Waldrundgang in Dieburg

Bei Laubfroschwetter im Wald

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Gummistiefel und Regenschirm: Für den Waldrundgang waren Bürger und Revierförster Peter Sturm gut ausgerüstet.

Dieburg - Trotz Dauerregens zog es am Samstag rund 60 Dieburger mit Bürgermeister und Förster ins Freie. Von Matthias Grimm

Es regnete in Strömen, als sich am Samstagmorgen rund 60 unentwegte Bürger zum traditionellen Waldrundgang der Stadt aufmachten. Gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Werner Thomas und Revierförster Peter Sturm ging es am Schützenhaus im Urberacher Weg los. An vier Stationen erzählte der Förster Interessantes über Laubfrösche, ehemalige Weihnachtsbäume, die Vorgehensweise beim Holzeinschlag und das Schicksal der Fichte.

Unweit des KJG-Häuschens wird seit 2009 ein Biotop für den Laubfrosch gepflegt, der als eine gefährdete Tierart auf der „Roten Liste“ steht und deshalb nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt ist. Zwei Teiche am Waldrand wurden entschlammt und zu einer „Flachwasserzone“ gestaltet. So kann sich das Wasser einerseits gut erwärmen, was die Laubfrösche brauchen. Andererseits entsteht im flachen Wasser kein Fischbesatz, der für die Eiablage des Frosches fatal wäre. Die Maßnahmen tragen Erfolg: Quakten vor vier Jahren während der Paarungszeit im Mai/Juni nur vereinzelte Exemplare, war der „Männerchor“ der Laubfrösche in diesem Jahr so laut, dass er bis in die Stadt zu hören war. Peter Sturm bilanziert „eine sehr positive Bestandsentwicklung“ des Laubfrosches an dieser Stelle und kündigt weitere Maßnahmen im naheliegenden Gehölzbereich an, um die Lichtverhältnisse für die Tiere in ihrem Winterlebensraum zu verbessern.

Ein Sammelsurium von Nadelhölzern, nicht standortgerecht und teilweise vom Borkenkäfer geschädigt, steht auf dem Gelände der ehemaligen Weihnachtsbaumkultur Emmerich. Noch unter Bürgermeister Peter Christ kaufte die Stadt das zwei Hektar große Areal auf. Seit 40 Jahren werden hier keine Weihnachtsbäume mehr verkauft und der Bestand ist nicht mehr gepflegt worden. So ist auf der ursprünglichen Ackerfläche ein Forstbestand gewachsen, der nun in einem umständlichen Genehmigungsverfahren als Waldbestand nachträglich legalisiert werden musste. Hütten mussten beseitigt werden, jetzt erfolgt die Gestaltung des Waldrands. Durch konsequente Durchforstung will Peter Sturm die vorhandenen Laubbäume fördern und bei Erreichen geeigneter Lichtverhältnisse die Buche dort einpflegen

Rückegassen, Erntefestmeter, Zukunftsbäume und die Situation auf dem Holzmarkt waren nur einige der Schlagworte, als die Waldrundgänger an der Abteilung 59 des Stadtwalds Station machten. Dort wird in einem 130-jährigen Kiefernbestand und 90-jährigen Buchenbestand in Kürze Holz eingeschlagen und auf den Markt gebracht. Mit Holz lässt sich derzeit gutes Geld verdienen. Dennoch: Es wird nicht mehr Holz eingeschlagen, wie auch wieder nachwächst, womit die Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft gewahrt wird.

Insgesamt werden ungefähr 3600 Festmeter Holz im Dieburger Stadtwald eingeschlagen, davon gehen 1500 Festmeter an sogenannte „Selbstwerber“, die im Wald „Brennholz machen“. Der Dieburger Wald beschert der Stadtkasse dank des stabilen Holzmarktes in diesem Jahr einen stattlichen Gewinn von 51 000 Euro, prognostiziert Peter Sturm.

Zum Abschluss erläuterte der Förster an einem exemplarischen Fichtenbestand (Abteilung 79) die Zusammenhänge zwischen der Klimaerwärmung und dem Schicksal der Fichte in den heimischen Wäldern. Als Flachwurzler leidet diese Baumart besonders unter den immer heißeren und trockeneren Sommern, da sie sich kein Wasser aus tieferen Bodenschichten holen kann. Unter Wassermangel steht die Fichte erheblich „unter Stress“ und ist anfällig für Borkenkäferbefälle und Windwurf. Peter Sturm: „So ist es nicht verwunderlich, dass der veranschlagte Nutzungsansatz durch Zwangsnutzungen, bedingt durch Borkenkäferbefall und Windwurf, bereits um mehr als das Doppelte überschritten ist.“ Die Fichte wird jetzt sukzessive durch Erle, Eiche oder Ahorn ersetzt. Außerdem feiert die Nadelbaumart Douglasie in den hiesigen Breiten ihr Comeback. Zum Abschluss hatte die Stadt zum Eintopfessen ins Schützenhaus eingeladen.

Für den Waldrundgang 2014 stellte Bürgermeister Dr. Werner Thomas in Aussicht, eine Holzerntemaschine vom Typ „Harvester“ in Aktion zu zeigen. Außerdem ist geplant, dass sich die Bürger einmal live anschauen können, wie Profis einen Baum fällen.

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