Serie übers St. Rochus Krankenhaus: Zum Auftakt ein Überblick

Vorstand und Leitung arbeiten jetzt als Partner

Der christliche Gedanke von Fürsorge und Nächstenliebe stehe im St. Rochus Krankenhaus - hier die gerne genutzte Kapelle des Dieburger Spitals - im Zentrum aller Aktivitäten, sagt die neue Generalbevollmächtigte Ute Sperling.  J Foto: Dörr

dieburg J Der Wunsch der meisten Dieburger dürfte eindeutig sein: Das St. Rochus Krankenhaus im Herzen der Stadt soll eine langfristige Zukunft haben. In den kommenden Wochen und Monaten wird der DA verstärkt über Bewährtes und den Wandel im St. Rochus Krankenhaus berichten. Von Jens Dörr

Das katholische Haus gehört bereits seit dem 19. Jahrhundert zu Dieburg und trägt durch sein Dasein mit kurzen Wegen und Anlaufstellen für die verschiedensten Gebrechen zur Infrastruktur des Mittelzentrums bei. Die Pflege und Krankenversorgung an der Gersprenz ist derweil noch wesentlich älter das St. Rochus selbst - 675 Jahre, wie man aktuell unter anderem in einer Ausstellung des Museums Schloss Fechenbach lernen kann.

Gleichwohl: Es war gerade in der jüngeren Vergangenheit nicht alles Gold, was in Dieburgs Mitte glänzte. Das Krankenhaus kämpfte unter anderem mit abwandernden Fachkräften, einem umstrittenen Generalbevollmächtigten und roten Zahlen. Am Donnerstag wird das St. Rochus auf einer Pressekonferenz die Entwicklungen seit Ende letzten Jahres präsentieren. Da übernahm der Altheimer Armin Probst (47) den Vorstandsposten der St. Rochus Stiftung neben dem „natürlichen“ Vorstand von geistlicher Seite, Pfarrer Alexander Vogl. In Ute Sperling (49) kam zudem eine neue Generalbevollmächtigte - Geschäftsführerin, könnte man es auch plakativer ausdrücken. Das „General“ vor der „Bevollmächtigten“ bezieht sich auf die Tatsache, dass Sperling nicht nur die Leitung des Krankenhauses obliegt, sondern auch die des Altenzentrums St. Rochus in der Gerhart-Hauptmann-Straße im Dieburger Westen. Außerdem behält Sperling den Überblick über die Vermögensverwaltung der Stiftung.

Der DA wird in den kommenden Wochen und Monaten aus verschiedenen Richtungen auf das St. Rochus Krankenhaus blicken, bekannte Aushängeschilder ebenso zu Wort kommen lassen wie die wichtigen Kräfte hinter den Kulissen. All das vor dem Hintergrund, dass der langfristige Fortbestand des Hauses in Dieburg möglich, wenngleich gerade aus wirtschaftlicher Sicht kein Zuckerschlecken sein wird, das St. Rochus aber in erster Linie durch die Menschen geprägt wird, die in ihm arbeiten.

Arbeitsweisen und Entwicklungen im Dieburger Krankenhaus lassen sich noch besser verstehen, wenn man die organisatorische Ordnung genauer kennt. Streng genommen steht Armin Probst eine Stufe über Ute Sperling. „Vorstand und Leitung arbeiten jetzt jedoch partnerschaftlich zusammen“, betont Probst und verdeutlicht, dass die Hierarchien flacher geworden sind. Ein Kuratorium überwacht wiederum die Arbeit von Probst und Alexander Vogl - sieben Personen unter der Leitung von Dr. Raimund Lieb. Kirchliche und städtische Vertreter gehören der Art Aufsichtsrat an, unter anderem Bürgermeister Dr. Werner Thomas. Die Aufsicht über die Stiftung hat wiederum das Bischöfliche Ordinariat des Bistums Mainz. Generalvikar Dietmar Giebelmann lässt die Stiftungsaufsicht durch einen Vertreter durchführen.

Wer ein generelles Verständnis für das Dieburger Krankenhaus entwickeln möchte, muss wissen: Die Ärzte sind in der Regel Belegärzte, viele von ihnen werden dennoch aufgrund ihrer langen dortigen Arbeit gefühlt beinahe zum „Inventar“ des St. Rochus gerechnet. Tatsächlich auf der Gehaltsliste der Stiftung stehen - nur das Krankenhaus berücksichtigt, ohne Altenzentrum und Vermögensverwaltung - insgesamt 225 Mitarbeiter. Der größte Teil dieser Menschen arbeitet in der Pflege der Patienten. Entgegen manch anderem Haus hat das St. Rochus das Outsourcing gestoppt, betreibt sogar wieder das Insourcing von Dienstleistungen: Das betraf Ende des vergangenen Jahres etwa den Reiningungsdienst, wird auch bei den bisher externen Verantwortlichen für das Küchen-Management bald der Fall sein. Der interne Reinigungsdienst habe noch höhere Hygienestandards ermöglicht, sind Sperling und Probst dieser Tage stolz. Dokumentiert habe dies die Auszeichnung in Silber der Aktion „Saubere Hände“, an der sich die meisten hessischen Krankenhäuser derweil nicht beteiligt hätten.

Das St. Rochus Krankenhaus besteht im Kern aus den Fachabteilungen Anästhesie, Augentagesklinik, Chirurgie, Dialysezentrum, Geburtshilfe, Gynäkologie, HNO, Innere Medizin, Orthopädie, Pflege, Physiotherapie und Urologie. Wichtig, auch mit Blick auf die Finanzierbarkeit der Spitals, ist das Weaning Zentrum auf der Intensivstation (16 Betten von 84 im gesamten Krankenhaus). Dort werden Patienten vom Beatmungsgerät entwöhnt. Man nehme auch Menschen mit schlechter Prognose auf, was durchaus mal eine Statistik weniger gut aussehen lassen könne, aber dem christlichen Gedanken der Fürsorge und Nächstenliebe entspreche, die im Zentrum aller Aktivitäten stehe, so Sperling.

Die Intensivstation wird gerade um sechs Betten erweitert und dürfte bereits ab Spätsommer dann über 22 Betten plus ein schon bestehendes Aufnahmebett für Notfälle („Intermediate Care Bett“) verfügen. In der Umstrukturierung befindet sich zudem die Fachabteilung Naturheilkunde.

Über das und vieles mehr wird in den kommenden Wochen und Monaten verstärkt zu lesen sein.

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