Dieburg

Waldarbeit - nicht nur im Winter ein gefährlicher Job

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Die Forstamt-Serie beleuchtet diesmal den Aspekt Waldarbeit.

DA-Serie Teil 4: Forstwirte, Arbeiter und Holzrückunternehmen sind rund ums Jahr im Dieburger Forst im Einsatz. Doch was machen Forstamtmitarbeiter  und wie muss der Wald gepflegt werden? Diesen Fragen widmet sich die Forstamt-Serie, die heute das Thema der Waldarbeit beleuchtet.

Dieburg (ves) - Waldarbeiter stehen in der Gefährlichkeit ihres Berufes an gleicher Stelle wie Chemiearbeiter“, erklärt Thomas Schmalenberg,   Bereichsleiter     Produktion   des   Forstamtes  Dieburg.

„Waldarbeit ist eines der gefährlichsten Beschäftigungsfelder. Auch erfahrene Waldarbeiter können in Situationen geraten, die sich nicht immer vorhersehen lassen. Unfälle sind dann vorprogrammiert. Unser oberstes Ziel ist es daher, Unfälle zu vermeiden“.

Zum Forstamt Dieburg zählen zwölf eigene Forstwirte, die im Wald tätig sind. Dazu kommen drei zusätzliche Unternehmerfirmen, die nochmals rund 20 Leute stellen sowie sieben bis acht örtliche Holzrückunternehmen.

Für ihre verschiedenen Aufgaben im Wald gibt es den Jahreszeiten entsprechend verschiedene Schwerpunkte. Im Frühjahr werden überwiegend Pflanzungen vorgenommen und im Sommer finden Pflegemaßnahmen statt.

Im Herbst und im Winter wird die Holzernte vorgenommen, die den größten Teil der Arbeiten einnimmt. Beim Baumfällen kommen neben der Motorsäge für dickere, wertvolle Stämme auch Holzerntemaschinen für dünnere Stämme zum Einsatz.

An diesem Morgen jedoch ist Handarbeit gefragt: Der gelernte Forstwirt Thomas Großmann ist mit seinen zwei Kollegen Gerhard Koch und Michael Kehl bei der Arbeit. Zuerst wird der Weg großräumig abgesperrt und mit Hinweisschildern versehen, um Spaziergänger auf das Baumfällen aufmerksam zu machen. Um den markierten Baum wird loses Gestrüpp und Geäst entfernt. „Man muss bei einem Fall schnell zur Seite springen. Alles, was einem zum Stolpern bringen kann, muss in großer Reichweite entfernt werden“, erklärt Großmann.

Nachdem der Fallwinkel berechnet wurde, sägt er einen Keil in Fallrichtung des Baumes. Großmann und seine Helfer vergewissern sich, dass sich keine Personen in der Umgebung aufhalten. Nach einem lauten Ruf setzt Großmann die Motorsäge an.

Der Baum beginnt sich in die berechnete Richtung zu neigen. Schnell springt Großmann zur Seite, immer mit Blick zum stürzenden Holz. Mit lautem Krachen fällt der riesige Baum zu Boden, reißt Äste von Nachbarbäumen mit.

„Man muss immer einen Blick in die Baumkronen werfen, bis sich alles beruhigt hat“, erzählt Schmalenberg. „Auch hier verbergen sich Gefahren in nachfallenden und brechenden Ästen“.

Dieser Baum fiel jedoch problemlos und kann mit der Zugmaschine zur Seite geräumt werden.

Ein anderes Problem tut sich jedoch an einem anderen Baum auf. Dieser hat sich im Fallen zwischen zwei Bäumen eingekeilt und hängt zwischen den beiden fest. Er muss nun mit dem Zuggerät rausgezogen werden, eine nicht ungefährliche Situation.

Nachdem der Seilzug am Baum angebracht ist und die Seilwinde sich anspannt, beginnt der Baum zu rutschen und stürzt unkontrolliert. Zum Glück befinden sich alle außer Reichweite. „So schnell kann es passieren, wir hatten noch nicht einmal Zeit, die Zugmaschine zu besetzen“, sagt Großmann.

Die Waldarbeiter bekommen ihre Schutzausrüstung gestellt. Hierzu zählen neben Helm und Schutzweste auch Handschuhe, Schnittschutzhose und -schuhe.

Zusätzlich sind die Forstwirte mit Helmfunk ausgerüstet, um auch über größere Entfernungen und bei Sägelärm miteinander kommunizieren zu können. Nur die Motorsäge muss selbst gekauft werden, anteilsmäßig wird diese jedoch bei Gebrauch abgerechnet.

Um Unfällen vorzubeugen, müssen die Waldarbeiter sich neben ihrer fundierten Ausbildung zweimal jährlich einer weiteren Praxisprüfung unterziehen.

Hierbei müssen die Arbeiter zeigen, dass sie alle erforderlichen Maßnahmen beim Baumfällen beherrschen. Die Kriterien sind streng. „Dies dient alles der Sicherheit unserer Arbeiter“, so Schmalenberg.

„Als Unfall definieren wir, wenn man nach drei Tagen körperlich noch nicht wieder arbeitsfähig ist“.

Quetschungen und Prellungen durch fallende oder rollende Bäume und Äste sind die häufigsten Unfallursachen. „Unsere Forstwirte leisten schwere körperliche Arbeit. Den ganzen Tag an der Luft, die Gewichte, die bewegt werden müssen. Da kann die Konzentration mal nachlassen“ sagt Schmalenberg. Glücklicherweise musste das Forstamt Dieburg bisher noch keine schweren Unfälle verzeichnen.

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