchsteinen im Rodgau. Dieburg präsentiert sich laut Koch derzeit als ideal: „Hier haben wir einen seltenen Originalabbruch und die Häuser sind höher als normal. Das ist extrem gut.“

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